Ausstellung Ankunft der Erlöserin

Gisela Forster zeigt in ihrem Kunsthaus in Inning eine Installation, die sich um Religion, Macht und die Unterdrückung der Frauen in der Kirche dreht. Vernissage ist am Samstag

Von Patrizia Steipe, Inning

"Ziemlich provokant, aber sehr realistisch" sei ihre neue Ausstellung, sagt Gisela Forster. Etwas anderes hätte der Besucher von der Künstlerin, Philosophin und Ingenieurin auch nicht erwartet. Zum dritten Mal lädt Forster vor Ostern in den Garten ihres Kunsthauses am Wörthsee in Inning-Schlagenhofen ein. Darin hat sie eine 20 Meter lange Installation zum Thema "Wegschauen ist keine Lösung - Hinschauen ist die Zukunft" aufgebaut.

Es geht um Religionsmacht, um die Unterdrückung der Frauen in der Kirche, um Missbrauch und die Arroganz der Stärkeren. Forster hofft, dass die Betrachter das komplexe Thema in den Bildern auf einen Blick ganzheitlich erfassen können. "Bilder sagen mehr als Worte". Danach könnte sich auf den bereitgestellten Stühlen und Bänken eine inspirierende Diskussion zwischen den Besuchern entwickeln. Die Installationen von Forster leben vom Dialog.

Auf den zwei Meter hohen Bretterwänden hat Forster mit schnellem Pinselstrich fast schon skizzenhaft ihre Vision einer modernen Religion entwickelt. Eine große blondgelockte Engelin überbringt einer Gruppe unterschiedlicher Frauen die frohe Botschaft: "Du wirst eine Tochter gebären, und diese Tochter wird groß und bedeutend sein."

Frohe Verkündigung: In Gisela Forsters Installation ist der Heiland nicht männlich, sondern weiblich.

(Foto: Georgine Treybal)

Eine Erlöserin statt einem Erlöser, das sei eine Art "Neustartaktion". Die Zeiten hätten sich geändert. "Söhne gebären" sei nicht mehr das Höchste - Frauen dürften ebenbürtig neben Männern stehen, so Forster. Angesichts der männlich dominierten Religionsmacht würden wohl viele Betrachter von dieser weiblichen Variante der Verkündigung entsetzt sein, glaubt sie. Man sei es einfach so gewohnt, dass Gott Vater den Engel schicke, um seinen Sohn geboren zu bekommen - doch jetzt sei es an der Zeit für Veränderungen im Leben und in der Kunst. "Die Kunst darf frei sein und frei denken."

Auf der anderen Seite der Holzwand hat Forster 13 Kardinäle gemalt. Die Ziffer steht als Symbol für das Weibliche. Sie drehen den Frauen den Rücken zu. Die Idee dazu sei ihr gekommen, als sie die Bilder von der Synode in Rom gesehen habe, erklärt die Religionskritikerin. "Da haben die Kardinäle auch so ins Nichts geschaut."

Bei den ersten Figuren im roten Ornat sieht man noch ein wenig Emotionen. Tränen tropfen aus den Augen, die Figuren sind gramgebeugt. Doch allmählich richten sie sich auf. Die Nasen werden hochnäsig in die Luft gereckt, die Mundwinkel gehen nach unten. Die Kardinäle sind das Sinnbild eines männlichen Herrschaftssystems, das Gesetze eingeführt habe, die zutiefst menschenfern seien und von denen Schwache und Abhängige keinen Schutz zu erwarten hätten. Im Gegenteil. In einer Art Opferkelch liegen Puppen. Sie symbolisieren die von der Geistlichkeit unterdrückten Ordensschwestern und die missbrauchten Kinder. "Es ist die Installation einer Realität, die dringend analysiert und reformiert werden muss", sagt Forster.

Puppen und Plüschtiere versteht die Künstlerin als Symbol für Ordensschwestern und Kinder, die von Geistlichen missbraucht und unterdrückt wurden.

(Foto: Georgine Treybal)

Vernissage im "Kunsthaus am Wörthsee" in Inning, Ortsteil Schlagenhofen, Grünbichl 23, ist am Samstag, 6. April, von 14 bis 18 Uhr. Eine zweite Vernissage findet am Samstag, 13. April, von 14 bis 18 Uhr statt. Die Finissage ist am Mittwoch, 17. April, von 14 bis 18 Uhr.