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Behindertengerecht:Gefährliches Gauting

Der Lederersteg beim alten Mühlrad ist eine der Problemstellen in Gauting, wie Petra Papke und Irmgard Imhoff feststellen müssen, die auf Blindenstock und Rollator angewiesen sind. Im Herbst soll die Holzbrücke immerhin verbreitert werden.

(Foto: Arlet Ulfers)

Bei einem Rundgang decken Inklusionsbeauftragte und Betroffene Barrieren im Ort auf

"Der Teufel steckt dermaßen im Detail", stellt Martina Ottmar fest. Als Inklusionsbeauftragte der Gemeinde Gauting kümmert sie sich um die Belange von Menschen mit körperlichen Einschränkungen, von Blinden zum Beispiel, von Rollstuhlfahrern oder von alten Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind. Eines dieser teuflischen Details findet sich bei den zweistöckigen Fahrradständern am Stockdorfer Bahnhof. Metallschienen ragen dort auf Kopfhöhe auf den Gehweg hinaus. Für Blinde ist das ein gefährliches Hindernis, das sie nicht erkennen können, denn dort fehlen Leitrillen oder Strukturen am Boden, die davor warnen. Dies ist nur eine von vielen Stellen, wo etwas unternommen werden müsste, um die Wege barrierefrei zu machen. Um solche Schwachpunkte in Gauting aufzuspüren, hat die Inklusionsbeauftragte Ottmar mit zwei Expertinnen in eigener Sache einen kleinen Rundgang im Zentrum unternommen.

Irmgard Imhof ist eine der Expertinnen. Die 90-Jährige ist auf einen Rollator angewiesen und weiß daher aus eigener Erfahrung sehr gut, wo sie im Ort auf Barrieren stößt. Petra Papke sieht sehr schlecht und tastet sich mit einem Stock voran. An der Ortsbegehung haben auch Vertreter von Landkreis und Gemeinde, Arbeiterwohlfahrt und Seniorenbeirat teilgenommen.

Es ist nur ein kurzes Stück, da wird es schon schwierig für die Rollator-Benutzerin Imhof. Auf einem Kiesweg zur Holzbrücke beim alten Mühlrad ist das Schieben mühsam. "Lange dürfte es nicht so gehen", sagt sie. Glatte Flächen sind für sie besser. Daher ist auch das Kopfsteinpflaster nicht optimal, das in einer Schräge auf den Lederersteg hinauf führt. Dort wird sich die Situation jedoch schon bald verbessert, denn der Steg wird noch im Herbst saniert und verbreitert. Die Gemeinde gibt gut 100 000 Euro dafür aus. Die Arbeiten hat der Bauausschuss am Dienstag an eine Firma aus Eggstätt vergeben.

Am Hauptplatz stellt die Gruppe ein weiteres Manko fest. Das akustische Signal der Blindenampel ist viel zu leise eingestellt, seit sich Anwohner beschwert haben. Nun ist aber das "Tok tok", das als Leitsignal dient, im Verkehrslärm kaum mehr zu vernehmen. Das soll nun nachjustiert werden.

Bei dem Rundgang stellen die Teilnehmer noch weitere Problemstellen fest. Eine völlig unübersichtliche Wegeführung bei einer Einfahrt an der Starnberger Straße zum Beispiel, Stufen vor Läden oder Werbetafeln, die auf Gehwegen stehen. Selbst in den Räumen der Gautinger Insel gibt es unscheinbare Hindernisse. Die Rollstuhlfahrerin Christina Hahn bleibt auf dem Weg in den Besprechungsraum an einer der Türschwellen hängen. "Die Insel ist leider nur barrierearm", bedauert Martina Ottmar.

Es gibt aber auch Positivbeispiele, wo mit einfachen Mitteln Hindernisse beseitigt wurden. Durch seitlich angebrachte, kleine Rampen sind Metzgerei, Bäckerei und Schreibwarenladen am Pippinplatz jetzt trotz Stufen gut zu erreichen. "Da kann man jetzt sehr gemütlich rauf fahren", hat Christina Hahn festgestellt.

Ortsbegehungen im Zeichen der Barrierefreiheit hatte es zuvor auch schon in Pöcking und Herrsching gegeben, im September ist eine weitere in Andechs vorgesehen, kündigte Petra Fontana von der Fachstelle für Senioren im Starnberger Landratsamt an. Die Problemstellen werden danach notiert und gesammelt und schließlich an die Rathausverwaltungen weitergegeben.

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