Ausstellung Ich sehe was, was Du nicht siehst

Von Pistazieneis bis Himbeersorbet: Nebeneinander gehängt ergeben die Bilder der Künstlerin Sabine Endres aus dem Rheinland sehr harmonische und einheitliche Farbwelten.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Sabine Endres will sich von fixen Vorstellungen befreien. In Tutzing zeigt die Künstlerin aus Brühl ihre überraschend floralen Bildwelten sowie Objekte unter dem Titel "Losgelöst"

Von Katja Sebald, Tutzing

Ist das ein Kirschblütenzweig? Dieses eine bunte Blumenwiese? Und das andere ein Seerosenteich im Sonnenlicht? "Sowohl als auch und weder noch", antwortet Sabine Endres auf solche Fragen. Die Malerin aus Brühl bei Köln hat ihre Bilder zur Sommerfrische an den Starnberger See gebracht. Die Besucher ihrer Ausstellung "Losgelöst" in der "Galerie am Rathaus" in Tutzing dürfen und sollen darin sehen, was sie möchten.

Sabine Endres wurde 1971 in Antwerpen geboren und lebt seit vielen Jahren im Rheinland. Als Künstlerin ist sie Autodidaktin - aber vermutlich würde sie schon diese Kategorisierung ablehnen. Sie gehe bewusst einen unbeeinflussten, eigenen Weg, sagt sie. Wenn es auf diesem Weg ein Ziel gibt, dann ist es die "Befreiung von fixen Vorstellungen", wie sie es formuliert. Diese Befreiung beginnt bereits bei der Wahl der künstlerischen Mittel: Auf einer einzigen Leinwand arbeitet sie mit Acrylfarben, mit wasserlöslichen Ölfarben, mit Stiften und mit Kreiden. Einen Pinsel verwendet sie, wenn überhaupt, nur für die unterste Farbschicht. Danach werden die Farben auf den Malgrund geschüttet, entweder so dünnflüssig, dass sie in Schlieren verlaufen, oder in eher pastoser Konsistenz, sodass sie erst dicke Kleckse und beim Trocknen entweder glänzende, glatte Oberflächen oder rissige Strukturen bilden. Schwämme und Spachteln kommen zum Einsatz, deckende und lasierende Farben wechseln einander ab, immer wieder wird überarbeitet, bereits Entstandenes wieder entfernt, Tieferliegendes freigelegt. Flächen werden abgedeckt, andere bleiben als Inseln sichtbar, werden vielleicht sogar noch mit Konturen betont. Schicht um Schicht wächst das Bild, bis die Malerin schließlich zufrieden ist. Endres bezeichnet ihre Malerei als "Informel" und wundert sich selbst über das Florale, dass in jüngerer Zeit Einzug in ihre Bildwelten gehalten hat. Sie bevorzugt eine Palette von Pistazieneis bis Himbeersorbet, dazu kommen wenige dunkle Farbspuren, mit denen sie Akzente setzt. Ihre Bilder sind höchst dekorativ, nebeneinander gehängt ergeben sie sehr harmonische, aber eben in gewisser Weise auch sehr einheitliche Farbwelten.

Gleiches gilt für die hübschen Objekte, die Endres aus Fundstücken und filigranen Drahtkonstruktionen baut. Für das titelgebende "Losgelöst" ergänzte sie das hölzerne Fragment eines alten Ackergeräts mit einem luftigen Aufbau aus dünnem Draht, morbide Holzblätter bilden kleine "Aussichtsplattformen" und zarte Sonnensegel. Nach demselben Prinzip entstanden auch die Objekte aus der Reihe "Räume, Gänge, Ebenen", der Unterbau besteht hier jedoch aus einem rostigen Metallquader. Die Baumbesetzer im Hambacher Forst, ganz in der Nähe ihres Wohnortes, gaben den Anstoß für diese Arbeiten, erzählt die Künstlerin. Tatsächlich könnte man bei den runden Öffnungen in den Metallblöcken zunächst an Nistkästen oder andere Behausungen denken, an geheimnisvolle Räume oder zumindest an Gänge, die tief ins Innere führen - tatsächlich sind es aber nur simple Durchbohrungen: Man schaut auf der einen Seite hinein und auf der anderen wieder hinaus. Und auch hier ist es am Ende die Wiederholung des immer Gleichen, die dem einzelnen Objekt seinen Zauber nimmt.

Die Ausstellung "Losgelöst" von Sabine Endres ist noch bis zum 24. August in der "Galerie am Rathaus" in Tutzing, Kirchenstraße 7, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und freitags von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 13 Uhr.