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Berg:Denkmalschutz stellt sich gegen Planung

Schön Klinik

Fünf fünfeckige Wohn- und Bürogebäude sind auf dem Gelände der ehemaligen Schönklinik in Kempfenhausen geplant.

(Foto: Deisler, Tönhoff und Partner)

In einer knappen Abstimmung genehmigt der Gemeinderat dennoch die geplanten fünfeckigen Neubauten auf dem Gelände der früheren Schönklinik

Von Sabine Bader

Die Stellungnahme des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege zu den Neubauplänen auf dem ehemaligen Grundstück der Schönklinik in Kempfenhausen könnte schärfer kaum ausfallen. So stellt die Behörde klar, dass "die vorliegende Planung aus denkmalfachlicher Sicht unter keinen Umständen hinnehmbar ist". Denn die Erweiterung wäre nach Auffassung der Fachleute "in hohem Maße für das Denkmal ,Ehemalige Villa de Osa' schädlich." Das sitzt.

Hatten die Berger Gemeinderäte noch vor zwei Jahren den Erweiterungsplänen der Gebrüder Schön im Grundsatz mit Bauchgrimmen zugestimmt, so regte sich am Dienstagabend, als der Bebauungsplan und der Flächennutzungsplan präsentiert wurden, deutlicher Unmut. Die Abstimmung fiel letztlich auch denkbar knapp aus: Mit zehn zu neun Stimmen votierte das Gremium letztlich für die strittige Planung.

Vor allem ein Punkt stört Denkmalschütze wie Gemeinderäte gleichermaßen: Die westlichste der fünf geplanten dreigeschossigen Villen. Sie tangiert nämlich die Parkanlage in Richtung See. Und nach Auskunft der Denkmalschützer steht nicht nur die Villa selbst, sondern auch der Park explizit unter Schutz. Die neuen Pläne für die Wohnhausbebauung überträfen "im negativen Sinne die bestehende Klinik-Bebauung deutlich", urteilen die Denkmalschützer.

"Park und Villa gehören für mich zusammen", sagte auch Gemeinderat Harald Kalinke (QUH). Das westliche Haus zerstört für ihn gar die Parkanlage. Wie er, kündigte auch seine Fraktionskollegin Elke Link an, der Planung in der vorliegenden Form nicht zustimmen zu können. "Ich kann es mit meinem Gewissen nicht verantworten, wenn aus dem ,Sondergebiet Klinik' ein ,Sondergebiet Wohnen und Büro' wird", sagte sie.

Nachdem auch die Grünen sich auf die Seite der QUH schlugen, mahnte Rathauschef Rupert Steigenberger, den erzielten Kompromiss nicht aufs Spiel zu setzen. Da es für das Grundstück keinen gültigen Bebauungsplan gibt, fürchtet Steigenberger, dass die Bauherren das Gelände ansonsten ohne Rücksicht auf Verluste zubauen könnte. "Der Denkmalschutz ist nicht so stark, dass er Baurecht aushebelt." In Gesprächen hätten die Eigentümer zudem durchblicken lassen, dass sie keinesfalls auf das fünfte Gebäude verzichten würden.

Einig waren sich Denkmalschützer und Gemeinderäte lediglich in einem Punkt: Der Abriss der Anbauten an die Villa de Osa stellt eine qualitative Verbesserung für das Baudenkmal dar. Allerdings monieren die Denkmalschützer auch hier, dass die geplante Wohnbebauung das Baudenkmal "förmlich einzwängt und damit seiner Wirkung auch auf der Seeseite maßgeblich beraubt".

© SZ vom 10.09.2020

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