Ausstellung Großstadt-Szenen in expressiver Gestik

Der Berliner Maler Rabe Habdank stellt seine Werke im Atelier des Vaters Walter Habdank auf der Maxhöhe aus. Seine intuitive Malerei bereichert auch oberflächliche Hochglanz-Fotografien von Frauen um eine zweite, innere Realität

Von Katja Sebald, Berg

Es wird nicht einfach bloß eine Ausstellung: "Die Leute sollen sich fühlen wie im Kino und immer wieder etwas Neues sehen", sagt Rabe Habdank, der einen ganzen Transporter voller Bilder aus seinem Berliner Atelier in sein Elternhaus auf der Maxhöhe in Berg gebracht hat. Bereits zum zweiten Mal stellt der Maler im ehemaligen Atelier seines verstorbenen Vaters aus. Nicht alle Bilder haben dort gleichzeitig auf der großen Wand Platz, deshalb soll die Ausstellung vor den Augen der Besucher immer wieder umgehängt werden.

Rabe Habdank gefällt das Unkonventionelle, das Nicht-Vorhersehbare und zugleich das Inszenierte, überhaupt das Gegensätzliche. 1965 als Sohn des Künstlers Walter Habdank in München geboren, wuchs er auf der Maxhöhe in Berg auf und trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters. Ein Studium der Malerei bei Franz Bernhard Weißhaar am Lehrstuhl für christliche Kunst an der Münchner Akademie brach er jedoch ab, um in Italien "die Wurzeln der europäischen Malerei zu erforschen", wie er sagt. Habdank reiste nach Florenz, Arezzo, Venedig und schließlich nach Rom, wo er zehn Jahre blieb. Er gründete eine Familie, kehrte zwischendurch nach München zurück und zog schließlich 2010 nach einer "privaten und künstlerischen Neuerfindung" nach Berlin. Dort entstehen seitdem intuitive und spontane Bilder, die "Bewegungen und Turbulenzen der Metropole, ihre Geräusche, Lichter, Farben, Körper, Berührungen" widerspiegeln sollen.

Nicht alle Werke finden im väterlichen Atelier auf der Maxhöhe gleichzeitig Platz. Rabe Habdank will deshalb in seiner Werkschau immer wieder neue Bilder in kühnen und doch harmonischen Farbklängen aufhängen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Neben den Großstadtszenerien, die er in großzügig gestischer Malerei und mit an Graffiti erinnernden zeichnerischen Elementen, mit geschütteter und auch gesprühter Farbe umsetzt, malt er immer wieder Frauen. Sie werden zunächst plakativ naturalistisch in lasziven Posen und formatfüllend in Szene gesetzt, um dann partiell übermalt, verunklärt und so gleichsam entrückt zu werden. Auch hier wechseln sich lasierende Farbschichten, malerische Elemente, intensive Farbflecken und heftige Striche sowie Fragmente von Schrift und Zeichnung ab.

Ausgangspunkt für die Bilder von Rabe Habdank sind immer Fotografien, nicht nur solche, die er selbst als Gedankenstütze aufnimmt, wenn er in der Großstadt unterwegs ist, sondern auch vorgefundene aus der Hochglanzbilderwelt. Über das ursprüngliche Motiv wird aber gleichsam eine zweite Bildebene gelegt, in der es nicht mehr um die Abbildung von Wirklichkeit geht, sondern um die subjektive Empfindung angesichts dieser Wirklichkeit. Das Bild entsteht, so der Text im aktuellen Katalog, "ohne Rücksicht auf Herkunft oder vorgestellte Zuordnungen in einem freien Risikospiel der Energien, vor jedem Gedanken". Es geht also um die Wechselwirkung zwischen äußerer und innerer Realität, um das Spannungsfeld von Eindruck und Ausdruck, von Dynamik und Ruhe, Emotion und Kontrolle. Bei weitgehendem Verzicht auf räumliche Tiefe schöpfen diese Bilder ihre Kraft vor allem aus der expressiven Geste. Sie leben aber auch von ihren vielschichtigen, ebenso kühnen wie harmonischen Farbklängen.

Dem Künstler Rabe Habdank gefällt das Unkonventionelle, das Inszenierte und das Gegensätzliche.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Ausstellung in der Galerie Habdank (Maxhöhe 34) ist bis zum 12. November 2017 jeweils freitags von 16 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 21 Uhr zu sehen. Am Samstag, 11. November, findet dort um 19 Uhr ein Solo-Recital der Gitarristin Radmila Besic statt.