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Investment in Springpferde:Reiten für Rendite

Aschering: Cavisto: Michael Krieg

Der ehemalige Banker Michael Krieg, dessen Portfolio aus jungen, talentierten Springpferden besteht, hat eine Art Investmentfonds aufgelegt.

(Foto: Nila Thiel)

Die Kriegs aus Aschering sind im Pferdesport eine große Nummer. Nun haben Michael und Andreas die Firma Cavisto gegründet, die mit Springpferden handelt und an der sich Anleger beteiligen können

Wenn Michael Krieg, 59, aus dem Fenster schaut, sieht er auf Ställe und auf Weiden. In der Umgebung seines Hauses in Aschering scheint es nur Reitställe und Pferde zu geben. Das trifft sich gut, denn eine bessere Umgebung kann man sich für den ehemaligen Banker und Unternehmensberater gar nicht vorstellen. Krieg stammt aus einer Familie, in der der Reitsport seit mehr als 30 Jahren im Mittelpunkt steht. Kriegs Bruder Andreas war auch auf internationalen Turnieren ein erfolgreicher Springreiter, Niklas Krieg, der Sohn von Andreas, hat ebenfalls schon Reitsportgeschichte geschrieben, in dem er überraschend die Goldmedaille bei den Europameisterschaften mit seinem Pferd "Carella" gewann. Natürlich reitet auch Leonie, die Schwester, die bei den Europameisterschaften die Bronze-Medaille holte. Man ist also gut dabei und kennt sich in der Branche aus.

Was lag da näher, all das Wissen um Springpferde, die Kontakte in der Branche und die Erfahrungen professionell zu vermarkten, zumal der Reitsport seit ein paar Jahren eine rasante Entwicklung durchmacht. Es gibt nicht nur mehr internationale Turniere wie die "Global Champions Tour", auch die Preisgelder und das Interesse in Ländern wie China und Japan sowie der arabische Raum haben zugenommen, was den Markt für Springpferde boomen lässt. Inzwischen werden für bekannte Top-Pferde bis zu 20 Millionen Dollar gezahlt, berichtet Michael Krieg. Mit seinem Bruder Andreas hat er die Firma "Cavisto" Anfang des Jahres gegründet, eine Idee, die die beiden seit zehn Jahren mit sich tragen. Ziel des Unternehmens ist es, talentierte Springpferde zu finden, diese zu fördern und auf der Reitanlage der Kriegs im Schwarzwald auszubilden, um sie später, nach etwa acht Jahren, wenn ihre sportliche Reife auf dem Höhepunkt steht, gewinnbringend zu verkaufen. Angestrebt wird ein Portfolio von anfangs fünf, später bis zu 15 Pferden, was das Risiko auch streuen soll. "Nicht alle Tiere werden es schaffen", glaubt Michael Krieg. Zwei Pferde sind es aktuell.

Da Springpferde, selbst in jungen Jahren, nicht gerade günstig sind, haben die Krieg-Brüder, die auch die Geschäftsführer von Cavisto sind, ein Geschäftsmodell nach dem Vorbild von Investmentfonds entwickelt. Das heißt: Jeder, der sein Geld anlegen will, ob großer Sponsor oder Privatmann, kann in die Firma beziehungsweise in die Pferde investieren. Zudem gibt es noch ein Crowdinvesting-System. Über die Online-Plattform Conda können Beträge von 100 bis 10 000 Euro angelegt werden. 70 000 Euro hat Krieg auf diese Weise bislang eingesammelt. Mit 100 000 Euro rechnet er.

Die größeren Summen sollen von sehr flüssigen Investoren kommen, Michael Krieg will hier seine Kontakte in die Finanzwelt nutzen. "Das Interesse ist da, auch bei Banken", weiß Michael Krieg. Sein Bruder Andreas pflegt hingegen seine engen Kontakte zu den Züchtern. Diese sind mittelfristig der Schlüssel zum Erfolg, weil talentierte Reitpferde schwer zu beurteilen sind. "Es ist schwierig zu sagen, ob Pferde Kampfgeist entwickeln werden", so Krieg. Zudem will man einen Pool mit jungen Reitern für die Sponsoren gründen, sodass diese nicht nur die Pferde kennenlernen können, sondern auch die Sportler. Eine jährliche Rendite von 4,5 Prozent verspricht Cavisto seinen Anlegern. Zudem erhalten große Sponsoren eine Gewinnbeteiligung bei erfolgreichem Verkauf eines Pferdes.

Natürlich bergen Investitionen dieser Art gewisse Risiken; andererseits sind die Renditemöglichkeiten hoch. Das Gleiche gilt aber auch für den Kunst- oder Oldtimermarkt. Immerhin wird Cavisto nach Angaben von Michael Krieg von der Finanzaufsicht Bafin kontrolliert.

© SZ vom 21.05.2016
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