Treppen können ein unüberwindliches Hindernis sein für jemanden, der im Rollstuhl unterwegs ist. Dann ist es hilfreich zu wissen, welcher Laden und welches Lokal ohne Stufen zu erreichen sind, wo eine Arztpraxis ebenerdig liegt oder in einem Gebäude mit einem Aufzug. Das leistet eine Handy-App von dem Berliner Verein „Sozialhelden“, mit dem der Landkreis Starnberg nun zusammenarbeitet. Das Ganze funktioniert allerdings nur, wenn es Helfer gibt, die Informationen eintragen.
Die „Wheelmap“ verschafft einfach und schnell einen guten Überblick. Ein paar Beispiele aus dem Landreis Starnberg: Das Restaurant „La Cantina“ an der Gautinger Straße in Starnberg ist demnach „voll rollstuhlgerecht“, in die Bäckerei Aumüller ganz in der Nähe gelangt man ebenfalls ohne Stufen, allerdings gibt es dort keine rollstuhlgerecht Toilette. Das gilt auch für das Seehaus Raabe am Wörthsee. Das Restaurant „Bollicine“ und die Kreissparkasse in Gauting haben eins gemeinsam: keine Stufen, auch alle Räume sind erreichbar, ohne Treppen steigen zu müssen. Das gilt auch für das Rathaus in Krailling. Bei Gemeindeverwaltungen in anderen Orten fehlt diese Information noch.
Die Spezial-Landkarte funktioniert in vielen Ländern weltweit. Aktuell sind nach Angaben der Plattform Informationen zu mehr als 3,2 Millionen öffentlich zugänglichen Orten verfügbar. Täglich kommen über 300 neue Einträge dazu. Wie gut die Karte funktioniert, hängt allerdings davon ab, dass Nutzer mithelfen und möglichst viele Angaben eintragen. Hier nimmt nun der Landkreis Starnberg eine Sonderrolle ein, erklärt Wheelmap-Mitgründer Holger Dieterich aus Berlin, denn eine enge Kooperation wie zwischen Kreis und Verein gebe es nicht überall.
Dabei spielt die ehemalige Eventmanagerin Nicole Kerst als ehrenamtliche Barriere-Kartografin eine wichtige Rolle. Sie ist regelmäßig in Starnberg unterwegs und erfasst, wie zugänglich Orte wie öffentliche Gebäude, Geschäfte oder Restaurants sind, und trägt ihre Beobachtungen in die Wheelmap ein. Mit Notizbuch und Kamera prüfe sie Eingänge, messe Durchgänge und dokumentiere so wichtige Details, teilt das Landratsamt mit.

„Manchmal merken Betreiber erst beim Gespräch, dass schon eine kleine Rampe, freie Handläufe oder ein breiterer Durchgang viel bewirken können“, stellt Nicole Kerst fest, die selbst in ihrer Mobilität eingeschränkt und deshalb auf Barrierefreiheit angewiesen ist. „Jeder neue Eintrag macht den Landkreis Starnberg barrierefreier und damit lebenswerter für alle“, erklärt Petra Fontana, Behindertenbeauftragte des Landkreises Starnberg.
Die Arbeit an der Karte kann demnach auch praktische Folgen haben. So wolle sich ein Einzelhändler aus Starnberg auf Anregung von Nicole Kerst nun eine mobile Rampe für seinen Laden anschaffen. Und ein Rollstuhlfahrer wird mit den Worten zitiert, die App gebe ihm „Spontaneität und Freiheit zurück.“ Auch ältere Menschen, Familien mit Kinderwagen oder Reisende mit schwerem Gepäck könnten davon profitieren.

SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.
Die digitale Karte, die so immer weiterentwickelt wird, nutzt die Ampelfarben zur raschen Orientierung: Grün bedeutet uneingeschränkter Zugang, Gelb, dass es Einschränkungen gibt, bei Rot ist der Weg im Rollstuhl kaum zu bewältigen. Die digitale Karte für Starnberg ist auch auf der Homepage des Landratsamtes unter www.lk-starnberg.de/barrierefrei zu finden. Das System wird weltweit genutzt, aktuell sind nach Angaben des Starnberger Landratsamtes mehr als zwei Millionen Cafés, Bibliotheken, Schwimmbäder und viele weitere öffentlich zugängliche Orte erfasst.

