Kloster Andechs Das erwartet die Gäste künftig auf dem Heiligen Berg

Manfred Heissig (li.) und Ralf Sanktjohanser kredenzen ihren Gästen das Bier künftig mitten in der Wirtsstube.

(Foto: Arlet Ulfers)

Nach drei Sanierungsmonaten wird der Klostergasthof Mitte April wieder unter neuer Leitung eröffnet. Das Kloster hat in das Gebäude 1,2 Millionen Euro investiert.

Von Astrid Becker

Noch liegt der Eingangsbereich des Klostergasthofs Andechs hinter einem Bauzaun verborgen. Einige Transporter von Firmen aus der Gegend haben davor geparkt, ein Maurer ist darunter, ein Unternehmen, das sich auf Brandschutz spezialisiert hat und auch ein "Objekteinrichter". Ein Mann im grauen Handwerkeroutfit schleppt einen schweren Sack mit Farbe oder Fugendichte ins Innere. Wieder ein anderer pinselt in einem Eck herum. An der Generalsanierung der Traditionsgaststätte auf dem Heiligen Berg wird unter Hochdruck gearbeitet, denn Mitte April wollen die neuen Pächter Manfred Heissig und Ralf Sanktjohanser die ersten Gäste im neuen Klostergasthof verköstigen. Etwa einen Monat später soll das Lokal offiziell auch mit Abt Johannes Eckert Eröffnung feiern - pünktlich zum Start der Pilgersaison, die alljährlich etwa eine Million Menschen auf den Heiligen Berg lockt.

Noch ist vom zu erwartenden Ansturm aber nichts zu spüren. Ein paar wenige Menschen spazieren an diesem Vormittag am Gasthof vorbei: "Die haben immer noch nicht aufgesperrt, schade", sagen sie. Neugier auf die Neuerungen im Klostergasthof scheint also bereits zu bestehen - nachdem Wirt Alexander Urban nach fast 25 Jahren zum Jahresende den Heiligen Berg verlassen hat. Von 2. Januar an wurde nun an der Sanierung und Renovierung des teilweise denkmalgeschützten Hauses gearbeitet, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Eine halbe Million Euro wollte das Kloster nach Aussagen ihres kaufmännischen Leiters, Christian Rieger, ursprünglich für die Renovierung investieren. "Am Ende werden es jetzt wohl etwa 1,2 Millionen Euro sein", schätzt Rieger beim Rundgang mit der Presse durch die Gaststätte. Die Wirte haben eigenen Aussagen zufolge zusätzlich noch selbst eine halbe Million Euro in ihr neues Objekt gesteckt.

Einiges ändert sich im historischen Gasthof - hier in einer Ansicht aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Kloster Andechs

(Foto: Kloster Andechs/oh)

Wer die Wirtsstube hinter dem Eingang betritt, merkt schnell, dass sich hier einiges verändert hat. Das Erste, das ins Auge sticht, ist die neue Schenke, die nun in den Raum ragt. Das Thema Bier für den Gast erlebbarer zu machen, das sei das Ziel gewesen, erklärt Rieger. Dafür wurde die Wand nach hinten hin geöffnet, ein alter, bislang hinter Mauerwerk versteckter Gewölbebogen dafür wieder freigelegt. Technisch ist hier alles erneuert worden, die Schankanlagen, die Kühltechnik, die Geräte. Ehemalige Stammgäste müssen sich aber nicht fürchten, ihre Wirtschaft nicht mehr wiederzuerkennen: Die Holzvertäfelung an der Wand ist geblieben, auch an deren Patina, "die Geschichte erzählt", wie Rieger sagt, wurde nicht Hand angelegt. Dennoch wirkt der Raum ohne die einstige Deko schon jetzt etwas lichter, heller, freundlicher. Dabei fehlen noch Bilder an den Wänden: Sie sollen alle Bezug auf den Heiligen Berg nehmen, sagen die neuen Wirte Ralf Sanktjohanser und Manfred Heissig. Zum Beispiel historische Ansichten des Klosters zeigen, der Brauerei, des Gasthofs.

