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Bayerischer Hof:Starnberg wirft Hotelier raus

Starnberg: Bayrischer Hof

Der traditionsreiche "Bayerische Hof" blickt einer ungewissen Zukunft entgegen, vor weiteren Entscheidungen wird die Statik des Hauses geprüft.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Pächter des maroden Hauses hat nach 17 Jahren die Kündigung erhalten. Nicolas Schrogl will das nicht hinnehmen. Er hat bereits Klage gegen die Sperrung des vom Abriss bedrohten Gebäudes eingereicht.

Von Peter Haacke

Das Hotel Bayerischer Hof ist nun ein Fall für die Justiz: Nicolas Schrogl, Pächter des maroden Gebäudes, hat gegen die Nutzungsuntersagung durch das Landratsamt beim Verwaltungsgericht München Klage erhoben und strebt per Eilantrag eine Wiedereröffnung des Hauses an. Das Hotel ist seit 22. Dezember wegen statischer Mängel komplett gesperrt. Gleichzeitig wurde am Mittwoch bekannt, dass die Tage Schrogls als Hotelpächter womöglich gezählt sein könnten. Nachdem der Pachtvertrag nach Bekanntwerden der gravierenden Mängel zunächst ausgesetzt wurde, hat die Stadt den Vertrag zum 31. August nun endgültig gekündigt.

Ein Pressesprecher des Verwaltungsberichts bestätigte am Mittwoch die Klageeinreichung und den Eilantrag des Betreibers des Hotels "Bayerischer Hof" durch Schrogls Rechtsanwalt. Er wendet sich darin gegen eine baurechtliche Anordnung zur Nutzungsuntersagung des Landratsamts Starnberg, die bereits am 19. Februar verhängt wurde. Unklar ist derzeit allerdings, wann in dieser Angelegenheit eine Entscheidung fallen wird: Das Gericht muss zunächst die Akten des Landratsamts einsehen und wird dann den Parteien Gelegenheit geben, ihre Argumente schriftlich darzulegen. Das Landratsamt seinerseits hatte in seinem Bescheid an Schrogl deutlich gemacht, dass das Gebäude erst dann wieder benutzbar ist, wenn ein "Standsicherheitsnachweis durch einen zugelassenen Tragwerksplaner" vorliegt und das möglicherweise einsturzgefährdete Gebäude "ausreichend ertüchtigt" wurde. Nach Auffassung der Kreisbehörde ist das Haus nicht mehr sicher und stützt sich dabei unter anderem auf ein Gutachten des Statikers Hans Schilcher aus Pöcking.

Kämpft jetzt mit juristischen Mitteln um den Verbleib im "Bayerischen Hof": Hotelpächter Nicolas Schrogl.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das sieht Schrogl freilich anders. Seine Hoffnung auf Wiedereröffnung von Hotel und Café stützt sich allein auf eine Stellungnahme des Berger Zimmerermeisters Franz Sailer zum Gesamtzustand des Bayerischen Hofs, der sich laut Sailer "in einem altersbedingten sehr guten konstruktiven Bauzustand" befinden soll. Die Expertise des 67-jährigen Fachmanns, der seine Stellungnahme nach mehreren Begehungen des Hauses kostenfrei anfertigte, steht damit im krassen Gegensatz zur Auffassung des Landratsamtes. Der Stadt liegt das Papier bislang allerdings nicht vor. Bürgermeister Patrick Janik ist der Ansicht, dass die Standsicherheit des 1865 erbauten, denkmalgeschützten Hauses nicht nachweisbar sei. Die Expertise des Berger Zimmerermeisters habe dem Vernehmen nach keinen Bezug zur akuten Gefährdungslage, sondern berücksichtige lediglich die Sanierungsfähigkeit des Hauses.

Der Pächter des Hotels will nach insgesamt 17 Jahren weder die Nutzungsuntersagung durchs Landratsamt noch die Kündigung des Pachtvertrags durch die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes hinnehmen und kündigt eine Schadenersatzklage an. "Mein Ziel war es immer, das Haus wieder herzurichten", sagt Schrogl, "aber offenbar ist es der Stadt lieber, dass es leer steht." Mit großem Aufwand habe er das Hotel in Schuss gehalten, darunter sei auch der dreimalige Austausch des Heizungskessel durch die Starnberger Fachfirma Pfister. Aktuell sei allerdings der 4000 Liter fassende Behälter für Warmwasser defekt.

Im Dezember habe Schrogl nach einem Gespräch mit Bürgermeister Janik, Stadtbaumeister Stephan Weinl und einem Vertreter des Landratsamtes die Sperrung wegen Einsturzgefahr "eh nicht als endgültig angesehen". Nun aber habe er Zweifel, will derzeit aber auch keinen amtlich zugelassenen Tragwerksplaner auf eigene Kosten engagieren. Schrogl verweist auf Stadtrat Otto Gaßner (UWG), der ein zweites Gutachten im Auftrag der Stadt gefordert hatte. Auch die Stadt will laut Janik die Zustands- und Sanierungsfähigkeit untersuchen lassen. Schrogl strebt derweil weitere Gespräche mit der Stadt an, ist aber wenig optimistisch. Seine Vermutung: "Schon vor 50 Jahren war geplant, das Haus abzureißen."

© SZ vom 11.03.2021
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