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Ausstellung in Inning:Götterdämmerung

Malende Philosophin: Gisela Forster vor ihrer Installation im Garten ihres Kunsthauses am Wörthsee.

(Foto: Arlet Ulfers)

Gisela Forster zeigt ihre "Himmelsbilder"

Auf den meisten ihrer Bilder sitzt ein männlicher Gott ganz oben, und zu seinen Füßen lagern untergeordnete Göttinnen. "Himmelsbilder" hat die Philosophin und Künstlerin Gisela Forster aus Berg ihre diesjährige Installation im Garten ihres Kunsthauses am Wörthsee genannt. Auf wetterfesten Lithographiedruckplatten hat sie den "Himmel" ausgehend vom buddhistischen Glauben über indische, ägyptische, heidnische, griechische, römische, katholische, aber auch moderne Darstellungen gemalt.

Der indische Gott Brahma, der ägyptische Sonnengott Ra, Zeus und Jupiter bei den Griechen und Römern und Gottvater bei den Katholiken - überall sieht man den Mann oben und die Frauen zu seinen Füßen, außer bei den Katholiken, hier wird ein weißgelockter Gott auf einer Wolke von mächtigen, rot gekleideten Kardinälen umringt. "Als ich das gemalt habe, ist mir klar geworden, dass seit dem Buddhismus nichts geschehen ist", sagt Forster. Die Frauen wären immer noch in ihrer untergeordneten Rolle gefangen. Einzig bei den Heiden habe es mit dem Götterpaar Freya und Odin eine Ausnahme gegeben. Relativ friedlich sei diese Religion gewesen, "da hätte man bleiben sollen". Doch das moderne Himmelsbild sei davon weit entfernt.

Den Himmel der Ist-Zeit hat Forster mit Fußballgöttern, Gesangsgöttinnen und den Göttern der Politik gefüllt. Daneben existiert für sie auch der Himmel der Unter-25-jährigen. "Hier wird die Frage nach Gott realistisch beantwortet und die Götter als nicht im Himmel seiende Wesen beschrieben". Man sieht die Menschen einzeln mit ihren digitalen Medien auf Bergspitzen sitzen, ihre Blicke starr auf die Displays gerichtet. Sprechblasen der SMS- oder Whatsapp-Meldungen wie "Kannst du Gott sehen?", "Ich sehe nur Wolken", "lauter Clouds" erfüllen den Himmel. "Der Himmel der Jugend ist weit entfernt von der hierarchischen Macht. Das Christentum kann sich deswegen nicht fortsetzen", resümiert die Religionskritikerin.

Am Schluss gibt es noch den bayerischen Himmel, eine kitschige Idylle mit Lederhosen, Dirndl, Trachtenhut und Bier. Alles in Weiß-Blau. "Eine heile Welt. So empfinden es viele Bayern", sagt die Künstlerin

Ihr ideales Himmelsbild hat Forster auch skizziert. Es hängt abseits der Bilderwand.

"Der Himmel der Zukunft", so hat Forster das Gemälde genannt. Gleichberechtigt sitzen ein männlicher Gott und eine weibliche Göttin der Philosophie nebeneinander. An beider Seiten gibt es eine Vielzahl an Untergöttern und -göttinen. Das reicht vom Gott des Fußballs, der Gerechtigkeit, der Schönheit über die Göttin der Gesundheit, der Kunst, der Kommunikation bis zu den Göttern der Gewalt, der Selbstherrlichkeit und des Krieges. Denn ein Drittel der männlichen Untergötter geht in die Zerstörung, sagt die Philosophin. Warum das so ist, das können die Besucher mit ihr diskutieren. Der Austausch ist nämlich das Kernstück der Ausstellung. "Jeder der die Ausstellung besucht, kann zu eigenen Erkenntnissen kommen", sagt Gisela Forster. "Nichts ist vorgegeben, nichts ist bestimmt - alles Denken ist frei."

Um in Zeiten des Coronavirus vor Ansteckungen zu schützen, hat Forster ihre Ausstellung ausschließlich ins Freie verlegt. Auch die Stühle und Bänke stehen draußen. "Man muss gar nichts mit den Händen berühren", versichert Forster, die jede halbe Stunde zu einer "Distanzführung" einlädt.

Die Schnuppervernissage findet am Freitag, 13. März, statt. Die Hauptvernissage ist am Freitag, 27. März, eine meditative Vernissage ist für den Karfreitag, 10. April, vorgesehen und die Finissage am Freitag, 17. April. Geöffnet ist jeweils von 14 bis 17 Uhr. Das Kunsthaus am Wörthsee befindet sich in Inning-Schlagenhofen, Grünbichl 23.

© SZ vom 12.03.2020
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