(Foto: Arlet Ulfers)

Mit einer neuen Lüftung ausgestattet und renoviert wird sich auch das Marienstüberl zeigen: Ein mehrere Jahrhunderte alter Raum mit einem eindrucksvollen Gewölbe, in dem laut Sanktjohanser einst ein Kuhstall mit anschließender Metzgerei untergebracht gewesen sein soll. Dieser Raum soll künftig für Veranstaltungen mit bis zu 20 Gästen oder aber auch für Bierverkostungen zur Verfügung stehen. Die Sitzbank, die sich einst dort befand, ist entfernt worden, um eine "flexiblere Bestuhlung" zu gewährleisten, wie die Wirte sagen.

Pächter und Küchenchef Manfred Heissig in seinem komplett erneuerten Reich.

(Foto: Arlet Ulfers)

Auch in der Küche ist nichts geblieben, wie es war: "Sie ist zu 99 Prozent neu", sagt Heissig, der selbst Köche ausbildet und für die kulinarische Seite des Hauses zuständig ist, während sein Geschäftspartner Sanktjohanser die Rolle des Gastgebers übernehmen wird.

Die Sanitäranlagen wurden renoviert und auch bereits am Festsaal, der alten Bezeichnungen zufolge nun wieder Gartensaal heißen wird, wurde kräftig gearbeitet. Eine neue Lüftung und Heizung hat er bereits bekommen: "Wir haben aber noch mehr vor und werden am Saal Anfang 2020 weiter arbeiten", so Sanktjohanser.

(Foto: Arlet Ulfers)

Viel Geld ist auch in Technik geflossen, die der Gast nicht sieht: "Allein eine neue Küche bringt das schon mit sich", sagt Rieger. So wurden im gesamten Klostergasthof 400 Meter Rohrleitungen verlegt, sechs Kilometer Stromleitungen und 1800 Meter Leitungen, die beispielsweise auch für die Brandmeldeanlage nötig geworden sind, wie Bauingenieur Karl-Heinz-Kieltsch erklärt, während im Garten bereits 20 Küchenhilfen und Servicekräfte vom in der Branche bekannten Motivationstrainer Franz Simmeth auf ihre neuen Aufgaben am Heiligen Berg eingestimmt werden. "Der Flow muss stimmen", ist dabei zu vernehmen. Das klingt professionell, aber auch ambitioniert: Denn die meisten Gastronomen im Landkreis klagen über ihre Schwierigkeiten, Personal zu finden. Die beiden Wirte beteuern, bewusst andere Wege zu gehen: Ihr Team zu motivieren, gut zu behandeln und sogar ein bisschen mehr zu bezahlen. Guter Service ist für sie das "Herz", wie sie sagen, aber auch die Existenz. Denn ihre Investitionen wollen sie nicht durch höhere Preise als beim Vorgänger wieder hereinholen, sondern durch "Frequenz". So soll der Schweinekrustenbraten 16,50 Euro kosten, Boeuf a la Mode 22,50 Euro, rosa gebratener Tafelspitz 23,50 Euro, eine Halbe Bier aus der Klosterbrauerei gibt es zwischen 4,30 und 4,90 Euro. Günstiger als früher wird es also wirklich nicht, dafür versprechen die Wirte aber auch entsprechende Qualität bei den verwendeten Zutaten: Vieles davon soll aus der Region kommen, vom Metzger Christian Haller aus Murnau zum Beispiel. Das Brot liefert die ortsansässigen Bäckerei Benedikter und die Milch die Andechser Molkerei Scheitz.

Sie sind stolz darauf, dass sie die aufwendige Sanierung in nur einem Vierteljahr bewältigt haben: (v.li.) die Pächter Manfred Heissig und Ralf Sanktjohanser, sowie Joachim Billinger, Karl-Heinz Kieltsch (Ingenieure) und der kaufmännische Leiter der Klosterbetriebe, Christian Rieger.

(Foto: Arlet Ulfers)

Letzteres dürfte für viele die größte Überraschung sein. Kloster und Molkerei hatten einst zusammengearbeitet, dann aber viele Jahre lang erbittert vor Gericht unter anderem um Markenrechte gestritten. "Scheitz ist die Entscheidung der Pächter gewesen", sagt Klostersprecher Martin Glaab, und ein wenig klingt das fast so, als ob eine neue Ära auf dem Heiligen Berg anbreche. Für die neuen Wirte, die Mitte April ihren Gasthof für die ersten Gäste öffnen wollen, gilt dies ohnehin auf jeden Fall.