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"Bergspektiven":Alles schön

"Alles, was man mit Liebe anschaut, ist schön": Ein Chirurg, ein Psychologe und eine TV-Frau diskutieren über plastische Operationen.

Eine Frau unterzieht sich einer Schönheitsoperation, weil sie aussehen will wie Popstar Madonna. Eine Jugendliche leidet darunter, weil alle Altersgenossinnen Brüste haben, nur sie nicht. Eine Frau will sich die Brust verkleinern lassen. Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie Schönheitsoperationen. Auch bei der jüngsten Veranstaltung der "Bergspektiven", zu der der Initiator Christian Kalinke im Rahmen des "Klubs der 100" eingeladen hatte, stieß das Thema "Schönheit - Warum es sich selten/manchmal lohnt, der Natur ein Schnippchen zu schlagen", auf großes Interesse.

Für die einen bedeutete Schönheit, dass man mit sich selbst im Reinen ist und ein Lächeln hat, das die Augen erreicht. Andere Besucher indes hatten keine Probleme damit, wenn "man sich optimieren will". Das habe nichts mit Narzissmus zu tun. Diese Meinung vertrat auch der Schönheitschirurg Professor Thomas Hernández-Richter. Er stelle nur wieder her, "was einmal war", betonte er. Der Psychologe Ralph Schicha indes bezeichnete es als "fragwürdig", wenn man äußere Korrekturen verändere, statt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen." Schicha ist auch Schauspieler und wird in diesem Beruf mit dem Wunsch nach ewiger Jugend konfrontiert.

Er selbst ist jedoch überzeugt davon, dass "alles, was man mit Liebe anschaut, schön ist". Vor jeder Operation sollte man daher hinterfragen, woher der Wunsch komme, sein Aussehen zu verändern. Er plädierte deshalb für ein psychologisches Gespräch vor jeder Schönheitsoperation. Nicht jede Frau, die sich den Busen vergrößern lasse, habe ein psychologisches Problem, konterte Hernández-Richter. Diese Ansicht vertrat auch die Starnberger Kiefernorthopädin Nadja Grättinger. "Wenn man den Mund aufmacht und es ist Kraut und Rüben, bekommt man negatives Feedback", sagte sie. Sie helfe den Menschen, damit sie und ihr Lächeln im Einklang mit ihrer inneren Balance stehen.

Katja Hofem, Geschäftsführerin bei Kabel Eins, muss sich von Berufs wegen mit Schönheit beschäftigen. Sie hat "Big Brother" nach Deutschland gebracht und entscheidet über Sendungen, wie etwa "The biggest Loser". Diese sei sehr erfolgreich, erklärte sie. Eine Sendung indes, bei der Schönheitsoperationen live gezeigt wurden, sei vom Publikum als zu extrem abgewählt worden. Dennoch: Dem Druck, wonach Menschen nach ihrem äußeren Erscheinungsbild bewertet werden, kann sich ihrer Erfahrung nach niemand entziehen. Der Sport-Therapeuten Hans Gugel indes betrachtet den Menschen als Hochhaus. "Für mich beginnt die Arbeit an den Fundamenten. Wenn die Fundamente wackeln, wackelt die ganze Hütte."

© SZ vom 07.04.2015 / sbh
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