Wer Michi Schaumberger zum ersten Mal begegnet, wird ganz schnell von ihm eines erfahren: dass er ein "waschechter Friedinger"ist. Und kein Andechser. Denn das würde kein Einheimischer in der berühmten Gemeinde am Fuße des Heiligen Berges von sich so sagen. Entweder ist er ein Erlinger, ein Machtlfinger oder eben ein Friedinger wie Schaumberger. Drei Ortsteile gibt es in Andechs, das als Kommune seinen Namen so erst seit der Gebietsreform Ende der Siebziger trägt. Was in vielen Orten ein Problem ist, gibt es allerdings in der insgesamt rund 4000 Einwohner zählenden Gemeinde nicht: "Wir grenzen uns nicht gegeneinander ab, wir halten zusammen", sagt der 53-jährige Schaumberger. Das heißt: Es werden auch Feste und Veranstaltungen miteinander organisiert. So auch das erste Ochsenrennen im Landkreis Starnberg, zu dem die Landjugend Frieding und der örtliche Trachtenverein an diesem Pfingstsonntag einladen. Was es damit auf sich hat und wie es dazu kam, erzählt Nebenerwerbsbauer Schaumberger, der auch der Vorsitzende des Trachtenvereins ist und bei den Ammersee Wasser- und Abwasserbetrieben arbeitet, im Gespräch mit der SZ.
Herr Schaumberger, ganz ehrlich: Gibt es denn überhaupt so viele Ochsen in Frieding, dass es für so einen Wettkampf langt?
Michi Schaumberger (lacht): Vierbeinige haben wir nicht so viel. Nein, im Ernst: Das würde gar nicht funktionieren, weil wir nur mehr zwei Landwirte bei uns im Ort haben. Da brauchen wir schon Hilfe von außen. Aber das ist kein Problem für uns gewesen, weil unsere Landjugend Frieding zwar so heißt, aber ein viel größeres Einzugsgebiet hat. Da sind auch welche aus Hadorf zum Beispiel dabei oder eben aus Widdersberg.
Und jetzt gibt es genug Ochsen?
Ja, wir gehen jetzt mit 13 an den Start. Aber auch die haben wir alle erst machen müssen.
Wie bitte?
Ja mei, Schnippschnapp halt. Ist doch logisch. Wenn man so was machen will, dann muss man früh anfangen, also im Kälberalter. Die Tiere müssen ja an alles gewöhnt werden. Mit einem Stier könnte man das nicht machen.

Tierschützer meinen sicherlich, dass man auch kein Ochsenrennen machen darf.
Das mag sein, aber die kennen unsere Ochsen auch nicht. Trotzdem müssen wir uns auf Tierschützer einstellen, aber wir haben sie auch zu unserem Fest eingeladen, damit sie sich selbst ein Bild machen können. Für uns ist das Ganze aber sehr wichtig, weil wir wollen, dass alles richtig läuft und auch das Tierwohl beachtet wird: Das sind ja zwei Jubiläen, die wir feiern: einmal 100 Jahre Trachtenverein, einmal 70 Jahre Landjugend. Eigentlich sollte das Ganze schon im vergangenen Oktober begangen werden, aber da kam uns ja Corona dazwischen. Jetzt machen wir unser Rennen halt am Pfingstsonntag.
Wer kam denn auf diese Idee? Sie?
Wir haben uns halt gedacht, Oldtimertreffen gibt es öfter mal im Landkreis. Wir wollten mal was anderes. Und da kam mir halt die Idee mit dem Ochsenrennen, und alle waren dafür. Aber um es gleich zu sagen: Das wird eine einmalige Sache bleiben. Wir wollen weder den Münsingern noch den Haunshofenern Konkurrenz machen.
Dort haben die Ochsenrennen ja längst Tradition. Haben Sie dort mal gefragt, wie so was überhaupt geht?
Natürlich braucht man da den Rat von den Profis. Da gibt es viel zu beachten: Ochsen dürfen beispielsweise frühestens im Alter von 24 Monaten antreten, vorher nicht. Deshalb mussten wir sie ja auch erst einmal machen: Jetzt sind sie alle so zwischen drei und dreieinhalb Jahren alt. Also die Idee geht schon eine Weile zurück. Und dann braucht es jede Menge Geduld: Man muss die Tiere erst einmal daran gewöhnen, sich führen zu lassen. Dann muss man schauen, wie sie zurecht kommen, wenn etwas auf ihrem Rücken ist, wir haben das mit einem Sack erst einmal ausprobiert. Und wir müssen sie mit dem Voltigiergurt vertraut machen, der ihnen um den Bauch gewickelt wird und an dem sich die Reiter festhalten können.

Apropos Reiter. Auf einem Ochsen reiten, kann auch nicht jeder.
Ich glaube, die meisten können gar nicht mal auf einem Pferd reiten, bis auf die Eva Wolf, die auch mit ihrem Ochsen beim Rennen mitmacht. Die kann wirklich reiten. Es gehört also schon jede Menge Mut dazu, sich auf den Rücken eines solchen Tieres zu schwingen. Zumal die auch immer wieder mal losrennen und plötzlich bremsen und nicht mehr weiter wollen.
Schon passiert?
Ja, bei meinem Xaverl zum Beispiel. Den sollte meine Tochter Lena reiten, aber jetzt ist sie leider schon zweimal deshalb beim Training "abgestiegen" - und ich musste mir einen anderen Reiter suchen. Kurzfristig ist das gar nicht leicht: Der Xaverl muss den ja auch akzeptieren. Der kennt den ja nicht.
Aber Sie kennt er doch?
Wäre ich jünger, hätte ich auch mitgemacht. Aber in meinem Alter tut man sich nur furchtbar weh, wenn man absteigt.
Mit vielen Zuschauern rechnen Sie denn da am Sonntag?
3000 werden es schon werden. Ich bin Optimist. Darum glaube ich auch, dass das Wetter hält, auch wenn es nicht so gut angesagt ist. Verschieben können wir das alles ja nicht mehr. Nur noch auf den Heiligen Berg gehen und eine Kerze anzünden. Damit alles gut geht. Das Ganze soll ja eine Gaudi werden - für alle. Und darum kriegen unsere Ochsen und Reiter auch einen kirchlichen Segen.
Das Friedinger Großereignis beginnt am Sonntag, 5. Juni, 10 Uhr, mit einem Weißwurstfrühstück und Blasmusik. Um 11 Uhr sollen sich Ochsen und Reiter vorstellen und die Gäste ihre Wetten auf die Gewinner durch Loskauf abgeben. Um 12.30 Uhr ziehen die Teilnehmer mit einem Festzug zur Arena etwas oberhalb des Festplatzes an der Straße zwischen Frieding und Drößling (auf Höhe des Fußballplatzes). Um 13 Uhr startet das Rennen, das mindestens drei Stunden dauern wird, weil es mehrere Läufe gibt und sich die Tiere dazwischen erholen sollen. Die Strecke, die sie pro Lauf zu überwinden haben, ist 100 Meter lang. Im Anschluss treten die "Blechschlawiner" auf , um 22 Uhr eröffnet zudem die Bar mit einem DJ.

