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Berg:Aufregung um Asphalthalde

Bauschuttablagerung; Beim Kempfenhausener Feuerwehrhaus

Ein Zwischenlager mit Asphalt und Aushub vor dem Fenster, das stört Anwohner im Berger Ortsteil Kempfenhausen gewaltig.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Anwohner beschweren sich über Zwischenlager der Gemeinde in Kempfen­hausen

Von Sabine Bader, Berg

Anlieger in Kempfenhausen ärgern sich seit geraumer Zeit über einen großen Haufen mit Asphaltbrocken und Aushub, der an der Ecke "Lüßweg/Am Bachfeld" direkt gegenüber vom Feuerwehrhaus abgelagert ist. Von einem handfesten "Umweltskandal" durch "kontaminierte" Teerbrocken sprechen sie in einem Schreiben an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt und davon, dass die Gemeinde just an dieser Stelle im Landschaftsschutzgebiet vor zwei Jahren eine Blühwiese für Bienen angelegt habe. "Wie sich eine entstehende Giftmülldeponie mit Bienenschutz vertragen soll, versteht wohl keiner", schreiben sie. Als Verursacher glauben die Nachbarn, die ihren Brief nicht namentlich zeichnen, eine Straßenbaufirma aus der Umgebung ausgemacht zu haben.

Doch die Sachlage ist anders. Kein Umweltsünder, sondern die Gemeinde selbst hat das Abfallmaterial durch das beauftragte Tiefbauunternehmen an dieser Stelle ablagern lassen. Und das hat laut Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger einen rein praktischen Grund. Denn wo immer in der Gemeinde gebaut oder Straßenoberflächen abgetragen und saniert werden, muss der Müll zwischengelagert und beprobt werden. Erst wenn klar ist, ob das Material verunreinigt ist, kann die Gemeinde nach einer geeigneten Deponie Ausschau halten.

Das ganze Prozedere ist zeitaufwendig, zumal die Kommune aus Kostengründen auch immer eine größere Menge Aushub zusammenkommen lasse, wie es aus dem Berger Rathaus heißt. Hinzu kommt noch, dass die Gemeinde den Abfall nicht beliebig weit transportieren darf und innerhalb weniger hundert Meter zwischenlagern muss. Das stellt vor allem Flächengemeinden wie Berg vor Probleme. An etlichen Stellen der Ostuferkommune sind darum kleinere, dezentrale Lagerstätten entstanden, in der Behördensprache "Haufwerke" genannt. Derzeit gibt es in Berg fünf von ihnen, darunter auch auf dem Gelände am Huberfeld, auf dem das neue Rathaus gebaut werden soll, und auf dem Parkplatz am Marstall. Auf Letzterem lagert derzeit der Aushub aus dem Seeabstieg beim Schlosshotel. Die meisten Flächen sollen laut Rathaus bis zum 21. August geräumt sein.

Natürlich hätte Steigenberger lieber eine einzige zentrale und versiegelte Lagerstätte für den Aushub. Doch die ist derzeit nicht in Sicht. Schließlich sind überall im Fünfseenland Grundstücke rar und kostspielig. Um zu erfahren, wie seine Amtskollegen mit dem Thema umgehen, will er es in der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechung zur Sprache bringen.

Auch das besagte Gelände in Kempfenhausen soll im September geräumt werden. Allerdings ist das Material dort, im Gegensatz zu den andern Flächen, "teilweise relativ hoch belastet". Zur Einschätzung des finanziellen Aufwands: Um die 500 Tonnen kontaminierten Aushub, der dort lagert, zu entsorgen, benötigt man 20 Lastwagen. Pro Tonne kostet die Entsorgung auf der Deponie 85 Euro.

Die von den Anliegern angesprochene Blühwiese befindet sich laut Steigenberger übrigens nicht direkt auf dem Lagerplatz. Sie liege etwas weiter nördlich an der Ecke Manthalstraße/Am Bachfeld. Trotzdem will die Gemeinde den Lagerplatz aufgeben, da er im Landschaftsschutzgebiet liegt.

© SZ vom 05.08.2020

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