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Bauarbeiten im Münchner Süden:Starnberg, einfach unerreichbar

SONNE AM STARNBERGER SEE

Die Münchner bleiben dem Starnberger See erst einmal fern - weil sie schlicht nicht hinkommen.

(Foto: DPA)

Die Münchner mögen die Starnberger nicht. Und die vom See freuen sich, wenn die "g'störten Münchner" endlich wieder ihre Handtücher einrollen. Jetzt haben die beiden Ruhe voreinander - weil überall gebaut wird.

Die Münchner lieben die Gwappelten vom Starnberger See nicht. Und die vom See freuen sich, wenn die "g'störten Münchner" am Sonntagspätnachmittag endlich wieder ihre Handtücher einrollen. Jetzt haben die einen wie die anderen aber eine Zeitlang Ruhe voreinander. Das Band ist zerschnitten.

Denn weil die Bahn bei Gauting und Pasing baut, starten und enden derzeit die Regionalzüge zwischen München, Innsbruck/Garmisch und Kochel in Starnberg. Die Ansage einer Zugbegleiterin über Um- und Ersatzwege ist so lang und kompliziert, dass sie dafür von den Fahrgästen zwar Applaus bekommt, sich aber niemand die Details merken kann.

Zwischen München Hauptbahnhof und Starnberg fährt alle 20 Minuten eine Pendel-S-Bahn. Wann, weiß der Geier, im Bahnhof Tutzing findet man nur mit Glück einen entsprechenden Anschlag. Im Zweifelsfall hoppelt man von Pendel-S-Bahn zu Pendel-S-Bahn. Denn dank der Stammstreckensperrung in München verkehrt wochentags nach 22.15 Uhr und am Wochenende ohnehin nur alle heiligen Zeiten ein Zug zwischen Ostbahnhof und Pasing.

Die Fahrpläne sind also erst einmal außer Kraft, für einen Pendler zwischen Tutzing und München kann sich die Fahrzeit locker verdoppeln. Die Bahn zwingt einen ins Auto und auf die Autobahn. Aber auch dort geht's nur langsam voran: Zwischen München und Starnberg darf man wegen Bauarbeiten nur Tempo 60 fahren. Ist die Autobahn nicht zu voll, stellt sich so immerhin eine Entspanntheit wie auf amerikanischen Highways ein. Dank strikten, Radar-kontrollierten Tempo-Limits blinkt einen keiner rüpelhaft von der Fahrspur.

Bei dem Tempo könnte man allerdings auch gleich die parallel verlaufende Olympiastraße nehmen, im Bereich Forstenrieder Park wegen des Rotten-Wechsels auch Wildschweinpiste genannt. Hier hat der einsame Fahrer nur zwei Baustellen zu gewärtigen, eine allerdings bei Wangen mit einer gaaanz langen Ampelschaltung. Also ausweichen über Pasing? Oder über Baierbrunn? Für die ganz Eiligen gibt es eigentlich nur eine Lösung - einen Hubschrauber von den Gelben Engeln leasen.

© SZ vom 30.05.2014/tba

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