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Ausstellung:Die Ostsee in Utting

'Wellen' im Uttinger B1

Wellengang: Stefan Wehmeier (links) zeigt ein Gemälde und Keramikobjekte in der Galerie von Harry Sternberg.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Maler Stefan Wehmeier zeigt im Fenster der Galerie B1 sein Bild vom Strand in Graal-Müritz und weckt damit bei Passanten die Urlaubssehnsucht

Von Katja Sebald, Utting

Der Ammersee ist nur ein paar Schritte entfernt. Auch er zeigt sich in den Wintermonaten grauverhangen und manchmal sturmgepeitscht mit weißen Schaumkronen auf den Wellen wie die Ostsee. Und doch ist das Gemälde, das der Künstler Stefan Wehmeier im Raum B1 am Uttinger Bahnhof zeigt, wie eine Verheißung: Es bildet ein Stück mit Buhnen verbautes Ufer im Ostseebad Graal-Müritz ab. Die Weite der grüngrauen und graublauen Wasserfläche lässt an Strandspaziergänge denken. Man riecht förmlich die salzige Luft, man spürt fast die Gischt, die weiß zwischen den Eichenholzpfählen aufspritzt.

Harry Sternberg, selbst Künstler und seit 2018 auch Kurator, bespielt den kleinen Galerieraum im ehemaligen Fremdenverkehrsamt weiterhin mit Kunst, obwohl er derzeit seine Türen nicht öffnen darf. Die Ausstellung "Wellen" von Stefan Wehmeier ist bereits die dritte, die nur hinter dem großen Schaufenster zu sehen ist. Mittlerweile sind die Uttinger nicht mehr nur ausgehungert nach Kunst und Kultur, sondern einfach nach sozialen Kontakten: Schon während des Aufbaus bleiben Passanten stehen und suchen das Gespräch. Und diesmal bietet ihnen die Kunst noch mehr: Der Blick auf das große Gemälde, das frei im Raum hängt, weckt Fernweh und Sehnsucht nach Urlaub. Auch wenn die Reise mit diesem Bild nur nach Mecklenburg-Vorpommern führt und auch dort das Wetter offenbar nicht viel besser als hier ist, so blitzt in diesen Lockdown-Zeiten darin doch ein wunderbares Stück Freiheit auf.

Wehmeier, Jahrgang 1955, lebt und arbeitet in Hechenwang, nicht weit vom Ammersee. Landschafts- und Naturerlebnisse prägen seit langem seine künstlerische Arbeit. Die Ostseeküste entdeckte er vor einigen Jahren während eines Studienaufenthalts im Künstlerhaus Schloss Plüschow. Ein Foto diente ihm später als Ausgangspunkt für das großformatige Ölgemälde. Seine Bilder vereinen auf spannende Weise malerische und zeichnerische Herangehensweisen. Allerdings geht es ihm eher um innere Bilder und Stimmungen. In formaler Hinsicht bewegt er sich dabei zwischen Auflösung und Verdichtung, Konkretem und Abstraktem.

Flüsse, Seen und Meere sind für ihn vor allem Sinnbild für die Erhabenheit und Schönheit der Natur, aber auch für die Bedrohung, die aus ihr erwachsen kann. Wasser, so schreibt er im Begleittext zur Ausstellung, steht für Bewegung, es kann "ein Rauschen, ein Strom, ein Ungeheuer, härter als Stein" sein und dann wieder "plätschernd, sanft, meditativ und beruhigend". Begleitet wird das Ostsee-Bild von einem Gedicht, das im Fenster ausgehängt ist. Darin beschreibt er geradezu plastisch das Sich-Auftürmen und Brechen der Wellen. Wie erstarrt, ja fast wie eingefroren wirken diese Bewegungen hingegen in den beiden Keramikobjekten, die das zentrale Gemälde flankieren.

Die Ausstellung ist von diesem Samstag, 15 Uhr, bis zum 7. März im Raum B1, Bahnhofsplatz 1 in Utting, zu sehen. Sie wird abends beleuchtet.

© SZ vom 30.01.2021
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