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Artensterben:Die Bienen und der Klüngel

Achselschwang: Manfred Hederer Imker und Präsident DBIB

Weiß, wovon er spricht: Imker Manfred Hederer aus dem Uttinger Ortsteil Achselschwang bei der Kontrolle von Bienen und Waben.

(Foto: Nila Thiel)

Imker Manfred Hederer kritisiert bei einem CSU-Wahlkampfabend Verbände und Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Seine Lösung: ein Umdenken in der Landwirtschaft.

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

Bienenschädliche Pflanzenschutzmittel, mit Nervengift gebeiztes Saatgut, genveränderte Pflanzen, Blütenschwund durch intensive Bewirtschaftung der Felder, moderne und schnell arbeitende Mähmaschinen: Es gibt viele Ursachen für das Bienensterben. Sollte sich die Agrarpolitik nicht ändern, könnten die Bienen, die es seit nunmehr 110 Millionen Jahren gibt, bald aussterben, befürchtet Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs- Imker-Bundes (DBIB).

Der Berufsimker aus Utting ging am Donnerstag in Pöcking hart ins Gericht mit der Politik und forderte ein Umdenken in der Landwirtschaft. "Es wird gesprochen, gequakt und abgelenkt - und es passiert nichts", kritisierte er in seinem Vortrag zum Thema "Bienenpolitik - wo stehen wir und wie geht es weiter?", zu dem der CSU-Ortsverband eingeladen hatte. Neben Mitgliedern, Kommunalpolitikern und Landwirten waren auch Imker aus der Region gekommen.

"Wir müssen einen Weg finden, die bäuerliche Kulturlandschaft zu erhalten", sagte Hederer und forderte die Rückkehr zu kleineren, regionalen Strukturen. Denn es gehe nicht alleine um das Bienensterben. Es gehe um das Artensterben und um das Sterben der Pflanzen, wenn sie nicht mehr bestäubt werden. Dabei wolle er nicht die Landwirte kritisieren. Wie er betonte, nehmen die Bauern die Probleme nicht auf die leichte Schulter, aber es werde ihnen nicht die Wahrheit gesagt. Zudem stünden sie finanziell unter Druck und müssten zu viel Masse produzieren.

Der Grund, warum die Warnungen der Imker ignoriert werden, ist laut Hederer die Verquickung von Saatgutherstellern und Politik. Auch sei die Führungsriege in den Landwirtschaftsverbänden durchsetzt von Vertretern der Chemieindustrie. Schon beim Zulassungsverfahren von Saatgut oder Pflanzenschutzmitteln bleibe der Bienenschutz unberücksichtigt. Es werde viel gelogen und behauptet, dass problematische Mittel harmlos seien, erklärte er am Beispiel Glyphosat. "Sie wissen es alle - und dennoch kommt es zu keiner Reduktion von Pflanzenschutzmitteln", so der Vorsitzende.

Bei Futterpflanzen könnte auf Pflanzenschutzmittel ganz verzichtet werden. Genpflanzen werden seiner Meinung nach für eine gesunde Ernährung nicht benötigt. Und wenn der Staat nicht handle, müssten es die Verbraucher tun. Wie Hederer hervorhob, gibt es schon eine als bienenfreundlich zertifizierte Milch, allerdings nur als H- und nicht als Frischmilch. Auch auf "Bienenstrom" könne man umsteigen. Ein weiterer Tipp des Imkers: durch die Gemeinde gehen und prüfen, wo Grünflächen gespritzt und "zu Tode gepflegt" werden. Die Landwirte könnten laut Hederer außerdem bienenfreundliches Mähwerk anschaffen. Was nach Angaben eines Landwirts aber nur von zwei Prozent der Bauern genutzt wird, weil es wesentlich reparatur- und verschleißanfälliger sei. "Wir Landwirte stehen immer in der Kritik", resümierte die Maisinger Bäuerin und CSU-Gemeinderätin Margarete Kaspar. Egal was man mache, man stehe zwischen den Fronten. Um die Bienen zu schonen, habe ihre Familie versucht, nachts zu mähen, aber da hätte es Ärger mit den Anwohnern gegeben. Da ein Blumenfeld kein Geld bringe, versucht Kaspar, zumindest in ihrem Garten bienenfreundliche Blumen zu pflanzen.

© SZ vom 01.09.2018

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