Das Seehotel in Leoni rekrutiert seine Angestellten und Auszubildenden mittlerweile fast ausschließlich aus dem Ausland. Ständig sucht das Hotel nach neuen Mitarbeitern, der Mangel an hiesigen Arbeitskräften ist allgegenwärtig. Mittlerweile ist die Branche auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen – auch das Hotel in der Gemeinde Berg am Starnberger See. Aus einem Kurzprotokoll des Ausschusses für Tourismus im Deutschen Bundestag geht hervor: Im Gastgewerbe gibt es deutschlandweit zurzeit einen Ausländeranteil von 41 Prozent, Tendenz steigend.
Die Gründe für den Fachkräftemangel im Hotel- und Gastronomiebereich sind vielfältig. Weniger Auszubildende und eine schwierige demografische Entwicklung. Die Bevölkerung altert, es mangelt an Nachwuchs. Hinzu kommen steigende Kosten für Lebensmittel und Personal – und auch die Bürokratie bremst.
Beim Blick auf die Statistik des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) fällt auf, dass die Anzahl der Auszubildenden im Bereich des Gastgewerbes schon seit Jahren kontinuierlich sinkt: 2013 waren es bundesweit noch rund 63 000 Ausbildungsverträge, 2023 lag die Anzahl der Verträge nur noch um die 46 000. Sicherlich hat auch die Corona-Pandemie zu den niedrigen Zahlen beigetragen, da man nur im eingeschränkten Maße arbeiten konnte; im Hotel Leoni wurde beispielsweise während der Pandemie die Belegschaft halbiert. Andererseits scheint Gastronomie nicht mehr so attraktiv zu sein – allein schon wegen der Arbeitszeiten.
Sebastian Schwarz ist Direktor des Seehotels Leoni. Er weist darauf hin, dass die Anzahl der ausländischen Fachkräfte in der Branche steigt und dies auch in der Zukunft weiterhin der Fall sein wird. Nur so könne man Engpässe überwinden. Das bestätigt auch Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer der Dehoga Bayern. Auf Bayern bezogen sieht man zwar einen Aufwärtstrend, bislang allerdings nur verhalten. Grund hierfür ist die Bürokratie, „da die Genehmigungsverfahren der Fachkräfte aus Drittländern aufwendig und zeitintensiv sind“, sagt Geppert. „Es braucht dringend eine Fast Lane für das Gastgewerbe: planbare und verlässliche Zeiträume und transparente, unbürokratische Verfahren.“

Gesetze sollen schnellere Verfahren ermöglichen
Die bürokratischen Hürden sind auch für Sebastian Schwarz hoch. Der Hotelchef verbringe zu viel Zeit mit Herumtelefonieren. Was er sich wünscht? Schnellere Verfahren in den Ämtern und eine rasche Digitalisierung. Hier soll das Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2.0, welches von November 2023 schrittweise in Kraft getreten ist, eine kleine Erleichterung herbeiführen. Das Gesetz des Bundes erleichtert ausgebildeten Fachkräften aus dem Ausland den Erhalt einer Arbeitserlaubnis in Deutschland durch weniger Bürokratie und schnellere Verfahren. Auch das „Chancenaufenthaltsgesetz“ soll helfen, da es eine Perspektive für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Geduldete ermöglicht.
Fünf neue Auszubildende haben in diesem Jahr ihre Karriere im Seehotel Leoni begonnen: drei Hotelfachfrauen, ein Hotelfachmann, ein Koch. „Unsere Mitarbeiter kommen aus unterschiedlichen Teilen der Welt und genau das macht uns stark“, sagt Schwarz. Die neuen Auszubildenden kommen aus Deutschland, den Philippinen, der Türkei und Brasilien. Da nach der Ausbildung viele der Absolventen oft in andere Betriebe wechseln, sei es das Ziel, pro Jahr mindestens drei neue Auszubildende im Betrieb zu haben, sagt Schwarz.
Am häufigsten finden Bewerber ihren Weg zum Hotel über das Internet, durch Portale wie „Hotelcareer“ oder „Azubiyo“. Was sie alle beherrschen müssen: die deutsche Sprache. Um einen möglichst harmonischen Ablauf im Betrieb zu garantieren, sei Deutsch eine wichtige Voraussetzung, da auch die meisten Hotelgäste aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Sollte es nötig sein, kann man sich allerdings auch in manchen Situationen auf Englisch verständigen.
Es braucht mehr Anreize
Schwarz ist stolz auf die starke Zusammenarbeit in der Belegschaft: „Jeder bringt seine eigene Kultur, seine Erfahrungen und seine Sichtweise ein.“ Dies ist beispielsweise in der Küche der Fall: Zuweilen finden sich Gerichte aus dem Ausland auf der Menükarte, wie zuletzt ein vietnamesisches Gericht, vorgeschlagen von einem der Köche. Insgesamt sei das Angebot allerdings weiterhin von klassisch-deutscher Küche geprägt.
Die verschiedenen Ausbildungsrichtungen werden an der Industrie- und Handelskammer (IHK) in München unterrichtet, der praktische Teil der Ausbildung im Hotel. Zusätzlich zur Ausbildung bietet die Unternehmensgruppe Dr. Lohbeck, Eigentümer des Seehotels, berufliche Weiterbildungskurse in Kooperation mit renommierten Hotelfachschulen wie der Deutschen Hotelakademie an. Wer im Hotel Leoni arbeitet und eine Wohnung benötigt, bekommt unter Umständen sogar eine von sieben Personalwohnungen in Berg oder Münsing zur Verfügung gestellt.
Bezahlbarer Wohnraum für Mitarbeiter spielt ohnehin eine wichtige Rolle. Doch auch andere Faktoren seien wichtig, um den Fachkräftemangel zu stoppen, sagt Geppert. Es brauche auch mehr Netto vom Brutto und flexiblere Arbeitszeiten. Auf absehbare Zeit aber bleibe die Lage im Hotelgewerbe wohl angespannt, glaubt der Dehoga-Landesgeschäftsführer.

