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Andechs:Spielen in frischer Luft

Die Brotzeit ist immer dabei, wenn die Kinder eines Waldkindergartens ins Freie schwärmen.

(Foto: oh)

In Machtlfing soll im Herbst ein Waldkindergarten den Betrieb aufnehmen

Von Ute Pröttel, Andechs

Matschhose an und ab in den Wald! Die Brotzeit ist im Bollerwagen dabei, es wird geschnitzt, auf Baumstümpfen sitzend gesungen und gespielt oder zwischen den Bäumen eine Seilbrücke geflochten, an der geklettert werden kann. Waldkindergarten findet in freier Natur statt. Die Kinder verbringen den Großteil der Zeit an der frischen Luft, im Sommer wie im Winter. Mal ist ein Musikpädagoge mit dabei, mal kommt der Jäger und deutet Tierspuren. Hört sich nach freier, glücklicher Kindheit an. Das Angebot an Kindergartenplätzen in der Gemeinde Andechs wird von September an um eine Waldkindergartengruppe in Machtlfing ergänzt. Unter Hochdruck bemüht sich Bürgermeisterin Anna Neppel derzeit, den Weg für das Projekt zu ebnen. Die Trägerschaft für die neue Kindergartengruppe wird die Waldpädagogin Ramona Marx übernehmen. Sie leitet seit sieben Jahren einen Waldkindergarten mit zwei Gruppen in Neuried. Jetzt stellte sie ihr Konzept im Gemeinderat vor.

Südlich von Machtlfing In der Au soll die neue Kindergartengruppe Quartier beziehen. Das Gelände besteht aus Wald und Wiese. Mit dem Grundstückseigentümer ist man sich bereits einig. Sogar ein Tippi-Zelt darf aufgestellt werden. Dazu kommen ein oder zwei Bauwagen, in denen Material untergebracht ist und die Kinder sich auch mal zurückziehen können sowie eine Komposttoilette. Für Tage mit besonders garstiger Witterung muss allerdings ein wetterfester Sturmraum bereitstehen, in der sich die Kindergartengruppe treffen kann. Dafür eignet sich in Machtlfing der Raum der Theaterfreunde, der auch sämtliche rechtlichen Voraussetzungen wie Küche, sanitäre Anlagen und zweiten Rettungsweg erfüllt.

Aktuell fehlen in der Gemeinde gut 25 Kindergartenplätze. Mit der neuen Gruppe könnten Plätze für 20 bis 22 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren geschaffen werden. 23 Anmeldungen liegen im Rathaus bereits vor. Der Waldkindergarten rundet das Angebot von Krippenplatz über Regelkindergarten oder kirchlichen Kindergarten weiter ab. Gemeinderat Georg Scheitz (CSU) stellte die Gretchenfrage nach dem Personal. Ramona Marx kalkuliert mit drei Erzieherinnen, zwei Frauen haben sich bei ihr für die Gruppe in Machtlfing bereits beworben. "Wer einmal Waldpädagogik gemacht hat, will in der Regel nicht mehr weg", ist ihre Erfahrung. Im zweiten Jahr könnte auch an eine Erweiterung um eine weitere Gruppe gedacht werden. Die Gemeinderäte sprachen sich gegen die Stimme von Solveig Groß (SPD) für das Konzept aus und genehmigten die Kostenübernahme für die Erstausstattung sowie für Betriebskosten, die nicht durch die Elternbeiträge gedeckt sein werden. Ein erster Elternabend soll am 1. Juni stattfinden. Die Einführung von einkommensabhängigen Elternbeiträgen in allen Kindergärten der Gemeinde lehnte das Gremium ab. Sie gingen einher mit einem hohen Verwaltungsaufwand für die Prüfung der Einkommen. Mindereinnahmen, die den einzelnen Trägern aus der Beitragsstaffelung entstehen, müssten dann von der Gemeinde ausgeglichen werden.

© SZ vom 17.05.2016

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