AndechsEnttäuschte Biobauern

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Die Milchlieferanten von Scheitz hatten sich bei einem Gespräch mit Abt Johannes Eckert Frieden erhofft. Doch das Kloster greift die Biomolkerei erneut an und spricht dabei von "Besorgnis".

Blanche Mamer

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Auf dem Heiligen Berg in Andechs ist kein Friede in Sicht. Foto: Georgine Treybal
Auf dem Heiligen Berg in Andechs ist kein Friede in Sicht. Foto: Georgine Treybal Georgine Treybal

Andechs - Auch im neuen Jahr sieht es nicht nach Frieden aus in Andechs. So tief ist der Graben zwischen dem Benediktiner-Abt von Stankt Bonifaz und Andechs und der Biomolkerei Scheitz, dass selbst die Vertreter der Biomilchbauern, die auch engagierte Katholiken sind, nichts ausrichten konnten. "Es war alles, nur kein Friedensgespräch", sagt Anton Daxenbichler aus Tuntenhausen über das Treffen, das auf Einladung des Klosters stattfand. Er ist nicht nur Sprecher der 600 Biomilchbauern der Region, die an Scheitz liefern, sondern auch Vorsitzender des Dekanatsrats von Bad Aibling. Abt Johannes Eckert bezeichnet das Gespräch als "offen und intensiv" und geht in einer Presseerklärung auf die Gründe für den Rechtsstreit ein.

"Nach zwei Stunden war uns klar, dass wir nichts erreichen würden. Der Abt hat sich nicht bewegt, er war nicht bereit, ein Angebot anzuhören. Im Gegenteil, die Mönche haben die Molkerei nur schlecht gemacht und versucht, uns Angst einzujagen. Wir sind enttäuscht über das Verhalten des Abtes", sagt Daxenbichler im Gespräch mit der SZ. Denn die Milchbauern, deren Existenz durch den langen Rechtsstreit und den Stillstand bei den Erweiterungsbauten der Molkerei bedroht ist, hatten sich eine Annäherung erwartet. Bei der Friedenswallfahrt zum Heiligen Berg Ende Oktober, an der 300 Landwirte und ihre Familien teilgenommen hatten, hatte der Abt Gesprächsbereitschaft signalisiert. Deshalb hatten die Milchbauern auch auf ein Entgegenkommen gehofft.

Laut einer Erklärung des Klosters habe der Abt seine Besorgnis ausgedrückt, dass bei einem möglichen Verkauf der Molkerei der Name "Andechser" in fremde Hände gelangen könnte. "Durch den Einfluss des französischen Lebensmittelkonzerns Bongrain droht die Gefahr, dass die Landwirte in der Region über kurz oder lang die Verlierer sind", heißt es. Schon jetzt produziere die Molkerei zu einem erheblichen Teil im Ausland, und nicht in Erling. Das Kloster produziere aber nachweislich seit 1865 Käse und nutze heute den Namen "Kloster Andechs Frischkäse". Die Molkerei Scheitz habe dagegen seit Jahren den Eindruck erwecken wollen, "Andechser" für sich geschützt zu haben.

Der seit mehr als sieben Jahre dauernde Streit vor Gericht dreht sich um das Warenzeichen "r", das auf die Molkereiprodukte aufgedruckt ist, und seit dem jüngsten Gerichtsurteil nicht mehr direkt hinter "Andechser" steht, sondern etwas oberhalb. Das Gericht hatte entschieden, dass Scheitz 250 000 Euro Strafe pro Flasche oder Joghurt-Glas zahlen müsse, falls das "r" zu nah an Andechser heran rutsche. Dagegen hat Geschäftsführerin Barbara Scheitz nach Rücksprache mit den Biobauern Berufung eingelegt. Denn ein minimales technisches Problem könnte die Molkerei ruinieren und damit auch die Bauern. "Die Mönche wollten unsere Argumente nicht hören", sagt Daxenbichler, Auffallend für ihn war, dass die Vorgeschichte zur Platzierung des Warenzeichens "r" niemanden interessierte. "Wir haben bis zum Schluss versucht, unsere Lage als Biomilchlieferanten und die der Molkerei als alleiniger Abnehmer klar zu machen. Als wir sagten, dass wir ein Angebot überbringen wollten, hat der Abt uns ganz spöttisch gefragt, ob wir nun Bauern seien oder Unterhändler", sagt der Sprecher der Landwirte. Barbara Scheitz hatte vorgeschlagen, nach dem Berufungsverfahren weitere Streitigkeiten einzustellen.

Nach dieser für sie traurigen Begegnung wollen die Bio-Bauern vorerst still halten und die Gerichtsverhandlung am 19. März abwarten. Auch die Andechser Bürger haben die ständige Fehde langsam satt. Doch sogar hier habe der Abt versucht, einen Keil zu treiben, so Daxenbichler. "Wir sollten nach Machtlfing gehen und uns die Leute anhören."

Kopfschütteln über die unheilige Auseinandersetzung gibt es mittlerweile auch in der Politik: Beim Jahresabschlusstreffen der FDP appellierte der bayrische Wirtschaftsminister Martin Zeil an die Kontrahenten, endlich Frieden zu schließen. Auch Georg Scheitz, Bruder der Molkerei-Chefin und Andechser Vizebürgermeister (CSU), sprach sich für eine Einigung aus.

© SZ vom 31.12.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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