Ateliertage Berg/IckingAlles angerichtet zum künstlerischen Festmahl

Lesezeit: 3 Min.

„Wir bitten zu Tisch“: Das „Manna“ hat Fritz Güllich für die Ausstellung geschaffen.
„Wir bitten zu Tisch“: Das „Manna“ hat Fritz Güllich für die Ausstellung geschaffen.
Nila Thiel
  • Die Ateliertage Berg/Icking feiern ihr 40-jähriges Jubiläum gleich zweimal: mit einer Ausstellung „Wir bitten zu Tisch“ im Marstall Berg und den traditionellen Ateliertagen im Oktober.
  • Die Ausstellung zeigt Tisch-Installationen von verschiedenen Künstlern, die das Thema „Tisch“ kreativ interpretieren – von Fritz Güllichs glühendem Himmelsbrot bis zu Gabriel Baumüllers Tisch mit eisernem Besteck.
  • Lucie Plaschka verabschiedet sich mit ihrer Arbeit „Abschied“ aus der Künstlergruppe, da sie aus Altersgründen nicht mehr an den Ateliertagen teilnehmen will.
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Der 40. Geburtstag der Ateliertage wird  gleich zweimal gefeiert. Zum Auftakt findet an diesem Wochenende die Ausstellung „Wir bitten zu Tisch“ im Marstall Berg statt. Im Oktober öffnen sich dann die Ateliertüren.

Von Katja Sebald, Berg

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Beim letzten runden Geburtstag wurde noch heftig darüber gestritten, wer denn nun eigentlich als Spiritus Rector in die Geschichte eingehen darf, wer von Anfang an dabei war und wer erst später dazugekommen ist – und ob das Ganze womöglich doch schon ein Jahr früher oder erst ein Jahr später stattgefunden hat. Zum 40. Jubiläum der „Ateliertage Berg/Icking“ ist nun das Originalplakat der allerersten Veranstaltung wieder aufgetaucht: Es listet die 16 damals beteiligten Künstler auf und nennt auch ein Datum – allerdings ohne Jahreszahl.

Aber längst herrscht große Einigkeit unter der einst so wilden Künstlertruppe: Gefeiert wird das Jubiläum in diesem Jahr, und zwar gleich zweimal. An den ersten beiden Wochenenden im Oktober öffnen sich wie immer die Ateliertüren. Und bereits an diesem Wochenende stellen die beteiligten Künstler unter dem Motto „Wir bitten zu Tisch“ gemeinsam im Marstall in Berg aus.

Zur Vernissage an diesem Freitag, 7. August, wird auf einem großen Tisch in der Mitte des Saals wieder einmal das legendäre Künstlerbüfett angerichtet. Am Samstag und am Sonntag kann man dann nur noch geistige Nahrung an den daneben aufgestellten Tisch-Installationen naschen: Fritz Güllich serviert in einem tiefen schwarzen Krater glühendes Himmelsbrot und Nausikaa Hacker hat aus feingesiebter Asche ein „Déjeuner Bavarois“, vulgo Weißwurst und Brezen, angerichtet. Elisabeth Güllich hat einen Tisch mit Papier überzogen und sich in einer filigranen Bildgeschichte mit den vielen Facetten ihres Lebens als Frau auseinandergesetzt. Petra Jakob hat ein zierliches Schreibpult aufgebaut, auf dem sie in einem langen Brief das Klagelied über den Verlust alles Handschriftlichen anstimmt.

Die fein gezeichneten Figuren, die seit einigen Jahren in ihren Bilden auftauchen, lässt Juschi Bannaski in einem kleinen Schattenspiel rotieren.
Die fein gezeichneten Figuren, die seit einigen Jahren in ihren Bilden auftauchen, lässt Juschi Bannaski in einem kleinen Schattenspiel rotieren.
Nila Thiel

Hans Panschar hat an einem hohen Stelzentisch aus Holz und zwei ebensolchen Stühlen dem Unglücksraben Hans Huckebein zu einem Rendezvous und am Ende vielleicht sogar zu einem Happy End verholfen. Teresa Erhart hat Tisch und Stuhl für Robinson Crusoe gebaut und ihm eine kunstvolle Tischgesellschaft aus Tieren und Geisterwesen auf ein schwarzes Tuch gestickt. Die fein gezeichneten und bezaubernd merkwürdigen Figuren, die seit einigen Jahren in den Bildern von Juschi Bannaski auftauchen und nun in einem kleinen Schattenspiel rotieren, werden hingegen nicht zu Tisch gebeten, sie müssen mit einem handschriftlichen „Dankeschön“ der Malerin auskommen.

