Sanieren oder abreißen Genossenschaft soll Gautinger Bahnhof retten

Voll besetzt war die ehemalige Schalterhalle des Gautinger Bahnhofs bei der SPD-Debatte mit Eberhard Brucker (stehend) über die Zukunft des Gebäudes.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

100 Bürger debattieren auf Einladung der SPD in der ehemaligen Schalterhalle über die Zukunft des mehr als einhundert Jahre alten Backsteingebäudes und erwägen einen Zusammenschluss.

Von Blanche Mamer

Der Gautinger Bahnhof hat viele Fans, die sich mit Vehemenz für den Erhalt des alten Backsteingebäudes einsetzen wollen. So sind etwa 100 Bürger am Samstag dem Aufruf der Gautinger SPD gefolgt und trotz des sonnigen Frühlingswetters sind sie in die ehemalige Bahnhofshalle gekommen. Dicht gedrängt sitzen sie auf Stühlen und Bänken, Nachzügler müssen stehen.

Mit einem Bahnhof seien immer auch Sehnsüchte verbunden, sagt Eberhard Brucker, der amtierende SPD-Ortsvorsitzende, in seiner Begrüßung. Jetzt vor allem, die Hoffnung, dass das mehr als hundert Jahre alte Gebäude nicht abgerissen, sondern saniert, schön restauriert und für eine besondern Nutzung erhalten bleibt. Doch alle wissen, die Gemeinde Gauting ist klamm, es fehlt am Geld für eine aufwendige Sanierung. Am Ende der Informationsveranstaltung steht eine großartige Möglichkeit im Raum: eine Genossenschaft zur Rettung des Bahnhofs. Die Gemeinderäte Christiane Lüst, früher ÖDP, und Hans-Wilhelm Knape, ehemals SPD-Fraktion, die sich zur neuen Mini-Fraktion "Soziale Ökologen" zusammengeschlossen haben, bringen gemeinsam mit dem Künstler Sebastian Hofmüller, der im Bahnhof die Maifestspiele organisiert, die Idee aufs Tapet. Wenn nur 1000 Gautinger entscheiden, eine Einlage von jeweils 1000 Euro einzubringen, wäre der Grundstock für die Sanierung gelegt. Die drei Protagonisten wollen ihre Idee bewerben und Anhänger gewinnen.

Doch es bleibt viel zu tun, denn eine große Fraktion im Gemeinderat befürwortet den Abriss des unansehnlichen alten Baus. Vorerst hat die Gemeinde sechs Planungsbüros zu einem städtebaulichen Ideenwettbewerb eingeladen, sich mit der Zukunft des Gebäudes zu befassen, ihre Vorstellungen zu begründen und Entwürfe dazu vorzulegen. Die Teilnahme wird gut honoriert, mit jeweils 18 000 Euro pro Plan. Als erster Referent erklärt Hansjörg Hägele die Vorgaben dieses Wettbewerbs. Er geht auf den Umgriff ein und auf die Bedingung, die bereits bestehenden Gebäude in die Planung einzubeziehen. Was heißt, dass auch der beschlossene, aber noch nicht realisierte und immer noch umstrittene Bau der Sontowsky-Gruppe auf dem ehemaligen Grundschulgelände als Referenz gilt. Und damit befürchtet Hägele, dass das alte Bahnhofsgebäude zwischen dem neuen Kinohaus und der geplanten Wohnanlage nur geringe Chancen haben könnte.

Anschließend geht der Stadtplaner und ehemalige SPD-Gemeinderat Andreas Romero auf die Details des Gebäudes ein und zeigt Beispiele auf, wie alte Bahnhöfe wunderbar restauriert und neu genutzt werden. Ihn fasziniert zudem das Alleinstellungsmerkmal, dass der Bahnhof zusammen mit dem alten E-Werk am Hauptplatz Anfang und Ende der Bahnhofstraße markieren und wie ein Spange zusammenhalten. Zudem ist der Bahnhof eins von drei Gebäuden in Ziegelbauweise im Blockformat, die beiden anderen sind die Christuskirche und das Rathaus. Es sind vor allem die Sanierung des Bahnhofs in Uelzen am Ostrand der Lüneburger Heide, der nach Ideen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgebaut wurde und der Umbau des Bahnhofs Feldafing durch die Architekten Sunder-Plassmann, die Romero gefallen. Vom Büro Sunder-Plassmann gibt es bereits einen früheren Entwurf für den Erhalt des ursprünglichen Gautinger Bahnhofgebäudes, dem Abriss der Anbauten und einem neuen gläsernen Vorbau. Der Gautinger Architekt Christian Hadlich bringt eine weitere Idee ins Spiel: Wenn der Park&Ride-Parkplatz mit Wohnungen überbaut werde, könne damit die Bahnhofssanierung finanziert werden, sagte er.