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Coronavirus:Mit der Atemschutzmaske in den Baumarkt

Starnberg: Hagebaumarkt Wiedereröffnung

Nach mehr als vier Wochen sind die Ausgangsbeschränkungen erstmals gelockert worden: Heimwerker und Hobbygärtner dürfen wieder einkaufen gehen.

(Foto: Nila Thiel)

Nach mehr als vier Wochen dürfen Heimwerker und Hobbygärtner wieder einkaufen. Die Geschäfte haben vorgesorgt - ein Ansturm bleibt aber aus.

Von Carolin Fries

Das Gemüsebeet bestücken, den Balkon aufblühen lassen und den Rasen düngen: Blumen, Erde und Pflanzen scheinen die Menschen im Landkreis ganz besonders vermisst zu haben. Diese Dinge waren jedenfalls am Montag sehr gefragt in Baumärkten und Gärtnereien. Diese Geschäfte durften nach vier Wochen wieder öffnen - die erste Lockerung der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen in Bayern. Und auch eine Sehnsucht trieb die Menschen in die Läden, auch wenn viele mit Atemschutzmasken kamen: Endlich einmal wieder bummeln.

"Dafür lief es heute alles in sehr geordneten Bahnen", zog Karsten Weißenseel, Marktleiter des Starnberger Hagebaumarkts am Nachmittag Bilanz. Nach mehr als vier Wochen durfte er seine Filiale wieder öffnen, der große Ansturm sei allerdings ausgeblieben. Keine Schlangen am Eingang und an den Kassen. "Wir hatten in den sozialen Medien darum gebeten, nicht gleich am Montag zu kommen", sagt er. "Ich bin erstaunt und glücklich, wie vernünftig die Leute sind."

Natürlich hatten sich Weißenseel und sein Team diverse Maßnahmen überlegt, um die erforderlichen Hygienemaßnahmen umsetzen für die Wiedereröffnung erfüllen zu können. Dabei habe man das Augenmerk weniger auf die zulässige Zahl der Kunden gelegt, welche sich nach der Verkaufsfläche richtet. "Demnach dürften zeitgleich 320 Kunden gleichzeitig im Markt sein. Aber das ist viel zu viel." Entscheidend seien die Schlangen an den fünf Kassen: "Wären überall mehr als vier Personen angestanden, hätten wir regulierend eingreifen müssen", so der Marktleiter.

Ihn freut es, den Kunden nun wieder ein Einkaufserlebnis bieten zu können, während zuletzt nur auf Bestellung nach Hause geliefert wurde. "Der emotionale Nachholbedarf ist in jedem Fall groß. Die Leute wollen was fürs Herz." Er rechnet damit, dass der Andrang in den kommenden Tagen größer wird. Solange die Baumärkte nicht die neuen Freizeitparks werden, sei das auch in Ordnung. 100 Parkplätze sind vorhanden - "wenn aus jedem Fahrzeug zwei Personen steigen, passt es wunderbar".

Auch die Gautinger Gärtnerei Kiefl hatte sich vorbereitet, eigens einen Security- Mitarbeiter am Eingang positioniert. "Aber es war gar nicht so viel los", erzählt Klaus-Dieter Gruber, Leiter des Gartencenters. Kräuter und Gemüsepflanzen seien besonders nachgefragt, bereits seit Wochen, wie Gruber berichtet. Während der Filialschließung habe man bis zu 300 Bestellungen täglich abgearbeitet, diese mit zwölf Autos ausgefahren. Wie er sich die große Nachfrage erklärt? "Wenn man weniger wegfahren kann, will man es sich eben daheim im Garten und auf dem Balkon schön machen." Er ist erleichtert, dass das Geschäft nun wieder offen ist. "Wir haben definitiv das Beste aus der Situation gemacht", sagt Gruber. Und dennoch: Vom normalen Umsatz habe man mit den Lieferdiensten lediglich 30 Prozent geschafft.

© SZ vom 21.04.2020

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