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Artenschutz:Im Namen der Kiebitze

Der Kiebitz ist ein Bodenbrüter und gehört zu den bedrohten Arten.

(Foto: Hubert Schalle/BN)

Naturschützer drohen mit einer Klage, damit die gefährdeten Vögel weiter im Aubachtal brüten können. Ein Gespräch zwischen Landrat Stefan Frey und dem Pächter des Ackers brachte keinen Erfolg.

Von Christine Setzwein

Der Bund Naturschutz (BN) bleibt hartnäckig und will unbedingt erreichen, dass im Aubachtal in Hechendorf auch in Zukunft Kiebitze brüten können. Dafür will die BN-Kreisgruppe Starnberg notfalls auch vor Gericht ziehen, wie der Kreisvorsitzende Günter Schorn jetzt mitteilt.

Das leidige Thema beschäftigt Naturschützer, Behörden und den Landwirt, der den "Kiebitzacker" drei Jahre so bewirtschaftete, dass sich dort eine Population der geschützten Vögel ansiedelte. Was 2016 als "Leuchtturmprojekt" überregional Aufsehen erregt hatte, Fernsehsender und Schulklassen anzog, endete im Streit. Der Landwirt wollte nicht mehr mit den Naturschützern zusammenarbeiten und säte im vergangenen Herbst auf dem von ihm gepachteten Acker Wickroggen - der bis zu 80 Zentimeter hoch werden kann. Viel zu hoch für Kiebitze, die sich nur im offenen, flachen Gelände sicher fühlen. Er brauche Futter für seine Rinder und außerdem sei er nie richtig entschädigt worden für die Fläche, begründete der Landwirt sein Vorgehen.

Die Folge: Im Frühjahr 2020 sind laut BN von 13 Kiebitzen nur fünf übrig geblieben, von denen keiner mehr gebrütet habe. Das Landratsamt Starnberg schaltete sich ein ebenso wie die Regierung von Oberbayern. Sogar Landrat Stefan Frey (CSU) habe sich persönlich dafür eingesetzt, mit dem Pächter eine Lösung auf freiwilliger Basis zu finden. Im Juli habe ein Gespräch mit Vertretern der BN-Kreisgruppe, der Ortsgruppe Seefeld und Frey stattgefunden. Dabei sei der gemeinsame Wille deutlich geworden, den Kiebitz-Schutz in Hechendorf im kommenden Jahr sicherstellen zu wollen.

Offensichtlich erfolglos, wie die Naturschützer bedauern. "Der BN musste feststellen, dass auch der Landrat keine verbindliche Vereinbarung erzielen konnte", heißt es in einer Mitteilung. Am Geld könne es nicht liegen, denn die Landwirte würden mit staatlichen Ausgleichszahlungen entschädigt", so Schorn. Das sei auch richtig so, "denn Artenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe".

Im kommenden Jahr sei wiederum ein erneuter Brutausfall wahrscheinlich, denn die Wintersaat mit Triticale sowie einzelne Brache-Löcher seien für ein erfolgreiches Kiebitz-Brutgeschäft nicht geeignet, befürchtet der BN-Kreisvorsitzende. Dennoch halte das Landratsamt diese Art der Bewirtschaftung für ausreichend und riskiere damit wieder einen Umweltschaden.

Seefeld: Aubachtal mit Blick auf Seefeld

Das Aubachtal ist Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten. Auch eine Kiebitz-Kolonie hat sich hier für kurze Zeit angesiedelt.

(Foto: Nila Thiel)

Die Naturschützer mussten handeln und stellten Anträge auf Bewirtschaftungsvorgaben an das Landratsamt Starnberg sowie auf Sanierung nach dem Umweltschadensgesetz an die Regierung von Oberbayern. Günter Schorn erklärt: "Damit soll eine fachgerechte Bewirtschaftung sichergestellt werden, um einen weiteren Brutausfall der Kiebitze im Aubachtal zu verhindern. Wenn wir Artenschutz ernst nehmen und das Aussterben der Kiebitze verhindern wollen, ist es jetzt an der Zeit zu handeln", fordert Schorn. "Notfalls werden wir den Rechtsweg bestreiten."

In den vergangenen drei Jahren sind im Brutgebiet unterhalb des S-Bahnhofs Hechendorf etwa 20 Kiebitz-Küken geschlüpft und flügge geworden.

© SZ vom 25.09.2020
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