Archäologie Erlebbare Geschichte

Eine Ausstellung zeigt "Bodenschätze" in 31 Gemeinden

Von Florian J. Haamann, Gauting/Gilching

Vorbildlich, spannend, innovativ. So lässt sich die Ausstellung "Bodenschätze" zusammenfassen, an der der Historische Verein Fürstenfeldbruck in unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit seit mehr als einem Jahr gearbeitet hat. 31 Exponate sind über die Landkreise Fürstenfeldbruck und Starnberg verteilt zu sehen, jeweils dort, wo sie gefunden wurden. Sie umspannen die Zeit von der Frühgeschichte bis zum Mittelalter. Somit wird die Geschichte dort erlebbar gemacht, wo sie passiert ist.

Das, so die Hoffnung der Organisatoren, prägt sich viel besser ein, als ein Exponat in einem Museum. Um den Besuchern die Faszination der Archäologie, die für manch einen auf den ersten Blick nicht das attraktivste Thema ist, näher zu bringen, werden zu jedem Fund nicht nur die historischen Daten präsentiert, sondern auch die Geschichte, die er über den Ort erzählt.

In Gauting etwa ist in der Kreissparkasse ein seltener, römischer Augensalbenstempel zu sehen, der 2003 in der Reismühler Straße gefunden worden ist. Von dem etwa vier auf vier Zentimeter großen Instrument sind nördlich der Alpen bislang nur vier Exemplare entdeckt worden. Augenärzte stempelten damit die Namen von Kräuterheilsalben in die noch weiche Masse. Die Patienten wussten dann zu Hause, welche Salbe sie in Öl auflösen und auftragen sollten. Diese und andere spannende Erkenntnisse berichtet der Vorsitzende der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte, Karl Ludwig Hebler, bei der Eröffnung am Dienstag, 14 Uhr. Im Gilchinger Rathaus zeigt der Verein Zeitreise Gilching einen Radanhänger aus der Bronzezeit.

Die Ausstellungsorte in öffentlichen Gebäuden spielen eine wichtige Rolle. Die Vorsitzende des Historischen Vereins, Ulrike Bergheim, sagt: "Ins Museum gehen die Leute leider eher selten. Aber zur Bank geht jeder mal. Da wir uns gesagt haben, dass wir raus müssen zu den Leuten, passt das wunderbar zusammen." Den Gedanken des "Rausgehens" würdigt auch Walter Irlinger vom Landesamt für Denkmalpflege. Er war von Anfang an in das Projekt involviert und hat den Verein bei der Umsetzung unterstützt: "Die Idee einer dezentralen Ausstellung ist ein ganz neuer Weg, der das Ganze extrem spannend macht. So wird eine Verbundenheit der örtlichen Bevölkerung mit ihren Bodendenkmäler geschaffen." Selbst ein Tierknochen sei interessant, wenn man um ihn herum eine Geschichte erzählen könne, die etwas mit dem Ort zu tun hat. Und so hat das Landesamt die Ausstellung in sein Projekt "Archäologie und Ehrenamt" aufgenommen, mit dem seit Jahren genau solche Ideen unterstützt werden. Die Ausstellung des Historischen Vereins, die etwas bayernweit bisher Einmaliges darstelle, könne als Model für andere Regionen dienen.

Alle Ausstellungsorte im Internet unter www.historischer-verein-ffb.de. Zu empfehlen ist der gelungene Katalog. Von 9. September an sind alle Exponate gesammelt im Brucker Landratsamt zu sehen.