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Bauvorhaben:Lange Warteliste

Gemeinde Tutzing überlegt, selbst Sozialwohnungen zu bauen

Erschwinglicher Wohnraum ist in Tutzing bekanntermaßen knapp. Das stellt die Seegemeinde vor erhebliche Probleme, Obdachlose und anerkannte Asylbewerber unterzubringen. 450 Männer und Frauen stehen im Rathaus auf einer Warteliste für eine günstige Wohnung. Tendenz steigend. Etwa die Hälfte sind Nicht-Tutzinger, wie die für Sozialwesen zuständige Rathausmitarbeiterin Gabi Heinzl kürzlich im Haupt- und Finanzausschuss vortrug. Denn Tutzing sei - ähnlich wie Herrsching - im Landkeis wegen seiner Lage und Infrastruktur als Endpunkt der S-Bahn beliebt. Haben sie sich im Landratsamt mit einem Wohnberechtigungsschein registrieren lassen und Tutzing als Wunschort angegeben, muss die Gemeinde sie nicht zwingend unterbringen. Doch allein für die 200 bis 220 Tutzinger eine Bleibe am Ort zu finden, erweist sich offenbar als immer schwierigere Aufgabe. "Besorgniserregend" nannte Thomas von Mitschke-Collande (CSU) diesen Zustand.

Trennung oder Schimmel in der Wohnung sind häufig genannte Gründe, warum sich Leute für eine Sozialwohnung registrieren lassen. Es häufen sich aber auch Fälle, dass steigende Mieten nicht bezahlt werden können, also Mietschulden auflaufen, bis Zwangsräumung und Obdachlosigkeit drohen. Um das Schlimmste zu vermeiden hat das Landratsamt eine Stelle eingerichtet. "Wir hoffen, dass bald jemand gefunden wird", unterstrich Rathaus-Geschäftsleiter Marcus Grätz die Dringlichkeit. Meistens brauche man einen Rechtsanwalt, um eine tragbare Lösung zu finden.

Steht jemand tatsächlich auf der Straße verfügt Tutzing nur über sehr unzureichende Unterkünfte, für Männer in Obertraubing, für Frauen in Kampberg am Rosenberg im ehemaligen Gemeindehaus. Beide Unterkünfte müssten aus sicherheitstechnischen Gründen eigentlich geschlossen und durch Container ersetzt werden, so Heinzl. Die 70 Wohnungen am Kallerbach, die der Verband Wohnen demnächst baut, könnten den Bedarf für sozial schwache Familien nicht decken. Denn dort seien nur sehr kleine Wohnungen vorgesehen. Für Senioren gebe es zwar die 33 neuen Wohnungen im Betreuten Wohnen in der Bräuhausstraße. Dort komme man aber nur rein, wenn einer wegziehe oder sterbe.Die Wartezeit liegt bei durchschnittlich zehn bis 15 Jahren.

Besonders schwer haben es anerkannte Asylbewerber, eine Wohnung zu finden. Für zwei Familien mit Kindern wird derzeit nach einer passenden Bleibe gesucht. Es habe zwar großzügige Tutzinger gegeben, die hilfsbereit und entgegenkommend gewesen seien, so die SPD-Gemeinderätin Renate Geiger, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. "Derzeit ist aber auf dem privaten Markt nichts zu haben", bedauert sie. Meistens seien die Angebote zu teuer oder die Quadratmeterzahl stimme nicht mit den Vorgaben überein, nach denen das Jobcenter erst einmal die Miete übernimmt. "Das Problem wird uns die nächsten Monate, ja, Jahre begleiten", warnt Geiger.

Im Gespräch ist daher, dass die Gemeinde selbst für bezahlbaren Wohnraum sorgt. Vize-Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg (CSU) äußerte dazu klare Vorstellungen: "Wir müssen was bauen, was Einfaches, ohne Tiefgarage und Lift, sonst wird's zu teuer, und in einem beschleunigten Verfahren." Bernd Pfitzner (Grüne) schlug zum wiederholten Mal vor, dafür eine eigene kommunale Wohnbaugesellschaft zu gründen.

© SZ vom 11.06.2018
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