Es ist ein sonniger Tag, an dem der Fotograf, Filmer und Autor Hans-Günther Kaufmann verschiedene Aufnahmen hochhält und danach wieder auf dem Klavierflügel neben sich ablegt. Es sind schwarz-weiß Fotografien seiner Schwester Christine Kaufmann. Gemeinsam mit Abt Odilo Lechner steht sie im Mittelpunkt einer Ausstellung, die am 22. Mai im Schloss Kempfenhausen eröffnet wird.
Im Jahr 2017 verstarb die Schauspielerin im Alter von 72 Jahren. Ihr Todestag jährt sich am 28. März zum fünften Mal. Schon 1954, als sie neun Jahre alt ist, können Kinobesucher Christine Kaufmann im Film "Rosen-Resli" auf der Leinwand sehen. Für "Stadt ohne Mitleid" erhielt sie einen Golden Globe. In den 60er-Jahren heiratete sie den Schauspielerin Tony Curtis. Kaufmann stand für den Regisseur Rainer Werner Fassbinder vor der Kamera. Außerdem spielte sie in der Serie "Monaco Franze - Der ewige Stenz" mit.
"Christines Leben war kein glückliches"
Kurz vor ihrem fünften Todestag ist die Erinnerung an Christine Kaufmann jedoch weiterhin lebendig. Das wird an jenem Tag deutlich, an dem ihr Bruder und die Kulturgestalterin Elisabeth Carr zu einem Gespräch in Starnberg einladen. Von der Kindheit bis hin zu ihrem Tod gibt Hans-Günther Kaufmann Erinnerungen aus seinem Leben und dem seiner Schwester preis. "Die Christine war alles", sagt er. "Ich wollte auch was sein." Seine Schwester beschreibt er als "glamouröse Persönlichkeit". Es wird aber auch deutlich, dass der Fotograf einer glamourösen Welt mittlerweile kritisch gegenübersteht. Glamour sei ein "kaltes Licht" sagt er. Und: "Christines Leben war kein glückliches."

In seinem eigenen Leben tritt vor gut 40 Jahren die zweite Person auf die Bühne, um die es in der Ausstellung geht: Abt Odilo Lechner. Kaufmann, der in seinem Leben viel herumkam, zieht damals, um seinem Sohn eine "normale" Perspektive zu bieten, aufs Land nach Miesbach. Auf der Suche nach einem Textautor für ein Buch, lernt er den Benediktiner und Ordenspriester Odilo Lechner kennen, erinnert sich Kaufmann. Von der ersten Idee sei dieser nicht begeistert gewesen, er bot aber an mitzuwirken, wenn Kaufmann etwas anderes einfalle. Lechner wird zu einer wichtigen Person in Kaufmanns Leben. Er starb - wie Christine Kaufmann - im Jahr 2017. Bei der Ausstellung werden O-Töne Lechners zu hören sein und auch ein Film über den Benediktiner wird Besucherinnen und Besuchern präsentiert.
Seine Schwester Christine und Abt Odilo Lechner waren beide Weggefährten Kaufmanns, die dennoch nach den Erzählungen des Fotografen starke Gegensätze darstellten. Er ein Mann, der "in sich ruhte". Sie eine Frau, die ein "chaotisches Leben" führte.
Im Schloss Kempfenhausen erwarten Besucherinnen und Besucher unter anderem Fotos von Christine Kaufmann aus der Jugend bis ins Alter. Es sei nun die letzte Möglichkeit, die Bilder von Christine Kaufmann in einer Ausstellung zu sehen, heißt es. Sein erstes Foto veröffentlichte Hans-Günther Kaufmann übrigens mit 16 Jahren, wie er erzählt. Es war ebenfalls ein Porträt seiner Schwester. Noch heute erinnert er sich an einen traurigen Satz, den sie zu ihm gesagt haben soll: "Du glaubst nicht wie anstrengend es ist, schön sein zu müssen."
Die Ausstellung eröffnet am 22. Mai im Schloss Kempfenhausen mit einer Vernissage inklusive Lesung aus der Biografie Christine Kaufmanns. An drei Terminen - 29. Mai, 5. Juni und 12. Juni - führt Hans-Günther Kaufmann persönlich durch die Ausstellung, bevor am 19. Juni eine Finissage stattfindet. Der Eintritt kostet 22 Euro.
