Menschen, auf die man zählen kann, sind selten geworden. Barbara Frey war so eine Frau: In der Politik wie im Privatleben war die Mutter des amtierenden Landrats Stefan Frey ein zugewandter und absolut verlässlicher Mensch. An erster Stelle kam für sie, ihr Ehemann Heinrich, der im April 2022 gestorben war. Sie hatte ihn früh kennengelernt. Während seiner Bankkarriere und später auch als Landrat des Landkreises Starnberg hielt sie ihm den Rücken frei. Das galt natürlich, so gut es ging, auch zu Hause. Was allerdings nicht ganz einfach war. Immerhin hatte das Paar vier Kinder: Martin, Peter, Stefan und Simon.
Barbara Frey kam am 24. März 1944 zur Welt. Sie ist in Starnberg aufgewachsen. Ihr Vater war Lehrer am hiesigen Gymnasium, das später auch seine Tochter besuchte. Nach dem Abitur studierte sie Sonderschulpädagogik. Über Jahre hinweg bestimmten jedoch Haushalt und die große Familie maßgeblich ihren Tagesablauf.
Wie ihr Mann Heinrich auch war Barbara Frey Mitglied der CSU. Dort kämpfte und argumentierte sie teils vehement für ihre Überzeugungen. Sie engagierte sich in der Frauen-Union und im Pfarrgemeinderat. 30 Jahre lang – von 1984 bis 2014 – gehörte sie dem Starnberger Stadtrat an und befasste sich dort mit allen Fragen des kommunalpolitischen Lebens, von der Stadtentwicklung bis hin zur Sozial- und Familienpolitik.
Verkündete sie früher etwa im Brustton der Überzeugung, dass Kitas ein Irrtum seien, dass Frauen unbedingt mit dem Arbeiten warten sollten bis die Kinder größer seien, so belehrte sie das Leben eines Besseren: Irgendwann wurde ihr klar, dass junge Frauen im Landkreis meist gut ausgebildet sind, schnell wieder in den Beruf einsteigen und trotzdem mit ihrem Partner eine Familie gründen wollen. Freimütig gab sie später zu, dass sie einer überkommenen Vorstellung aufgesessen war, nur weil ihre Partei diese lange Zeit vertrat. Und sie sagte schlicht: „Man darf auch seine Haltung ändern.“ Einen Irrtum zugeben – das fiel ihr nicht besonders schwer.
Eine soziale Ader hatte sie auch schon immer. Darum trat sie vor fast 30 Jahren dem Sozialverband VdK bei. Frey wurde Vorsitzende, einen Posten, den sie 26 Jahre lang ausfüllte. Auch auf Landesebene engagierte sie sich für den Verband, eine Aufgabe, die sie sehr ernst nahm. Und sie freute sich, wenn sie Menschen in schwierigen Lebenslagen mithilfe des VdK weiterhelfen, in Rentenfragen oder Pflegeangelegenheiten beraten konnte.
Sie wechselt im Stadtrat von der CSU-Fraktion zur UWG
Auch kämpfte sie gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. So traten sie und ihr Mann etwa stets für eine doppelte Staatsbürgerschaft ein und interessierten sich für Menschen aus anderen Kulturkreisen. Schon darin unterschieden sie sich von der Haltung vieler in der eigenen Partei.
Irgendwann hatte Frey begonnen, sich in der eigenen Stadtratsfraktion nicht mehr wohlzufühlen. Vieles an der Haltung ihrer Fraktionskollegen konnte sie nicht mehr gutheißen. Darum wechselt sie 2009 im Stadtrat in die UWG-Fraktion, dort fühlte sie sich besser. 2014 schied sie aus dem Stadtrat aus. Einige Zeit später legte sie auch ihre offiziellen Ämter im VdK aus gesundheitlichen Gründen nieder. 2023 ernannte der VdK-Kreisverband Barbara Frey zur Ehrenvorsitzenden. Im selben Jahr wurde ihr auch die Bürgermedaille der Stadt verliehen.
Nachdem ihr Mann Heinrich 2022 gestorben war, zog sich auch Barbara Frey mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Doch auch in ihren letzten Lebensmonaten machte sie in ihrem häuslichen Umfeld – umsorgt von Pflegerinnen und der Familie – einen zufriedenen Eindruck. „Ich hatte doch viel Glück“, sagte sie noch wenige Tage vor ihrem Tod. An diesem Donnerstag, 6. Juni, ist Barbara Frey im Kreis ihrer Familie im Alter von 80 Jahren friedlich daheim gestorben. Sie hinterlässt ihre vier Söhne mit deren Ehefrauen und insgesamt zwölf Enkel.
Der Trauergottesdienst für Barbara Frey findet am Freitag, 14. Juni, um 14 Uhr in der Starnberger Stadtpfarrkirche St. Maria statt. Die Beisetzung folgt anschließend auf dem Friedhof St. Josef am Schlossberg.

