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Gut Biberkor:Die Vision vom inklusiven Leben

Werner von Kahlden-Gmell plant auf Gut Biberkor ein Mehrgenerationenhaus für Menschen mit und ohne Behinderung - der Berger Gemeinderat segnet das Vorhaben ab.

Werner von Kahlden-Gmell ist ein Visionär. Und Gut Biberkor ist der Ort seiner Visionen. Viele von ihnen hat er in den vergangenen 26 Jahren auf dem ehemaligen Gutsgelände zwischen Aufkirchen und Höhenrain schon verwirklicht, in dem er dort ein einzigartiges Montessoriprojekt aus der Taufe hob - die "Montessorischule für Alle - vom Kindergarten bis zum Abitur".

Doch die Vision, die Gmell und seine Ehefrau Dorothea haben, erfüllt sich erst komplett, wenn zwei weitere Vorhaben auf dem Gutsgelände auf den Weg gebracht sind: das "inklusive Mehrgenerationenhaus" und das "Haus des Friedens". Im Mehrgenerationenhaus, das Gmell im Norden des Geländes am Georgiweg errichten will, sollen bis zu 28 Menschen mit und ohne Behinderung ein Zuhause finden. "Wir wollen, dass die Menschen hier lernen, arbeiten, leben und wohnen können", beschreibt Gmell die Idee. Seine Devise lautet: "Miteinander, füreinander". Das bedeutet in der Praxis, dass Mieter ohne Behinderung ihre Nachbarn mit Behinderung unterstützen bei Arbeiten, die diese nicht alleine verrichten können.

Gut Biberkor: Werner von Kahlden-Gmell

Werner von Kahlden-Gmell will ein inklusives Mehrgenerationenhaus auf Gut Biberkor bauen.

(Foto: Nila Thiel)

In dem fast 1900 Quadratmeter großen, quadratischen Gebäude sollen 1,5 bis Drei-Zimmer-Wohnungen ebenso Platz finden, wie eine Wohngemeinschaft. Was Arbeitsmöglichkeiten für die späteren Bewohner auf dem Gelände angeht, gibt es auf Biberkor bereits jetzt eine kleine Landwirtschaft, eine Gärtnerei und eine Imkerei. Wer sich dafür interessiert, kann bereits jetzt ausprobieren, ob ihm das eine oder andere als Beruf zusagen könnte. Unter dem "Haus des Friedens" versteht der Bauherr einen Andachtsort, in dem sich Schüler wie Erwachsene über philosophische, religiöse und umweltpolitische Fragen austauschen können.

Derzeit steht an der Stelle, an der das quadratische Gebäude entstehen soll, noch ein Stadel (hinten) mit einer Löschwasserreserve.

(Foto: Nila Thiel)

Die Berger Gemeinderäte sehen Gmells Pläne mit Wohlwollen, und so billigten die meisten von ihnen das Konzept. Laut Bergs Bürgermeister Rupert Monn soll nun im nächsten Schritt ein städtebaulicher Vertrag mit dem Bauherrn ausgearbeitet werden, in dem festgeschrieben wird, dass dieser die Planungskosten der Gemeinde zu tragen hat. Danach wird laut Monn auch die soziale Nutzung des Neubaus als Mehrgenerationenhaus grundbuchrechtlich gesichert. "Ich begrüße das Mehrgenerationenhaus, weil wir dann nicht nur von Inklusionsprojekten sprechen, sondern jetzt auch jemanden haben, der ein solches Vorhaben verwirklichen will", sagt Monn. Das "Haus des Friedens" ist nach Monns Ansicht "eine Art Kapelle im modernen Stil, in der sich Leute begegnen und Wanderer innehalten können". Der weitaus größte Teil des 250 000 Quadratmeter großen Gutsgeländes befindet sich in Gmells Eigentum. Lediglich die rund 18 000 Quadratmeter, auf denen das neue Schulgebäude steht, gehören dem Montessoriverein Biberkor. Mit dem Verein haben die beiden neuen Projekte, die Gmell auf seinem Grundstück plant, nichts zu tun.

Die Familie Gmell lebt übrigens nicht auf Biberkor. Sie wohnt in Dießen. Allerdings pendelt ihr Sohn seit zwölf Jahren täglich nach Berg. Denn er besuchte erst den Kindergarten auf Biberkor und geht heute dort zur Schule. Gmell geht davon aus, dass der 15-Jährige, der Trisomie 21 hat, auch einmal im Mehrgerationenhaus leben wird. "Ich weiß schließlich nicht, wie lange ich ihn noch ärgern kann", meint er 76-Jährige scherzhaft. Ob er und seine Frau sich dann eine der Mitarbeiterwohnungen auf dem Gut ausbauen werden, ist noch nicht entschieden.

© SZ vom 13.02.2020
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