bedeckt München

Andechs:Mit dem Segen der Gemeinde

Andechs stimmt Erweiterung der Molkerei Scheitz zu - die Bedenken des Klosters bleiben.

Blanche Mamer

Andechs- Der Bebauungsplan "Sondergebiet Andechser Molkerei Scheitz" steht. Der Andechser Gemeinderat hat am Dienstag nicht nur den Satzungsbeschluss gefasst, sondern auch gleich über den städtebaulichen Vertrag abgestimmt. Damit rückt die Erweiterung der Bio-Molkerei nach fast zwölf Jahren Planung, Umplanung und Hickhack mit dem Kloster Andechs und dem Denkmalamt in greifbare Nähe. "Wir sind jetzt erst mal sehr erleichtert", sagte Molkerei-Chefin Barbara Scheitz am Mittwoch. Der eindeutige Beschluss zeige, dass der Gemeinderat hinter der Erweiterung des Molkereibetriebs stehe. "Ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt und dass wir wie geplant, Schritt für Schritt, eine Baumaßnahme nach der anderen starten können", sagte sie.

Wider Erwarten fielen alle Einzelabstimmungen im Gemeinderat einstimmig aus. Bei der Schlussabstimmung sprachen sich Karl Strauß (SPD) und Gertraud Daenell (Bürgergruppe) gegen den Plan aus, mit der ausdrücklichen Begründung, dass ihnen nicht das Hochregallager, sondern der geplante Turm im Hundertwasser-Stil missfalle. Es war das Hochregallager, das in den vergangenen Wochen verstärkt in der Kritik war. Von einer möglichen Fremdnutzung war die Rede, von Untervermietung und von einer gemeinsamen Nutzung durch den französischen Großkonzern Biograin, der an der Andechser Molkerei Scheitz mit 25 Prozent beteiligt ist. Dem trat Bürgermeisterin Anna Neppel entschieden entgegen. Sie betonte, es gehe um das Sondergebiet Molkerei Scheitz, und damit sei der Zweck klar festgelegt. "Es ist alles genau aufgelistet, dieses Sondergebiet ist an die Verarbeitung von Milchprodukten gebunden."

Zur viel diskutierten Höhe der Gebäude erläuterte Bauamtsleiter Siegfried Wirkner, die Dachkante des Hochregellagers liege bei 688,11 Meter über Normalnull. Der Turm der Erlinger Pfarrkirche St. Vitus messe 717,80 Meter über NN. Und die Spitze des Klosterturms erreiche 766,55 Meter. Auf Grund der Differenz von 29,69 Meter zur Pfarrkirche und 78,44 Meter zur Klosterkirche gebe es keine Störung der Blickbeziehung. Er wies zudem darauf hin, dass die Höhe des Turms am Verwaltungsgebäude der Molkerei bereits 2010 vom 36 auf 20 Meter reduziert wurde, so dass der Rundbau im Hundertwasser-Stil keine Konkurrenz zu den Türmen von Kloster und Pfarrkirche bilde. Das Kloster auf dem bestehenden Höhenrücken "in seiner, die Landschaft beherrschenden Stellung, bleibt in seiner spezifisch katholischen Prägung unangetastet". Die Höhenentwicklung der geplanten Bauten sei zudem durch ein Phantomgerüst und Kräne dargestellt worden.

"Wir sind uns bewusst, dass das Ortsbild nachhaltig geprägt wird, dies jedoch vertretbar ist", sagte Christine Hirschberger (BG) und setzte diese Formulierung auch für die Abwägung durch. Sie wehrte sich indes vehement gegen den Vorwurf, der Gemeinderat komme seinen Aufgaben nicht nach. "Es ist kränkend, dass man sich immer als Deppen dargestellt sieht", sagte sie und betonte, die Gemeinderäte hätten sich ihre Entscheidung gut überlegt. Der städtebauliche Vertragsentwurf von Rechtsanwalt Herbert Kaltenegger (Kanzlei Labbé), der zunächst nichtöffentlich besprochen werden sollte, wurde dann doch als öffentlicher Tagesordnungspunkt einstimmig befürwortet.

Ob nun in Andechs Ruhe einkehrt oder doch noch eine Normenkontroll- oder Popularklage droht, ist nicht so ganz klar und hängt wohl vom weiteren Vorgehen der Mönche ab. "Unsere Bedenken bleiben bestehen", lautete gestern die dürftige Auskunft des Klostersprechers Martin Glaab.

© SZ vom 18.10.2012
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema