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Ausstellung:Planegg öffnet sein Fotoalbum

Das Archiv der Gemeinde dokumentiert den Wandel und die Kontinuität im Gemeindebild

Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD), ein Alt-Eingesessener, greift zu einem Song von Herbert Grönemeyer, wenn er die aktuelle Ausstellung "Planegger Fotoalbum" im Archiv beschreiben will: "'Bleibt alles anders'... - dieses Lied kommt mir dabei unweigerlich in den Sinn. Historische und aktuelle Bilder zeigen, wie sich unser Ort im Laufe der Jahre verändert hat. Wir sehen aber auch, was über die Jahre gleich geblieben ist - etwa die Bahnhofstraße, die nach wie vor die gute Stube des Ortes ist."

Zumindest optisch gleichgeblieben ist beispielsweise auch das Haus an der Mathildenstraße 17 an der Ecke zur Germeringer Straße, gebaut 1930 von dem Planegger Unternehmer Gum, den es heute noch gibt: Es gehörte dem Metzger Benedikt Eggenhofer und seiner Familie, der dort später eine traditionsreiche Metzgerei führte. Nach seinem Tod wurde aus der Metzgerei ein Modeatelier, das Tochter Ann bis Januar 2019 mit Erfolg fast 50 Jahre lang führte. Heute ist dort ein Fußpflege-Salon. Das Haus ist geblieben, doch das unmittelbare Umfeld kaum mehr wiederzuerkennen: Tag und Nacht braust der Verkehr vorbei, auf einer Straße, die damals noch ein besserer Feldweg war. Heute ist sie mit täglich bis zu 20 000 Autos die meistbefahrene Staatsstraße im gesamten Landkreis.

Planegger Fotoalbum

Die Gemeindebücherei war bis zu ihrem Neubau an der Pasinger Straße 14 untergebracht.

(Foto: Georg Brugger/oh)

Viel hat sich verändert in Planegg und Martinsried. Viel ist aber auch geblieben. Hunderte Postkarten hat das Planegger Archiv und seine Leiterin Martina Höhne in den vergangenen Monaten aus der Planegger Bevölkerung bekommen. Viele wurden Monat für Monat zuvor als scheinbar gegensätzliche Bildpaare ins Internet gestellt, und diese Ortschronik in Bildern hat bei den Bürgern eine Riesenresonanz gefunden. Es ist die letzte Ausstellung, die Höhne in Planegg leitet, sie hat geheiratet und zieht an den Chiemsee.

Es sind zum Teil faszinierende Ein- und Ansichten, welche die Schau in Archiv und Galerie der Gemeinde zeigt. Und nicht immer ist das Neue schöner geworden, als es das Alte war. Das sieht man besonders an der Bahnhofstraße, wo sich ein wuchtiger und modernistischer Prunkstil immer mehr durchsetzt: etwa das neue Postgebäude mit Büros und Wohnungen oder auch das legendäre "Würmtaler Möbelhaus", das mit den Jahren gleich mehrfach sein Gesicht veränderte.

Planegger Fotoalbum

Ein Bild der Vergangenheit: Als echtes Dorfidyll präsentierte sich die obere Bahnhofstraße zwischen den beiden Weltkriegen.

(Foto: Gemeindearchiv Planegg)

Und auch der "neue" Marktplatz brauchte nach dem Abriss der alten Häuser und dem Bau der Tiefgarage viele Versuche, bis er heute eine annehmbare Gestaltung und eine hohe Aufenthaltsfunktion erhalten hat. Und wer weiß heute noch, dass es in Planegg einmal ein beliebtes Kino gab, die "Schauburg" an der Ecke Bahnhofstraße und Hofmarkstraße? "Nichts ist beständiger als der Wandel", sagt Archivarin Höhne, "das gilt auch für Ortsbilder und Gebäudeensembles. Wirtschaftlicher und sozioökonomischer Wandel als auch Trends und Moden in der Ortsentwicklung hinterlassen deutliche Spuren im Erscheinungsbild unseres Ortes."

Bürgermeister Hofmann räumt einige "Bausünden" ein und sagt: "Ja, man hat auch Fehler gemacht." Er glaubt aber, dass "man einen Teil des Planegger Lebensgefühls sowohl an den alten als auch an den neuen Fotografien ablesen kann - auch wenn sich im Ort einiges ändert, so bleibt doch der Lauf der Würm gleich, und die meisten Menschen scheinen sich in Planegg wohl zu fühlen."

Die Ausstellung "Planegger Fotoalbum" an der Planegger Straße 22 ist bis zum 31. März geöffnet und zwar am Dienstag von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr sowie unter telefonischer Anmeldung unter 089/899 26-261. Am ersten Dienstag des Monats ist das Archiv bis 19 Uhr geöffnet. Freitags ist grundsätzlich geschlossen. Der Eintritt ist frei.