EMS Berg:Der Öko-Dampfer vom Starnberger See

Lesezeit: 3 min

Tutzing: vollelektischer Dampfer Berg

E-Mobilität jetzt auch auf dem Starnberger See: Die EMS Berg hat nicht die Größe des Katamarans Starnberg, fährt aber umweltfreundlich mit Akku.

(Foto: Nila Thiel)

Seit diesem Jahr verkehrt auf dem Starnberger See das erste mit Ökostrom betriebene Schiff. Die EMS Berg ist das größte seiner Art in ganz Deutschland. Bei den Fahrgästen kommt das an. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

Von Laura Höring

Sanft und fast geräuschlos gleitet sie übers Wasser: Die Berg , der erste elektrisch betriebene Dampfer in der Flotte der Bayerischen Seenschifffahrt am Starnberger See und das größte Elektro-Binnenschiff Deutschlands. Seit diesem Jahr ist das 35 Meter lange und 8,5 Meter breite Schiff im Einsatz, betrieben mit Ökostrom aus der Region, könnte man vermuten, dass die Entscheidung für den Namen von den in Berg stehenden Windrädern inspiriert ist. Das möchte die Bayerische Seenschifffahrt jedoch nicht bestätigen, der Name beruhe auf der Tradition, die Schiffe nach den an den See angrenzenden Orten zu benennen.

Die neue Technologie stößt bei Einheimischen und Touristen auf großes Interesse: "Viele wissen zwar nicht direkt, dass das Boot elektrisch betrieben ist, es gibt aber auch Leute, die explizit nach dem Schiff fragen. Bestimmt zwei oder dreimal am Tag werde ich darauf angesprochen", sagt Stegwart und Matrose Andreas Podoll. Das kann auch der Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt Michael Grießer bestätigen: "Wir bekommen viele Anfragen, wann und auf welcher Linie die EMS Berg unterwegs ist. Das Angebot wird sehr gut angenommen."

An sich ist der Betrieb von E-Booten keine Neuheit bei der Bayerischen Seenschifffahrt. Auf dem Königssee sind seit 1909 ausschließlich Elektroschiffe im Einsatz. Auf dem Starnberger See ist es aber das Erste seiner Art. Der alternative Antrieb ist für die Besucher direkt beim Betreten durch große grüne Sticker erkennbar, die klimaneutrale Beförderung kommt bei vielen gut an. "Als ich aufs Boot gestiegen bin, wusste ich noch nicht, dass es elektrisch ist. Als ich das aber gemerkt habe, hat mich das sehr gefreut", sagt Martha Stark aus Donauwörth. Positiv überrascht sind auch andere Gäste: "Wir haben zwar nicht so viel Vergleich, aber die Fahrweise ist leise und dadurch richtig angenehm", sind sich Heike Doherr und Ursula Lodell aus Dresden einig.

Auch Jessika und Merle Lichtenstein, die mit der Familie aus Nordrhein-Westfalen den Urlaub in Süddeutschland verbringen, teilen diese Meinung. "Ich bin von Kreuzfahrtschiffen überhaupt nicht begeistert, wenn aber die reguläre Motorschifffahrt durch umweltfreundlichere Varianten ersetzt wird, ist das meiner Meinung nach auf jeden Fall die Zukunft", so Jessika Lichtenstein. Auch kritischere Stimmen kommen von den Passagieren. "Grundsätzlich finde ich das schon gut, dass umgestellt wird, ich frage mich nur, wo der viele Strom herkommen soll, wenn man überall auf elektrisch umstellt. Das darf man bei der Diskussion nicht vergessen. Man sollte gleichzeitig alternative Stromerzeugung, beispielsweise durch Solarenergie fördern", meint Elisabeth Ziervogel aus München.

Neben dem Elektrobetrieb ist die Berg zudem komplett barrierefrei, beispielsweise ist das Panoramadeck rollstuhlgerecht mit einem Aufzug erreichbar. Eine möglichst barrierefreie Beförderung ist der Seenschifffahrt laut Geschäftsführer Grießer ein wichtiges Anliegen, auch andere neuere Schiffe wie die Utting, die Starnberg und die Seeshaupt sind stufenlos zugänglich. Unter normalen Umständen kann das neue Schiff 300 Personen befördern, derzeit ist die Kapazität wegen der Pandemie aber auf etwa 200 begrenzt. Grundsätzlich herrscht FFP 2-Maskenpflicht, durch eine Ausnahmegenehmigung des Landratsamt Starnberg dürfen die Masken beim Sitzen mit eingehaltenen Abständen auf dem Freideck jedoch abgenommen werden.

Gastronomiebetrieb gibt es auf der Berg derzeit nicht, Fahrgäste können den kleinen Hunger jedoch über Snack-, Kaffee- und Eisautomaten stillen. "Grundsätzlich ist es geplant, nach der Pandemie wieder regulär zu bewirten", sagt Grießer, "ob auf allen Booten und in welchem Umfang muss man aber sehen. Priorität haben zunächst die großen Schiffe." Neu ausgeschrieben werden müssten die Gastronomie Verträge allerdings nicht, die Kooperation mit dem alten Betreiber ruhe derzeit lediglich.

Zudem verfügt die Berg über Wlan, eine Kletter- und Memorywand für Kinder sowie Platz für Fahrräder und E-Bikes (inklusive Lademöglichkeit). Wenn das Schiff nicht auf dem See unterwegs ist, lädt es über Nacht in der Starnberger Werft. Größere Probleme habe es seit der Inbetriebnahme nicht gegeben, mit der Akkuladung komme man sehr gut durch den Tag, erklärt Markus Färber, Betriebsleiter der Seenschifffahrt in Starnberg. "Die Kapazität ist so ausgelegt, dass man den ganzen Tag fahren kann und trotzdem mit 20 Prozent oder mehr in den Heimathafen zurückkehrt", so Grießer. Bevor es mit der Passagierbeförderung losgehen konnte, wurden die Kapitäne in die neue Technik eingeführt. "Das ist das reguläre Vorgehen und hat erst mal nichts damit zu tun, dass es sich um ein Elektroschiff handelt", sagt Färber, "wobei das Fahrverhalten anfangs schon anders ist und sich die Kapitäne ein bisschen umgewöhnen müssen."

Grundsätzlich gebe es aber keine großen Unterschiede beim Steuern. Praktisch ist für Passagiere ist der neue Steg in Tutzing. Seit vergangenem Jahr können sie dort von der nördlichen in die südliche Rundfahrt umsteigen. Der Tutzinger Steg wurde von 29 auf knapp 52 Meter verlängert sodass zwei Schiffe gleichzeitig anlegen können, was die Gemeinde zum Knotenpunkt beim Schiffsverkehr auf dem Starnberger See macht. Ob es in Zukunft noch mehr elektrische Motorschiffe geben wird, lässt sich laut Färber noch nicht sagen, von der starken technischen Leistung sei man aber überzeugt.

Derzeit ist die EMS Berg vor allem in der südlichen Rundfahrt über Tutzing, Bernried, Seeshaupt und Ambach eingeplant, sie fährt vereinzelt aber auch die nördliche Route. Der Einsatzplan ist auf der Website der Bayerischen Seenschifffahrt Starnberg einsehbar (https://www.seenschifffahrt.de/fileadmin/user_upload/Fahrplaene/Einsatzplan_STA.pdf).

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