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Ausstellung:Vergängliches im Sucher

Die Fotografin Jana Erb zeigt im Gautinger Bosco, was in zehn oder 20 Jahren so nicht mehr zu sehen sein wird: die Naturwunder Islands. Starke Temperaturwechsel machen dem Ökosystem der Insel zu schaffen

Von VALENTINA MENDEZ-HÖCHERL

GautingWasserfälle, Gebirgsketten und Schwefelfelder aus der Vogelperspektive - es sind raue und zugleich bedrohte Landschaften, die Fotografin Jana Erb im Bosco zeigt. "In Island ist der Klimawandel besonders greifbar, und ich muss davon ausgehen, dass die Generation meiner Kinder diese Natur so nicht mehr sehen wird", sagt die 32-Jährige.

In ihrer Ausstellung "This is not to be seen by future generations" im Gautinger Kulturhaus dokumentiert sie die Naturschönheiten Islands. Auffallend an ihren Bildern sind allein schon die kräftigen Farbkontraste, bei etlichen Aufnahmen greift sie auf Drohnen zurück. Erb geht es vor allem darum zu zeigen, wie sehr Menschen das Ökosystem verändern und zerstören. Das Projekt spiegelt ihren eigenen Zwiespalt als Fotografin wider: Einerseits erwecke sie mit ihren Bildern die Reiselust der Menschen, sagt sie, andererseits leide die Natur unter dem Massentourismus. Fragen wie "Warum mach' ich das? Darf ich das? Ist das gut, wenn ich die Bilder zeige, oder soll ich sie lieber auf meiner Festplatte verrotten lassen? Oder soll ich erst gar nicht hinfahren und keine Bilder machen?", quälen die 32-Jährige.

Jana  Erb

Die wuchtige Brandung einer Felsküste im Osten Islands.

(Foto: Jana Erb/SARIPICTURE)

Bereits im Herbst 2020 hatten das Gautinger Kulturhaus und Jana Erb den Erstversuch einer Ausstellung gestartet. Wegen Corona musste der Verein Theaterforum nach nur zehn Tagen das Haus und somit auch die Schau schließen. Seit vergangenem Dienstag hat das Bosco wieder geöffnet. Erbs Projekt ist je nach Pandemiesituation voraussichtlich bis einschließlich 12. Mai in Gauting zu sehen.

Hannah Runkist vom Theaterforum ist für die Ausstellungsplanung im Kulturhaus verantwortlich, sie wurde auf die junge Künstlerin bei einer Gruppenausstellung in München aufmerksam und nahm dann Kontakt zur Fotografin auf. "Die Ausstellung war ursprünglich für letztes Jahr April geplant, dann mussten wir sie wegen Corona verschieben", so die Projektmanagerin. Da sich nun alle Termine nach hinten verschieben und die Shaker-Architektur-Ausstellung von Florian Holzherr erst im Herbst zu sehen sein soll, "hat es sich jetzt ergeben, die Ausstellung von Jana Erb nochmals zu zeigen", so Runkist.

Jana Erb dokumentiert mit ihrer Kamera die Naturwunder Islands.

(Foto: Jana Erb/SARIPICTURE)

Islands Naturwunder und der Umgang mit dem Tourismus seien ein gutes Beispiel für die weltweite Klimaproblematik, findet Jana Erb. "Alle Orte, die auf diesen Bildern dargestellt sind, werden in zehn bis 15 Jahren so drastisch durch den Klimawandel verändert sein, dass sie in dieser Form nicht mehr existieren werden", sagt die Fotografin.

Die Künstlerin hält mit ihren Aufnahmen den Ist-Zustand der Insel im Nordatlantik für zukünftige Generationen fest. Wie sich der Klimawandel auf Islands empfindliche Natur auswirkt, wird auf Bildtafeln erklärt: Schmelzende Gletscher und ein starker Temperaturwechsel werden die Flora und Fauna auf der Insel stark beeinträchtigen.

Service

Eisschollen, die auf Gletscherlagunen schwimmen.

(Foto: Jana Erb/SARIPICTURE)

"Vor allem meine Generation will ich darauf aufmerksam machen, was es bedeutet, wenn wir nicht anfangen, unser Verhalten zu ändern", so die Fotografin. Anstatt mit ihren Bildern nur die Entdeckungssehnsucht der Menschen zu wecken, will sie mit dem Projekt einen "Aha-Effekt" im Verhalten junger Menschen hervorrufen. "Wir müssen weg von dem Punkt, wo wir nur Checklisten abhaken. Eine gute Reise im Jahr, eine wirklich bleibende Erinnerung ist viel mehr wert und sehr viel nachhaltiger, als wenn du dich fünf Mal in den Flieger setzt, um drei Tage irgendwo zu sein", sagt Erb. Nachhaltiges Reisen ist der jungen Frau besonders wichtig. Im vergangenen Jahr habe sie deshalb im Zusammenhang mit der Ausstellung online eine Diskussion dazu organisiert. Vor allem in der Voralpenregion hätten die Leute viele Möglichkeiten, die Natur nahe und nachhaltig zu erleben. Anstatt nach Island zu fliegen, können Interessenten die Naturwunder der Insel nun wesentlich nachhaltiger im Gautinger Bosco erleben, zumindest visuell.

Service

Mit Moos bedeckte Lavafelder im Süden der Insel.

(Foto: Jana Erb/SARIPICTURE)

Die Besucher des Kulturhauses müssen ihre Daten auf einer Liste angeben. Die Rubrik "Corona-Hinweise" auf der Homepage der Kulturstätte unter www.bosco-gauting.de informiert über die gültigen Hygieneregeln wie Maskenpflicht und die Einhaltung von Abständen. An den Ecken der Ausstellung sind die Bildbeschreibungen zu sehen. Außerdem können Interessenten während des Rundgangs einen Audioguide von Jana Erb anhören. Dieser ist per QR-Code oder auch über die Homepage der Fotografin unter www.kontrapixel.de/bosco_gauting abrufbar. Die Regeln und Öffnungszeiten gelten zunächst bis zu den Osterferien. Wie es danach weitergeht, ist aufgrund der Pandemie-Situation noch nicht bekannt.

Jana Erbs Ausstellung ist von Dienstag bis Donnerstag zwischen 10 und 12.30 Uhr kostenlos zugänglich. Eine Voranmeldung ist bei einer Inzidenz über 50 per E-Mail unter kartenservice@theaterforum.de oder per Telefon unter 089/4523858-0 notwendig. Mit Terminvereinbarung können die Bilder auch außerhalb der Öffnungszeiten betrachtet werden.

© SZ vom 19.03.2021
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