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Andechs:Stopp mit Blick auf den Heiligen Berg

Nadine und Dominic Cloudt betreiben den Wohnmobilstellplatz am Fuße des Heiligen Bergs in Andechs. Drei Jahre ist die Anlage nun alt, jetzt wird sie ausgezeichnet.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Wohnmobilstellplatz am Fuße des Klosters Andechs ist der einzige im Fünfseenland. Die Anlage ist jetzt in einem Reisemagazin ausgezeichnet worden

Keine Viertelstunde nach Ankunft sitzen Antje Wischhöfer und ihr Mann Willy neben ihrem Wohnmobil und lassen sich das Weißbier schmecken. Die Sonne sendet erste wärmende Strahlen, der Föhn hat die noch weiß verschneiten Alpen scheinbar direkt hinter den Andechser Klosterberg gerückt. Davon sehen die aus Hamburg stammenden Urlauber allerdings nichts. Sie sind mit dem malerischen Anblick des Klosters vollauf zufrieden. Der Wohnmobilstellplatz am Rande des Andechser Großparkplatzes ist ihr zweiter Stopp auf dem Weg in den Süden. Drei Wochen Zeit hat sich das Ehepaar im Vorruhestand genommen um Bayern und Österreich zu erkunden. Andechs fuhren sie gezielt an. "Wegen des Andechser Biers," sagt Willy Wischhöfer, "das ist auch bei uns bekannt." Das Weißbier in seinem Glas ist allerdings noch gar kein Andechser Bier. "Außerdem haben wir schon ein paarmal gelesen, dass es hier direkt diesen Stellplatz gibt." Antje Wischhöfer holt ihren Wohnmobilatlas aus dem Wagen und tippt auf die kleine Anzeige.

Von den Lesern des Reisemagazins Promobil wurde der Andechser Stellplatz gerade auf Platz drei der beliebtesten Stellplätze in seiner Kategorie gewählt. An der Wahl beteiligt waren laut Dominic Cloudt mehr als 3000 Camper.

Erst vor drei Jahren eröffnete Cloudt den Wohnmobilstellplatz direkt neben dem Großparkplatz von Kloster Andechs. Doch eigentlich war er mit seinen 40 Stellplätzen vom ersten Tag an zu klein. Der Platz erfreut sich seit der Eröffnung im April 2015 regen Interesses. "Der Andechser Parkplatz wurde schon immer gern von Camper angefahren", erzählt Cloudt und anfangs gab es von einigen Gewohnheitsparkern, die gerne Bier und mobiles Bett kombinierten, durchaus erboste Briefe, warum sie nun auf einmal 12 Euro pro Parken zahlen sollten. Die Antwort hat Cloudt aber gleich parat: "Weil wir mit dem Wohnmobilstellplatz dafür gesorgt haben, dass kein Müll mehr in die Büsche geworfen wird und auch das Abwasser der Campmobile ordentlich entsorgt wird."

Die Idee zum Ausbau des Wohnmobilstellplatzes stammt denn auch nicht von der Klosterleitung sondern von Cloudt selber, der vor drei Jahren die Gelegenheit erkannte. Mit gerade einmal 24 Jahren und aber Campingerfahrung von Kindesbeinen an, wurde er mit dem Konzept bei der Klosterleitung vorstellig und stieß auf offene Ohren. "Zugegeben", erzählt der Marketingfachmann einer Cocktailbarkette, "ich suchte dringend Abwechslung zu meinem Bürojob." Und so setzte sich Cloudt selber auf den Bagger und begann, nachdem der Pachtvertrag unterschrieben war, mit viel Eigenleistung und Herzblut den Andechser Wohnmobilstellplatz herzurichten. Besonders wichtig war ihm eine professionelle Entsorgungsstation für das Schmutzwasser. Für den Laien sieht die ziemlich unspektakulär aus. Wohnmobilprofi Wischhöfer lobt die Anlage aber. Überhaupt sei der Platz "gut gemacht" nur die Ausschilderung könnte besser sein. Das Problem sieht Cloudt aber nicht. Das Kloster sei nun wirklich aus allen Himmelsrichtungen gut ausgeschildert, da bräuchte es keine zusätzliche Beschilderung des Stellplatzes. Und die Zahl seiner Besucher gibt ihm Recht. Bereits in der ersten Saison zählt Cloudt, der den Platz zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau Nadine betreibt, rund 3000 Fahrzeuge. Mittlerweile ist die Zahl auf mehr als 5000 im Jahr gestiegen. Das deckt sich mit dem generellen Trend zum Campen. Die Branche wuchs in den vergangenen Jahren signifikant.

Offiziell beginnt die Saison mit den Osterferien. Doch der Andechser Stellplatz, übrigens der einzige im Fünfseenland, wie Cloudt betont, steht das ganze Jahr zur Verfügung und kann auch 24 Stunden am Tag angefahren werden. Am ersten Februarwochenende fand bereits ein Treffen von mehr als 20 VW-Bussen statt. Besonders voll wird es an verlängerten Wochenenden wie Christi Himmelfahrt oder zum Andechser Familientag im Oktober. "Da sind die offiziellen Plätze schnell weg, aber wir versuchen alle Gäste mit Strom zu versorgen." In jedem Fall muss jeder ein Camperticket ziehen. Das kostet 12 € ohne und 15 € mit Strom. Darin enthalten ist auch ein Verzehrgutschein von 3,30 € für das Bräustüberl.

Wie er sich das erklärt, dass die Leute so gerne am Rande eines Großparklatzes stehen? Zum einen natürlich mit dem Biergarten am Klosterberg, meint Cloudt, der sich zum Gespräch im Klosterstüberl ein Andechser Hell gönnt. "Und wer einen Platz direkt an der großen Wiese ergattert und dort Tisch und Liege aufbaut, der sitzt schöner als auf vielen Campingplätzen." Den Rasen neben dem Platz, der noch zum Stellplatz gehört mäht Cloudt im übrigen im Sommer alle paar Tage höchstpersönlich und zwar mit einem handelsüblichen Gartenrasenmäher. Überhaupt kümmert er sich viel und gerne. Am Wochenende gibt es frische Semmel frei Wohnmobil und am Sonntag nach Ostern gibt es eine Wohnmobilsegnung, die der Andechser Pater Lukas vornimmt. Wenn man Dominic Cloudt so zuhört, dann gibt es doch einige Gründe am Rand eines Großparklatzes zu campen.

Antje und Willy Wischhöfer machen sich, nachdem ihre Weissbiergläser geleert sind auf den Weg hinauf zum Bräustüberl. Sie wollen unbedingt die Andechser Biere probieren. Weiterfahren werden sie in jedem Fall erst morgen, wenn das Bier besonders gut schmeckt vielleicht erst übermorgen.