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Bahnhof Starnberg:Erst testen, dann überdachen

Das Bahnsteigdach ist vor neun Jahren entfernt worden, weil die denkmalgeschützten Pfeiler im Winter der Schneelast nicht standhalten könnten.

(Foto: Arlet Ulfers)

Zwei Initiativen legen Ideen für Wetterschutz und Barrierefreiheit der Bahnsteige am See vor

Von David Costanzo, Starnberg

Wann müssen die Passagiere am Starnberger Bahnhof am See nicht mehr im Regen stehen? Der Verein "Schöner zum See" und der Initiator der Petition zur Bahnhofssanierung, Stefan Zeil, haben eine Idee für eine Überdachung vorgelegt - genauer gesagt für die nächsten Schritte hin zu einem Dach. Bei einer Infoveranstaltung im Bayerischen Hof sei ein Modellentwurf des Münchner Ingenieurbüros Wörsching, das bereits den Bahnhof Nord mitgestaltet habe, diskutiert worden, erklärte Maximilian Ardelt von "Schöner zum See". Damit wollen die Gruppen an Bahn und Stadt herantreten. Bürgermeister Patrick Janik sagte, er stehe hinter dem Ziel, halte die Petition aber für den falschen Weg.

Die Initiativen wollen vom Rand des Bahnhofsgebäudes vier historische Pfeiler entnehmen, die der Stadt und nicht der Bahn gehören, und darauf auf 20 Metern Länge ein Glasdach montieren lassen, wie Zeil erläuterte. Allerdings würde es nicht auf dem Bahnsteig sondern am Gebäude entstehen. Dieses "Muster", wie Zeil es nannte, solle 100 000 Euro kosten und nachweisen, dass eine Rekonstruktion technisch möglich ist. Das Dach war vor neun Jahren entfernt worden, weil die denkmalgeschützten Pfeiler im Winter der Schneelast nicht standhalten könnten.

Beide Initiativen streben eine "kurzfristige" Umsetzung an. Damit meinen sie aber nicht noch in diesem Winter. Sollte es zu dem Testentwurf kommen, der auf ein halbes Jahr veranschlagt wird, könnten die Erkenntnisse innerhalb des kommenden Jahres umgesetzt und Bahnsteigdächer errichtet werden, zeigte sich Zeil überzeugt. Auch schnellere Lösungen seien bei der Infoveranstaltung mit interessierten Bürgern diskutiert worden. "Da besteht die Angst, dass ein Provisorium auf Ewigkeiten bleibt", sagte Zeil.

Das zweite große Problem am Bahnhof bleibt die fehlende Barrierefreiheit. Ardelt fordert, kurzfristig einen Plattformlift für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen zu installieren, bis ein Aufzug montiert werden kann. Zeil verlangt zudem, dass die Stadt sich Zuschüsse des Freistaats aus dem Programm "Bayern barrierefrei" sichert.

Beim neuen Bürgermeister Patrick Janik stoßen die Initiativen auf offene Ohren. Eine schnelle Lösung sei dringend notwendig, die Stadt würde auch zahlen, sagte er. Die Petition verkenne aber die komplexe Situation und die Eigentumsfrage. Die Stadt könne nicht auf fremdem Grund bauen. Der Bahnhof gehöre dem Konzern, und der hat die Stadt wegen der Bahnverträge von 1987 auf 170 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. "Druck" aufzubauen, halte er da für den falschen Weg. "Mir ist wichtig, den Gesprächsfaden zur Bahn wieder aufzunehmen", sagte Janik. "Aber nicht mit dieser effektheischerischen Lautstärke der Petition.

© SZ vom 07.10.2020

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