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Barrierefreiheit in Herrsching:Stolperschwellen und Treppen im Blick

Herrsching Ortsbegehung

Nur über Stufen zugänglich: Anna Krott, Gabriele Mohr, Max Mayer, Franz Böcker, Christian Schiller und Nora Böcker (v.li.) vor dem Bahnhofs-WC.

(Foto: Georgine Treybal)

Fachleute testen öffentliche Gebäude, Gehwege und Toiletten

Bei diesem Rundgang durch den Ort bewunderten die Teilnehmer weder die historischen Gebäude Herrschings, noch genossen sie den Blick auf den Ammersee. Ihr Augenmerk galt den Stolperschwellen und Hindernissen, die an vielen Ecken der Gemeinde vor allem Menschen mit Behinderung und älteren Leuten Probleme bereiten. Maximilian Mayer, Behindertenbeauftragter des Landkreises, und seine Kollegin Petra Fontana von der Fachstelle für Senioren hatten gemeinsam mit dem Senioren- und Behindertenbeirat der Gemeinde und interessierten Bürgern die Situation in Herrsching unter dem Gesichtspunkt "barrierefrei", "seniorengerecht" und "demenzfreundlich" unter die Lupe genommen. Dabei wurden öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel, Gehwege, Straßenübergänge, Toiletten und Einkaufsmöglichkeiten getestet.

Das Ergebnis fiel zweigeteilt aus. Auf der einen Seite verfügt die Gemeinde über barrierefreie Gebäude wie das Rathaus oder die VR Bank, auf der anderen Seite gibt es viele Bordsteine, Türschwellen und Stufen, die von mobilitätseingeschränkten Menschen kaum zu überwinden sind. Die Probleme notierten die Gruppen auf ihrem Rundgang. Sie sollen mit den Ergebnissen ähnlicher Ortsbegehungen wie der in Pöcking und einer kommenden in Gauting (Termin steht noch nicht fest) verglichen und zu einer Checkliste zusammengefasst werden. Damit können die übrigen Kommunen im Landkreis dann selbst ihren Ort untersuchen. Ein barrierefreies und Sicherheit bietendes Wohnumfeld sei schließlich als Ziel im Aktionsplan des Landkreises festgeschrieben, so Fontana.

Oft ist es relativ einfach, Abhilfe zu schaffen. Das stellte sich schon bei der Vorstellungsrunde im Rathaus heraus. Immer wieder gab es kaum vernehmbare Wortbeiträge, Anna Krott, die sich im Landkreis für Hörgeschädigte einsetzt, bat darum: "Bitte lauter sprechen." Sie ermahnte deshalb Bürgermeister Christian Schiller, eine induktive Höranlage für das Rathaus anzuschaffen. Dafür bekam die Verwaltung für barrierefrei zugängliche Amtsräume Pluspunkte. Entlang der Bahnhofstraße lag aber einiges im Argen. Manche Geschäfte hatten Stufen, andere zwar eine Rampe, aber die war mit Ware zugestellt - oder ein Baugerüst versperrte den Gehsteig.

"Reichen die Ampelphasen?", war eine andere Frage. Nach dem Praxistest lautete die Antwort: "Nein". Mit langsamen Schritten schaffte es die Gruppe gerade mal, drei Viertel der Straße zu überqueren, bis die Ampel wieder auf Rot schaltete. "Man muss schnell sein", so Fontana. Die leichte Neigung der Gehsteige würden "Fußgänger" kaum merken, aber wer man mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs ist, müsse viel Kraft aufwenden, um geradeaus zu fahren. Hier Abhilfe zu schaffen, würde auch Eltern mit Kinderwagen zugute kommen. "Solche Maßnahmen sind für alle anderen ebenfalls ein Gewinn", sagte Fontana.

Schlechte Noten gab es für die Bahnhofstoilette, die nur über Stufen erreichbar ist. Wenigstens können Rollstuhlfahrer über eine Rampe zum Bahnsteig. Für Fahrgäste gibt es aber bei Sonnenschein das Problem, dass das helle Licht die Schrift auf dem Display des Ticketgeräts unleserlich macht. Die Geräte müssten nach Norden ausgerichtet werden, meinte Gabriele Mohr. Sie vermisste ausreichend Sitzgelegenheiten entlang der Geschäftsstraße.

Anerkennende Blicke gab es für den Seewinkel. Hier wies Bürgermeister Schiller auf das behindertengerechte WC hin. Beim Kurparkschlösschen ist die Gemeinde aber auch nach jahrelangen Versuchen nicht weitergekommen. Es gebe "keine Chance", das denkmalgeschützte Gebäude barrierefrei zu bekommen. Vor allem der Brandschutz sei das Problem, so Schiller.

Bei der Bücherei zückte Mayer seinen Zollstock. Am Haupteingang muss eine Schwelle von vier bis sieben Zentimetern überwunden werden. Das sei zu hoch. "Bis maximal zwei Zentimeter gilt als barrierefrei", erklärte er. Am Schluss kam noch eine bessere Beschilderung auf die Wunschliste. Einiges davon könnte bald erfüllt werden. Im Herrschinger Haushalt sind jährlich 30 000 Euro für Barrierefreiheit vorgesehen.