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Corona-Krise:Hofläden und regionale Produkte boomen - sind aber kaum zu finden

Zwei Starnberger haben eine Online-Plattform für Direktvermarkter gegründet, die bislang nur verstreut im Internet zu finden sind. Paula von Perger in Breitbrunn macht mit.

Von Lisa Hamm

Die Hofladenbesitzer Paula von Perger und Klaus Heiß sind sich einig: Seit der Corona-Pandemie besteht mehr Nachfrage nach den von ihnen angebotenen regionalen Produkten. Perger, die in Breitbrunn einen großen Hofladen mit Bioprodukten betreibt, beobachtet: "Der Umsatz ist vor allem im ersten Lockdown ganz krass gestiegen." Über den hauseigenen Instagram-Kanal wird das Angebot bunt vermarktet. Sie biete längst nicht mehr nur Säfte, sondern auch Bier, Kaffee, frisches Gemüse, Schnaps und Getreide in Bio-Qualität an, so Perger.

Paula von Perger in ihrem Hofladen

Paula von Perger in ihrem Geschäft in Breitbrunn bei Herrsching.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Und auch Heiß, der einen Hofladen in Monatshausen betreibt, sagt: "Wir sind letztes Jahr sehr gewachsen." Er erklärt sich die Steigerung damit, dass die Leute in Ruhe einkaufen wollten und mehr Zeit hätten. Am Wochenende kämen sogar viele Kunden aus München. Im Gegensatz zur Familie Perger hat Heiß aber weder einen Instagram-Kanal noch eine Website, um seine Produkte zu vermarkten.

Dem Problem der Sichtbarkeit und Vermarktung haben sich Josef Hofrichter und Franz Braunschläger aus dem Landkreis Starnberg gewidmet. Zusammen haben sie die Online-Plattform "Bayerische Hofläden" und ein zugehöriges Magazin ins Leben gerufen, das Konsumenten in der Region auf einen Blick zeigt, wo in ihrer Nähe Hofläden und Direktvermarkter zu finden sind - und welches Warenangebot sie bieten. Von Käsereien über Hof-Cafés bis zu Milchtankstellen ist alles mit dabei. Das Angebot richtet sich an Hofläden aus ganz Bayern - denn es gebe mehr als 8000 Direktvermarkter, sagt Hofrichter, Inhaber der "Event-AgenTour" in Starnberg. 500 Adressen hätten sie bereits gesammelt, 75 Teilnehmer seien mittlerweile auf der Website vertreten. Auch die zugehörige Facebook-Seite sei "echt explodiert", der Bedarf und der Markt seien da.

Klaus Heiß betreibt Hofladen in Monatshausen

Klaus Heiß in seinen Verkaufsräumen im Tutzinger Ortsteil Monatshausen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Auf der einen Seite gehe es darum, den Direktvermarktern eine günstige Plattform zu bieten, auf denen sie "unabhängig und ungebrandet" ihr Angebot bewerben könnten, so Hofrichter. Heiß erhofft sich von der Website zum Beispiel, dass er im Internet schneller in Suchmaschinen gefunden wird, denn jeder Hofladen bekommt eine eigene Browserdomain.

Auf der anderen Seite gehe es auch um die Kunden, denn vorher sei das Online-Angebot "zersplittert" und die Suche nach Hofläden unübersichtlich für die Leute gewesen, die an regionalen Erzeugnissen interessiert sind, so Braunschläger. Das zugehörige Magazin "Dein Hofladen", das bald in den Höfen ausliegen soll, rechne sich in der ersten Edition zwar nicht. Aber es stecke eben "auch eine Portion Idealismus dahinter", erzählt der freie Autor und Fotograf. Die Online-Plattform zur Hofladensuche findet man unter bayerische-hoflaeden.de.

© SZ vom 10.03.2021
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