Beccult in Pöcking:Vom Klecks zur Kunst

Lesezeit: 2 min

Pöcking,Vereinshaus,  Kunst am Bau

Sie begehen die Kunst am Bau, den Treppenaufgang am Beccult: (v. li.) Albert Luppart, Künstler Adrian Till und Rathauschef Rainer Schnitzler.

(Foto: Georgine Treybal)

Grafische Malerei von Adrian Till ziert nun das vormals von Schmierereien verunstaltete Kulturhaus

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

Hell und dunkel, kalt und warm oder harmonisch Ton in Ton: Das Kunstwerk am Kulturhaus Beccult in Pöcking lebt von seinen Kontrasten und bringt Dynamik in das triste Betongrau des Treppenaufgangs am Haus der Vereine. Das war auch die Intention der Gemeinde, als sie im März den Wettbewerb "Kunst am Bau" ins Leben gerufen hat. Im Juni wählte eine Jury den Entwurf des Münchners Adrian Till aus. An der Ausschreibung beteiligten sich nur fünf Künstler, sie reichten allerdings zahlreiche Entwürfe ein.

Der 25-Jährige hat sein Werk in sehr kurzer Zeit mit Sprühflasche und Schaumwalze umgesetzt. Nun ist es offiziell vorgestellt und die Tafel mit Angaben zum Kunstwerk und zum Künstler enthüllt worden. "Es wertet unser Beccult auf", freute sich der Pöckinger Bürgermeister Rainer Schnitzler. "Es muss nicht nur ein Hingucker sein, es soll Aufmerksamkeit erzeugen", fügte der Zweite Bürgermeister und Kulturreferent Albert Luppart hinzu, der die Idee zu dem Wettbewerb hatte.

Der Neubau war im vergangenen Jahr mit Graffiti besprüht worden, die teuer wieder entfernt werden mussten. Dann lieber hochwertige Kunst anbringen, dachte sich der Kulturreferent. Wie Untersuchungen zeigten, könnten damit auch Schmierereien verhindert werden, hatte Luppart seine Idee damals begründet. Unter den Bewerbern war nach seinen Angaben eine Künstlerfamilie mit insgesamt acht Entwürfen. Sogar eine Schulklasse hatte sich beworben. Es seien sehr gute Arbeiten gewesen und die Auswahl sei schwergefallen, sagte Luppart. Auswahlkriterium sei letztendlich gewesen, wie gut sich ein Kunstwerk auf der vorhandenen Fläche umsetzen lasse. Luppart rief jedoch die leer ausgegangenen Bewerber dazu auf, beim nächsten Wettbewerb erneut Arbeiten einzureichen. Denn das Kunstwerk wurde temporär angebracht, im kommenden Jahr soll ein neuer Wettbewerb ausgelobt werden. Das Preisgeld beträgt 1000 Euro.

Den Leuten gefalle es, er habe noch nichts Negatives gehört, sagte Rathauschef Schnitzler über das Kunstwerk. Wettbewerbssieger Adrian Till hatte von der Ausschreibung von Freunden aus Pöcking erfahren. Die Plattform in Pöcking sei super, findet er. Der freischaffende Künstler mit Schwerpunkt Fassadengestaltung und Kunst am Bau, der bereits 2018 den Dachauer Gestaltungspreis gewonnen hatte, ist nach eigenen Worten auch offen für Kritik. Er wünsche sich, dass über sein Kunstwerk diskutiert wird, egal ob positiv oder negativ. "Das Kunstwerk gefällt, das ist gut. Aber es darf auch nicht gefallen oder kann neu interpretiert werden", sagte er. Jeder könne darin etwas anderes erkennen.

Till selbst bezeichnet seine Malerei als eine Darstellung grafischer Formen in organisch geometrischer Ausführung, die auf diese Weise einen Bezug zu der streng gehaltenen Architektur der Beccult-Gebäude in Holzbauweise schaffe. "Es ist konkret, aber nicht gegenständlich", erklärte er. In Kombination mit Farbe werde das ganze Bild zu etwas Lebendigem, etwas Realem. "Etwas, das zusammenkommt, sich trifft und energetisiert - ein Treffpunkt, ein Austausch, ein Ort. Das Beccult."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB