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Ausstellung:Das doppelte Bild

Starnberg: Kunstkabinett: Fotografien Arno Landwehr

Zeigt Patchwork-Kunstwerke und Fotografien: der Künstler Ingo Landwehr.

(Foto: Nila Thiel)

Arno Landwehr zeigt in Starnberg Patchwork und Fotografien

Von Anna Gleiser, Starnberg

"Nebenberuflich bin ich Künstler, eigentlich ist es meine Berufung, aber mit dem Lebensunterhalt wird's da dann schwierig." Mit diesen Worten eröffnete der gelernte Maler Arno Landwehr seine Ausstellung im Kunstkabinett Starnberg. Er zeigt Patchwork-Kunstwerke mit Schlagmetall, das ähnlich aussieht un d verarbeitet wird wie Blattgold, außerdem Fotodrucke auf Glas und Holz sowie Seidenglanzdrucke. Für die Patchwork-Arbeiten nutzt er eine alte Vergoldertechnik. Er schießt - so nennt man das Kleben der Blättchen im Fachjargon - die Schlagmetalle mit verschiedenen Methoden, am liebsten jedoch mit haushaltsüblicher Gelatine, auf einer Glasscheibe an. Zuvor hat er die Blättchen mit Säure behandelt, um so den Oxidationsprozess einzuleiten. Landwehr beklebt das Glas gekonnt in mehreren Schichten mit verschiedenen Metallen, so wird der Patchworkcharakter generiert.

Die Bilder zeigen Oxidationsstadien der Metalle, dadurch entstehen Musterungen. Eines bildet beispielsweise die verschiedenen Stadien eines Silberblättchens ab. Dort ist jede Farbe auf der Palette zwischen Silber und Kupfer vertreten. Ergänzt hat der Künstler das Silber noch mit Kupfer, um die farbliche Mischung perfekt zu machen. Das Besondere an Landwehrs Collagen ist, dass sie von beiden Seiten sehenswert sind: auf der einen Seite sind die Muster der Oxidationsstadien zu sehen, auf der anderen die natürliche Beschaffenheit der Metalle. Man könnte sie also "je nach Stimmung aufhängen", witzelt der Künstler. Und wer vor lauter Kunstwerken im Haus keine freie Wand mehr zur Verfügung hat, hängt die Bilder in den Raum und hat zwei neue Werke auf einen Streich.

Als Fotograf beschreibt er sich als "Meditierenden", als einen, der an einem Mülleimer stehen bleibt und darin etwas zu fotografieren findet. Er entdeckt seine Motive in Alltagssituationen: eine verrostete Dose oder einen mediterran anmutenden Hauseingang. Teilweise sind es nur kleinste Ausschnitte eines Bildes, in denen das große Ganze kaum noch zu erkennen ist. Die Nahaufnahme eines verrosteten Stahlträgers etwa, dessen Struktur man im Detail erkennt und der in verschiedenen Farben schimmert. Nur der Eingeweihte erkennt eine eingerostete Niete als Hinweis. Landwehr betont, dass die Bilder - bis auf zwei - nicht farblich bearbeitet sind. Das Material für die Fotodrucke wird je nach Motiv ausgewählt. So wird die Nahaufnahme einer Moosstruktur durch den Druck auf eine Pressholzplatte durch deren Faserung noch verstärkt. Und fotografierte Eiskristalle glänzen durch den Druck auf Glas noch intensiver.

Die Ausstellung ist noch an den Wochenenden, 30. Juni bis 2. Juli und 7. bis 9. Juli, im Kunstkabinett zu sehen. Die Öffnungszeiten: freitags von 19 Uhr an, samstags und sonntags jeweils von 15 Uhr an.

© SZ vom 30.06.2017
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