In vielen Gemeinden ist es Usus, in Berg dagegen fast ein Novum: Kredite aufnehmen. Seit 2011 war die Kommune am Ostufer des Starnberger Sees schuldenfrei – und darauf sehr stolz. Im kommenden Jahr ist es damit allerdings vorbei. 5,8 Millionen Euro wird die Gemeinde aufnehmen. Die Summe wird zum großen Teil in den Rathausneubau fließen (4,3 Millionen Euro), die restlichen 1,5 Millionen Euro steckt die Gemeinde in die örtliche Wasserversorgung, darunter die Erschließung eines neuen Brunnens und den Bau diverser Wasserleitungen.
Über die Jahre hatte die Gemeinde ihr Finanzpolster sukzessive aufgebraucht. Noch vor zwei Jahren konnte sich Berg rühmen, mehr als 17 Millionen Euro auf der hohen Kante zu haben. 2023 waren es noch mehr als zehn Millionen und heuer, zum Jahresende, werden es laut Kämmerer Florian Bendele wohl nur mehr 4,4 Millionen Euro sein. Klar, welche andere Gemeinde leistet sich schon ein nagelneues Rathaus in Zeiten leerer Kassen, explodierender Baupreise und Inflation. Nach bisheriger Gesamtprognose wird der Bau 18 Millionen Euro kosten und mit fast 1,6 Millionen Euro von Bund und Freistaat gefördert.
Nachdem die Gemeinde Berg im kommenden Jahr einen Kredit in Anspruch nehmen will, muss sie laut Bendele „ein klares Signal an die Rechtsaufsicht“ im Landratsamt Starnberg senden, dass sie die laufenden Verwaltungsaufgaben und die geplanten Investitionen bewerkstelligen kann – entweder, indem sie ihre Einnahmen steigert, geplante Investitionen streicht oder Vermögen verkauft. Die Berger streben Letzteres an, um einen genehmigungsfähigen Haushalts- und Finanzplan für die Jahre 2025 bis 2028 vorweisen und die Rechtsaufsicht überzeugen zu können.
Angedacht ist der Verkauf von zwei Baugrundstücken im Jahr 2026: Das Grundstück an der Ratsgasse 1, auf dem das bisherige Rathaus steht, soll mit höherem Baurecht für Wohnungsbau versehen mehr als sechs Millionen Euro in die Berger Gemeindekasse spülen. Auch soll ein Teil des Baugrundstücks in Höhenrain nahe der „Herz-Jesu“-Kirche für Wohnbauzwecke verkauft werden. Hiervon erhofft sich die Gemeinde rund 4,70 Millionen Euro. Kämmerer Bendele geht davon aus, dass die Rechtsaufsicht im Landratsamt dadurch den klaren Willen der Gemeinde erkennen kann – zumal die Kommune auch noch die Hebesätze der Grundsteuer erhöhen wird.
Auch, wenn die Berger Bürger dafür bekannt sind, dass sie finanziell recht gut dastehen, kann die Kommune selbst von dieser Tatsache nur bedingt profitieren. Denn der Betrag, der ihr aus der Einkommensteuer ihrer Bürger zusteht, ist gedeckelt. Rund acht Millionen Euro sind laut Kämmerei im kommenden Jahr zu erwarten.
Der MTV kann sein Sportgebäude bauen
Bei der Grundsteuer verhält es sich anders – diese kann die Gemeinde festlegen, wobei die Grundsteuer A für landwirtschaftliche Betriebe relevant ist und B für Grundstücke. Um denselben Betrag zu erwirtschaften wie 2024, hat sich der Gemeinderat mehrheitlich dazu entschlossen, die Grundsteuer A auf einen Hebesatz von 510 Prozent anzuheben und die Grundsteuer B auf 450 Prozent. Somit wird die Gemeinde im kommenden Jahr 43 000 Euro und 1,7 Millionen Euro aus den beiden Grundsteuern A und B erhalten. Es war den Gemeinderäten in der Sitzung wichtig, einzelne Bürger nicht über Gebühr zu belasten – vielleicht spielte es in der teils emotionalen Debatte eine Rolle, dass auch viele am Ratstisch Privatgrundstücke haben.
Besonders froh ist man im Gremium, dass der Gemeinderat sein vor Jahrzehnten gegebenes Versprechen, sich finanziell am Bau des Multifunktionsgebäudes für den MTV Berg mit 1,1 Millionen Euro zu beteiligen, trotz klammer Kassen wahr machen kann. Da laut dem Zweiten Bürgermeister und MTV-Vorsitzenden Andreas Hlavaty (CSU) die Baugenehmigung da ist, scheint der langgehegte Wunsch der Sportler bald in Erfüllung zu gehen.
Der Berger Haushalt 2025, den die Gemeinderäte an diesem Dienstag gegen eine Stimme beschlossen haben, umfasst an Einnahmen und Ausgaben insgesamt einen Betrag von circa 22 Millionen Euro. Davon werden im kommenden Jahr fast 6,6 Millionen Euro in Form der Kreisumlage an den Landkreis gehen.

