Ausstellung in Starnberg Abriss und Aufbau

In der Reihe "Nah-fern" zeigt die Künstlerin Monika Schultes Kunstvideos unter anderem vom Verlust ihres Elternhauses. Andreas Woller steuert Rauminstallationen bei

Von Ute Pröttel, Starnberg

Hinter den verglasten Schwingtüren der alten Schalterhalle im historischen Bahnhof läuft die Video-Installation "Broken home" von Monika Schultes. Durch das strukturierte Glas wirkt das Video wie ein verschwommenes Gemälde. Die doppelflügelige Türe bleibt allerdings nur solange geschlossen, bis der Musiker und Kabarettist Josef Brustmann die kleine Bühne des ungewöhnlichen Ausstellungsraumes freigibt. Er spielt zur 40. Vernissage der Starnberger Ausstellungsreihe "Nah-fern". Zum Thema "4 Wände - 1 Zimmer" haben die Kuratorinnen Katharina Kreye, Ulrike Prusseit und Ursula Steglich-Schaupp zwei sehr konträr arbeitende Künstler eingeladen, deren Arbeiten sich nebeneinander erstaunlich gut ergänzen.

Zurück in die Vergangenheit: Monika Schultes zeigt in Starnberg ihr Video "Broken home".

(Foto: Georgine Treybal)

Die Mitte des Raumes nimmt das Fragment einer Installation von Andreas Woller ein. "Gebiet" ist eine Materialcollage, die er für die Galerie der Künstler in München entwickelt hat. Auf Augenhöhe des Betrachters schwebt eine Siedlung aus kleinen Kammern. Sie sind aus mehreren Schichten Karton, Holz, Schaumstoff, Plastik, buntem Papier und Acrylfarbe gefertigt. Mal rund, meist eckig; nie jedoch bilden sie einen geschlossenen Raum. Je nach Position des Betrachters ergeben sich Einblicke oder Ausgrenzung. Auf Wollers Internetseite ist dazu zu lesen: "Was das Verhältnis zu seinem Publikum betrifft, will seine Arbeit vor allem nicht dem Paradigma der "Kommunikation mit dem Betrachter" unterworfen sein. Die Objekte, die er produziert und in Räumen platziert, sollen Gefühle gleichsam 'als sie selbst' im Raum manifestieren. . ." Vielleicht noch besser als die großflächige Arbeit schaffen dies Wollers filigrane Wandcollagen. Im Atelier, Woller selber spricht von seinem Materiallager, hängen sie freischwebend im Raum, meist mehrere nebeneinander. Sie sind nie wirklich fertig, auch die drei Arbeiten, die er mit nach Starnberg gebracht hat, befinden sich noch im Werden. 2013 beendete Woller sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München. Zuvor studierte er Philosophie in Regensburg und München.

Andreas Woller hat filigrane Wandcollagen mitgebracht.

(Foto: Georgine Treybal)

Monika Schultes verarbeitete in "Broken home" den Verlust des mehr als 100 Jahre alten Elternhauses. Und thematisiert so ein sich beschleunigendes Phänomen unserer Zeit. Häuser, die über Generationen gewachsen sind, werden als nicht mehr zeitgemäß empfunden, leergeräumt und platt gemacht. Die letzten Tage des malerischen Häuschens im Grünen dokumentiert Schultes in einem Video, das Stück für Stück den Abriss begleitet.

Die Sehnsucht, Dinge der Vergangenheit zu bewahren, manifestiert sich im Rückwärtslauf der Aufnahmen. Das Video ist eine endlose Zeitschleife von Destruktion und Konstruktion. Bevor es zum Abriss kam, nutzte die 1955 geborene Künstlerin die Räume für verschiedene Kunstaktionen, die sie per Film und Fotografie dokumentierte. So brachte sie aktuelle Arbeiten in das Haus ihrer Kindheit und hängte sie in das ehemalige Schlafzimmer der Eltern oder ins Treppenhaus. Doch die großformatigen Zeichnungen passen nicht so recht in das verwinkelte Gebäude. Fast mutete es an, als wolle sie dem alten Haus eine neue Seele einhauchen. Auch die Zeichnungen und Fotografien sind Teil der Ausstellung.

Eine Installation ohne Titel von Andreas Woller.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Installation "Broken home" wird schließlich abgerundet durch zwei Kunstvideos. "Un-schuld" (11:06 Minuten) ist im ehemaligen Zimmer der Großmutter entstanden und beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Mädchens zur jungen Frau. In "Canna" (3:09 Minuten) testet die Künstlerin, was mit Großmutters bestens erhaltener Kaffeekanne passiert, wenn diese in Schräglage gelangt.

Beinahe könnte man den Eindruck gewinnen Wollers filigrane Wandarbeiten seien aus dem Material des abgerissenen Elternhauses von Schultes entstanden, doch er arbeitete in Taufkirchen/Vils, Schultes Elternhaus hingegen stand hinter Augsburg, Richtung Schwabmünchen. Die beiden Künstler kommen sich in Starnberg das erste Mal nahe.

Bis zum 7. Oktober. Geöffnet freitags von 16 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.