Mit rustikalem Besteck hat Gabiel Baumüller einen Tisch für zwei gedeckt.
Mit rustikalem Besteck hat Gabiel Baumüller einen Tisch für zwei gedeckt.
Nila Thiel

Der Bildhauer Gabriel Baumüller hat den Tisch für zwei gedeckt. Das mehrgängige Menü wird aus eisernen Schälchen mit Zangen, Feilen und grob geschmiedeten Werkzeugen gegessen, bevor für das Dessert zwei kleine Hämmer zum Einsatz kommen. Mit dem bereits angerichteten, köstlich glänzenden Metallsalat möchte man sich diese Installation wie ein Fallenbild von Daniel Spoerri an die Wand hängen. Ernst Grünwald breitet eine weiße Tischdecke aus und serviert darauf eine halbe Gipsente mit Krötenbeilage. Bei Sebastian Heinsdorff wird hingegen deutlich weniger deftig gegessen: Er hat Tisch und Stuhl aus zarten Bambusstäben konstruiert, auf denen ein dünnes Blatt Papierspeise angerichtet ist.

Andreas Huber deutet mit seiner Installation an, dass man Licht ins Dunkel bringen könnte, wahrt aber das Geheimnis: Auf einem alten Leuchttisch zeigt er unter Glas eine großformatige, von hinten beleuchtete Fotoarbeit, die im Archiv der Gemeinde Berg entstanden ist. Zu sehen sind in Übergröße geschlossene Aktenordner aus den Jahren 1930 bis 1938, untermalt von dem Geräusch, dass man hören würde, wenn man in diesen Akten blättern könnte. Auch Roman Woerndl zeigt seine Videoarbeiten diesmal in der Waagrechten auf einem Bildschirm, der zugleich eine Art Tischplatte bildet. Cornelia Hesse hat ein weißes Tischtuch für ein Festmahl ausgebreitet, bei dem mit Sandförmchen und Kinderspielzeug gegessen wird. Sie fordert die Besucher auf, die Falten des Tischtuchs zu glätten, denn unter jeder Falte befindet sich der Auslöser für eine Soundschleife: Es sind Kinderstimmen, die mit Erwachsenensätzen ein schönes Essen zum anstrengenden Benimmkurs machen. Auch Birgit Behrends-Woehrl hat ein Herz für Kinder, sie dürfen sogar auf dem Tisch sitzen.

„Abschied“ nennt Lucie Plaschka ihre Arbeit. Die Künstlerin nimmt aus Altersgründen zum letzten Mal an den Ateliertagen teil.
„Abschied“ nennt Lucie Plaschka ihre Arbeit. Die Künstlerin nimmt aus Altersgründen zum letzten Mal an den Ateliertagen teil.
Nila Thiel

Die unbestritten poetischste Arbeit in dieser Ausstellung stammt von Ulrich Panick, der auf einem Tischlein den berühmten Satz des französischen Dichters Isidore Ducasse über die Schönheit des „zufälligen Zusammentreffens einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“ nachgebaut hat. Anders als Man Ray, der die Nähmaschine für sein nicht minder berühmtes Objekt verhüllte, hat Panick sie auseinandergenommen, um nicht zu sagen: seziert. Und die traurigste Arbeit ist die von Lucie Plaschka, die sich mit einem schwarzen Trauertischlein aus der Gruppe verabschiedet, im nächsten Jahr will sie aus Altersgründen nicht mehr teilnehmen.

40 Jahre Ateliertage Berg/Icking, Ausstellung „Wir bitten zu Tisch“ im Marstall Berg, Vernissage am 7. August, Ausstellung am 8. und 9. August, jeweils von 14 bis 19 Uhr. 

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