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Ortsgeschichte:Die verlorenen Hausnamen von Andechs

Neue Hausschilder für Erling

Robert Klier vor dem Anwesen in Erling, das den Hausnamen Schusterveitl trägt. Ein Schild an der Wand erinnert daran.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Auf den Spuren von Schusterveitl und Klosterschmied: Der Erlinger Heimatverein erforscht die Herkunft alter Hausnamen.

Beim Erforschen alter Hausnamen tauchen oft viele interessante Details der Dorfgeschichte auf. Das zeigt ein Projekt des Erlinger Heimatvereins. Robert Klier und Helmut Schwab, der Sammlungswart und der Schriftführer, beschäftigen sich gerade systematisch mit Bezeichnungen aus den vergangenen Jahrhunderten und machen dabei so manche Entdeckung. Zum Beispiel das Haus von Kliers Schwiegervater, das viel älter ist, als bisher bekannt war.

Wie sich herausstellte, ist es schon weit mehr als 300 Jahre alt. Erstmals erwähnt wurde das Haus mit dem Namen Schusterjörgl 1628. So steht es im Kirchenboten. Besitzer dieses Hauses waren demnach zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges Georg und Anna Jocham. Dieser Georg Jocham war Sattler des Klosters und Brunnenmeister. Ein Nachfahre war Schuster und gab dem Haus den Namen beim "Schusterjörgel".

In akribischer Kleinarbeit hat der Andechser Pater Pius die Geschichten vieler Häuser in Erling mit Hilfe der alten Kirchenregister recherchiert und in den Jahren von 1930 bis 1934 als Serie im Kirchenboten veröffentlicht. Ein wertvoller Fundus für den Heimatverein. Schon lange beschäftigte sich der Vorsitzende Karl Strauß damit herauszufinden welches Haus welchen Namen in Erling trug und ob die alten Anwesen noch stehen oder längst abgerissen sind. Er lebt mit seiner Familie im Haus Zimmergratz, das 1738 vom Zimmerer Pangratz Steigenberger erbaut wurde.

In diesem Jahr feiert der Heimatverein sein 40-jähriges Bestehen und nimmt das zum Anlass für ein besonderes Projekt: möglichst viele Erlinger Häuser mit historischen Namenstafeln zu versehen. Klier und Schwab haben eine alte Karte von 1809 eingescannt und eine Liste der eingezeichneten Häuser angelegt. Es waren annähernd hundert. In vielen Stunden glichen sie diese dann mit den Informationen aus dem Kirchenboten ab und zogen auch Auszüge aus dem Grundsteuer-Kataster und dem königlichen Rentamt Starnberg hinzu. "Dieses Forschen in der Ortsgeschichte ist fast wie eine Sucht", sagt Klier. "Besonders spannend ist es natürlich, wenn man selber in so einem alten Haus lebt." Nicht selten wurde mehr als ein Name für ein Haus identifiziert. So wurde das Haus von Klier oder richtiger das Haus der Familie seiner Frau erst als Schusterjörgl, später als Schusterveitl bezeichnet.

Vor 20 Jahren stapfte der gebürtige Garchinger erstmals im Winter das verschneite Kiental hinauf nach Andechs. Kurz darauf lernte er seine heutige Frau, die Erlingerin Karin Wolf, kennen. Das junge Ehepaar ließ sich im Haus der Oma seiner Frau nieder. Klier, der nach einer Lehre zum Maurer als staatlich geprüfter Bautechniker selbständig war, baute so einiges um und stellte an dem im ältesten Teil des Hauses verwendeten Tuffstein fest, dass das Anwesen wesentlich älter sein musste als ursprünglich angenommen. Eine belegbare Jahreszahl fand er erst bei seinen Nachforschungen mit dem Heimatverein.

Gut 65 Häuser konnte der Heimatverein ausmachen, die heute noch stehen. Bei der älteren Bevölkerung sind die alten Hausnamen wie zum Beispiel der Klosterschmied für den neu errichteten Bernhardhof durchaus noch bekannt. Damit das so bleibt, will der Verein mit schmucken grünen Emailschildern verhindern, dass die alten Hausnamen in Erling in Vergessenheit geraten. Als der Vorstand sein Vorhaben vorstellte, war das Interesse groß. Gut 40 Bestellungen von Schildern gingen ein. Den Hausbesitzer kostet das 60 Euro, zehn Euro steuert die Gemeinde bei. Drei Schilder sind bereits zur Ansicht montiert: das des Zimmergrätz, beim Schusterveitl und der Klosterrichter am Andechser Rathaus.

Viele Erlinger sprächen ihn in diesen Tagen auf das Hausschild-Projekt an, erzählt Klier. Gerne wird er sich auch noch an einige Hausbesitzer persönlich wenden, damit sich der Sammelauftrag für die Hausschilder lohnt. "Danach bin ich in Erling voll integriert", lacht Klier, der sich bei den Kommunalwahl im nächsten Jahr um das Amt des Bürgermeisters bewerben will. Wenn es klappt, geht er dann nicht nur beim Schusterveitl, sondern auch beim Klosterrichter ein und aus.

Der Heimatverein Erling-Andechs lädt am Sonntag, 7. Juli, von 14 Uhr an zum Tag der offenen Tür im alten Schulhaus.