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Ausstellung:Aus dem Paradiesgarten

Das Buchheim Museum würdigt den Bildhauer Kuno Dümler, der sein Atelier in einer ehemaligen Funkstation bei Traubing hatte

Dümler-Ausstellung im Buchheim-Museum

"Freiheit, völlig frei" hat Kuno Dümler diese Skulptur aus dem Jahr 2003 genannt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Wer den Bildhauer Kuno Dümler besuchen wollte, der musste den riesenhaften Phallus aus glänzendem Stahl am Eingang zu seinem "Paradiesgarten" passieren. Viele Besucher dürften es allerdings in den letzten Jahren nicht mehr gewesen sein. Die lokale Kunstszene jedenfalls nahm den eigenwilligen und ein wenig verschrobenen Künstler nicht wahr - aber vielleicht war es ja auch umgekehrt.

Seit 1975 lebte und arbeitete Dümler in einer einsam gelegenen, ehemaligen Funkstation südlich von Traubing, die er sich zum Atelier ausgebaut hatte. Rundherum platzierte er nach und nach seine Metallobjekte in der Landschaft. Anfang 2018 ist Dümler, auch das von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, gestorben. Sein "Paradiesgarten" soll nun aufgelöst werden, etwa 35 Objekte daraus sind in diesem Sommer im Bernrieder Buchheim-Museum zu sehen.

Der eiserne Ritter mit Sonnenbrille aus dem Jahr 1975 dürfte eine der ersten Plastiken gewesen sein, die Dümler an seinem Domizil auf dem Land aufstellte. Aus demselben Jahr stammt die lebensgroße Aluminiumdame, deren naturalistische Darstellung mit langen Damenstrümpfe am Strumpfhalter in einem durchaus interessanten Kontrast zu ihrer matten Metallhaut steht. Ein wenig später wurde das monumentale "Pferde-Kamel" aus Aluminium in die freie Wildbahn entlassen, jetzt ist es gezähmt und an einer Säule im Museumsgang festgezurrt. Ein paar eher brave kleinformatige Holzskulpturen, ein Gekreuzigter etwa und ein draller Putto, stammen aus den Sechzigerjahren. In einer Vitrine sind weitere kleine Objekte ausgestellt, darunter auch ein aus Keramik geformtes Selbstporträt von Dümler aus dem Jahr 1985. Gearbeitet aber hat der Bildhauer wohl bis fast zuletzt: Ein "Einhorn" aus Tropenholz und Stahl entstand 2017, ein Fisch aus Holz, Stahl und Bronze mit großen Augen aus Glasmurmeln sogar noch 2018. Mit der schwarzen hölzernen Schlange hatte Dümler im Jahr 2010 erreicht, was er zehn Jahre zuvor einem SZ-Reporter verraten hatte: Erklärtes Ziel seines Schaffens sei Einfachheit und Klarheit im Ausdruck. Mit den voluminös aus Holz geschnitzten "Engelslocken" stellte er gleichwohl einen virtuosen Umgang mit den Schnitzwerkzeugen unter Beweis.

Dümler-Ausstellung im Buchheim-Museum

Mit Helm und Sonnenbrille: Kuno Dümlers "Ritter".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Kuno Dümler wurde 1936 in Nürnberg geboren und konnte bereits auf ein bewegtes Leben zurückblicken, als er sich in Traubing niederließ. Von 1950 an hatte er in seiner Geburtsstadt eine Schlosserlehre absolviert, es folgten einige Jahre als Kunst- und Bauschlosser, Kunstschmied und Kesselbauer, unter anderem arbeitete er bei Siemens-Schuckert in Nürnberg und bei Bosch in Bamberg. Dann beschloss er, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Grenzjäger beim Bundesgrenzschutz, als Knecht auf einem Bauernhof, Mulitreiber und Lastenträger, schließlich als Hausmeister auf dem Obersalzberg, um die Holzbildhauerschule in Berchtesgaden besuchen zu können.

Nach dem Abschluss ging er nach München, um Bildhauerei bei Josef Henselmann an der Akademie der Bildenden Künste zu studieren. Nach vier Semestern wurde ihm auf Henselmanns Empfehlung die Stelle einer Hilfslehrkraft in der Erzgießerei und Ziselieranstalt der Akademie angeboten, wo er zwei Jahre blieb. Offensichtlich war er aber noch nicht an seinem Ziel angelangt, denn er studierte weitere vier Semester bei Robert Jacobsen. Innerhalb eines Jahres machte er sein Diplom als Bildhauer und seinen Meisterbrief als Schlosser. In die Geschichte der Akademie ging Dümler als langjähriger Leiter der von ihm selbst gegründeten Metallwerkstatt ein. Bis zu seiner Pensionierung 1991 betreute er dort unzählige Studenten. Sein eigenes Werk ist vor allem von seinem handwerklichen Geschick gekennzeichnet.

Bis Sonntag, 6. Oktober: Geöffnet Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.