Gastronomie in Tutzing Neuer Andechser Hof geplant

Ein modernes Wirtshaus samt großem Saal, Biergarten und Wohnungen soll Tutzings ältestes Lokal ersetzen. Die Gemeinderäte sind angetan von den Plänen, der Tourismusverein moniert das Fehlen von Hotelbetten.

Von Manuela Warkocz

Für den Andechser Hof im Herzen Tutzings zeichnet sich ein vielversprechender Neubeginn ab. Die traditionsreiche Gaststätte samt Nebengebäuden soll abgerissen werden. An ihre Stelle tritt ein Neubau mit ähnlichem Antlitz. Er soll von der Hauptstraße zurückversetzt und mit einem Quergebäude versehen werden, das davor einen geschützten Platz für einen großen Biergarten bietet. Ein Saal und ein kleiner Tagungsraum werden integriert. Im Ober- und Dachgeschoss sowie in einem Rückgebäude sollen Wohnungen sowie Büro- und Praxisräume entstehen. Untendrunter ist eine Tiefgarage geplant. Dieser Vorschlag von Ortsplaner Professor Florian Burgstaller, der gemeinsam mit der Gemeinde und den Eigentümern des Andechser Hofs entwickelt wurde, kam am Dienstag im Bauausschuss gut an.

Mehr als 20 Tutzinger verfolgten interessiert die öffentliche Vorstellung der Pläne. Auch Gemeinderat Georg Schuster (ÖDP) gehörte in dem Fall zu den Zuhörern - er und sein Frau haben den Andechser Hof 2018 vom Kloster Andechs gekauft, als Eigentümer darf der Gemeinderat im Gremium nicht mitdiskutieren. Im Ort wünschen sich viele, dass in die seit Januar 2012 geschlossene Gaststätte endlich wieder Leben kommt. Im Jahr 2015 unterschrieben 2350 Tutzinger - also fast jeder Vierte - eine entsprechende Petition. "Der Andechser Hof ist etwas, was alle im Ort angeht", unterstrich am Dienstag eingangs auch Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler). Und fügte hoffnungsvoll hinzu: "Ich denke, wir sind auf einem guten Weg."

So stellt sich Architekt Florian Burgstaller den neuen Andechser Hof in Tutzing vor. Skizze: Burgstaller

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Architekt Burgstaller verdeutlichte, dass der Andechser Hof - sein Ursprung geht auf das Jahr 1865 zurück - das Ortsbild von Tutzing prägt. In seiner jetzigen Form und Aufteilung sei das Gebäude aber nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Deshalb spreche man nicht mehr über Erhalt, sondern über Neubau. Im Erscheinungsbild soll der Gasthof dem bisherigen Gebäude gleichen und lediglich 80 Zentimeter höher werden. Er bietet aber diverse Vorteile. Der Neubau soll in L-Form entstehen, wobei der Anbau parallel zur Hauptstraße ein gutes Stück nach hinten abgerückt wird. Davor ist ein Biergarten mit 240 Sitzplätzen und einem Pavillon, eventuell als Ausschank, geplant. Der Querriegel schirmt Biergarten- und Straßenlärm vom hinteren Grundstücksbereich ab, auf dem teilweise Wohnungen vorgesehen sind. Damit will man Klagen künftiger Bewohner wegen Lärmimmissionen die Grundlage entziehen. Das Hauptgebäude bietet im Erdgeschoss für Gastronomie einen 204 Quadratmeter großen Hauptraum und einen 85 Quadratmeter großen Nebenraum mit insgesamt 120 Plätzen. Im variablen Saal finden bestuhlt bis zu 160 Gäste Platz. Die Gastrofläche soll 510 Quadratmeter umfassen. Oben ist an Personalwohnungen gedacht. Im Nebengebäude möchte das Eigentümerehepaar eine Wohnung für sich. Die Gesamtfläche mit Haupt- und Nebengebäude beläuft sich insgesamt auf 2089 Quadratmeter.

"Der erste Eindruck ist sehr gut", fasste Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste) zusammen. Toni Aigner (FW) freut sich über den Saal: "Wir haben gar nicht zu hoffen gewagt, dass der entsteht." Auch aus der CSU kam Zustimmung, vor allem, weil der Biergarten samt Kastanien erhalten werde. "Wenn das bei früheren Plänen schon so gewesen wäre, wären wir mit Freuden aufgesprungen", sagte Peter Stich. Freilich steht die neue Planung noch am Anfang. Die Arbeitsgemeinschaft Andreas Büscher/Florian Burgstaller soll sie im Bebauungsplan weiterentwickeln. Einstimmig votierte der Gemeinderat auch für einen städtebaulichen Vertrag.

Der alte Andechser Hof steht seit Jahren leer. Nun soll das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

(Foto: Nila Thiel)

Verhaltener reagierte die Vorsitzende des Tutzinger Fördervereins für Tourismus. Kristina Danschacher hatte die Unterschriftenaktion initiiert. "Die Planung ist ansprechend, aber nicht zielführend", sagte sie der SZ. Sie sehe nur Wohnungen, aber kein Hotelbett. Ihre Hoffnung war, dass Tutzing sich mit einer Neuauflage der früheren Fremdenzimmer im Andechser Hof besser als Tourismusort positioniert.