Kommunalwahl in StarnbergDer Tunnel ist erneut Wahlkampfthema

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Starnberg im Sommer 2021: Die Verkehrsführung der Nebenstraßen zur Bundesstraße 2  – hier die Gautinger Straße – wurden geändert und die Sparten im Untergrund verlegt. Die Eisenbahnbrücke (im Hintergrund) wurde zwei Jahre später erneuert.
Starnberg im Sommer 2021: Die Verkehrsführung der Nebenstraßen zur Bundesstraße 2  – hier die Gautinger Straße – wurden geändert und die Sparten im Untergrund verlegt. Die Eisenbahnbrücke (im Hintergrund) wurde zwei Jahre später erneuert. (Foto: Nila Thiel)
  • Der geplante B2-Tunnel in Starnberg wird zwei Monate vor den Kommunalwahlen erneut zum umstrittenen Wahlkampfthema, obwohl eigentlich alle Entscheidungen getroffen sind.
  • Die Baukosten sind von ursprünglich 200 Millionen auf 660 Millionen Euro explodiert, die Fertigstellung könnte sich bis 2035 verzögern.
  • Neun Gruppierungen mit 221 Kandidaten bewerben sich um Stadtratsmandate, sieben Kandidaten stehen für den Bürgermeisterposten zur Wahl.
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Eigentlich sind alle Entscheidungen zum Bau des B2-Tunnels in Starnberg längst getroffen, nur das Bundesverkehrsministerium muss noch zustimmen. Trotzdem ploppt das seit Jahrzehnten umstrittenste Thema in der Kreisstadt zwei Monate vor den Kommunalwahlen erneut auf.

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Stadt, der Verkehr und die Politik: Kaum ein Vorhaben spaltet die Starnberger Bevölkerung so sehr wie der geplante Bau des B2-Tunnels zur Entlastung der Starnberger Innenstadt. Wenig überraschend ploppt das umstrittenste Thema der Kreisstadt wenige Wochen vor den Kommunalwahlen in Bayern erneut auf. Zwei politisch motivierte Gruppierungen laden nun zu Informationsveranstaltungen ein: die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung, contra Amtstunnel“ und der Verein „Umweltgerechte Verkehrsentlastung Starnberg“. Die einen wollen den Tunnel um jeden Preis verhindern, die anderen plädieren für die zügige Umsetzung der einzig machbaren Verkehrsentlastung.

Das Vorhaben der Bundesrepublik Deutschland unter Obhut des Staatlichen Bauamts Weilheim ist planerisch und juristisch zwar weitestgehend abgeschlossen, bislang aber fehlt die konkrete Finanzierungszusage aus Berlin. Schon im Juli 2018 war der offizielle Start für den Bau des Tunnels erfolgt, der die Bundesstraße 2 unter der Stadt hindurchführen soll. Im Jahr 2026 hätte der Tunnel fertiggestellt sein sollen, doch daraus wurde nichts.

Bis auf einige vorbereitende Maßnahmen passierte nur wenig, ein Tekturverfahren mit diversen Verbesserungen des Bauwerks zog das Verfahren erheblich in die Länge. Gleichwohl sind die Kosten für den Bau geradezu explodiert: Waren anfangs knapp 200 Millionen Euro kalkuliert, soll der Bau der insgesamt 3,2 Kilometer langen Röhre nach jüngsten Schätzungen nunmehr rund 660 Millionen Euro kosten. Nach aktuellem Stand könnte der Tunnel frühestens 2035 fertiggestellt sein.

Derweil geht nicht nur der Fasching, sondern auch der Wahlkampf in seine heiße Phase. Starnberg glänzt dabei mit Spitzenwerten: Insgesamt neun Gruppierungen mit 221 Kandidaten bewerben sich um ein Mandat im 30-köpfigen Stadtrat. Für den Bürgermeisterposten stehen gar sieben Kandidaten zur Wahl, so viele wie nie zuvor und so viele wie in keiner anderen Kommune des Landkreises. Die Stadt steht vor allerlei Herausforderungen, doch ein Thema ist den Starnbergern besonders wichtig: Der Bau des Tunnels ist ein Dauerbrenner.

Bei Kommunalwahlen steht das Thema seit 2008 bereits zum vierten Mal auf der Agenda und könnte bei einer Stichwahl womöglich entscheidend sein. Als Befürworter des Tunnels gelten CSU, UWG, SPD sowie – zumindest teilweise – die Grünen. Gegner sind die kleineren Gruppierungen FDP, BLS, WPS und BMS.

Auf Seiten der Tunnelgegner hat sich aus der 2005 gegründeten Bürgerinitiative heraus die „Wählergemeinschaft pro Starnberg“ (WPS) formiert, die sich auf kommunalpolitischer Ebene vehement gegen den Tunnelbau stemmt. Die BI lädt für Mittwoch, 14. Januar (19 Uhr), zur Infoveranstaltung in den kleinen Saal der Starnberger Schlossberghalle ein. Im Mittelpunkt sollen „aktuelle verkehrliche und städtebauliche Fakten“ zum B2-Tunnel stehen. Zudem präsentiert der Bürgermeisterkandidat der WPS, Michael Landwehr, sein Wahlprogramm.

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Über Realisierungschancen und Baufortschritt des B2-Tunnels informiert auch der 2012 gegründete Verein „Umweltgerechte Verkehrsentlastung“, allerdings unter anderen Vorzeichen: Als Gäste werden der Leiter des Bauamts Weilheim, Stefan Scheckinger, sowie die für den B2-Tunnel zuständigen Mitarbeiter Raphael Zuber und Marco Pulci erwartet. Zudem wird Stadtrat und Verkehrsreferent Thorsten Schüler (UWG) ein Statement zum Thema „Verkehrsplanung in Starnberg“ abgeben. Die Veranstaltung findet am Montag, 19. Januar (18 Uhr), in der Gaststätte „Tutzinger Hof“ statt.

Ob der Tunnel im Wahlkampf allerdings erneut die Wichtigkeit vergangener Jahre bekommt und mitentscheidend für die Besetzung des Bürgermeisterpostens und die Zusammensetzung des Stadtrats sein wird, bleibt abzuwarten. Der Wahlkampf hat erst begonnen, und Starnberg hat thematisch noch weitaus mehr zu bieten als den in der Vergangenheit mit Inbrunst geführten Glaubenskrieg um Tunnel und Verkehrsentlastung.

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