Amtsgericht Starnberg 81-Jähriger lädt zu Psycho-Seminar mit Ecstasy, LSD und Amphetamin

Die Polizei sprengt das Treffen mit 14 Teilnehmern in Weßling. Das Starnberger Amtsgericht verurteilt den Mann.

Von Michael Berzl

Brille, Glatze, graue Haare, die blaue Jacke wirkt fast ein bisschen zu groß für den schmächtigen Mann, der als Angeklagter ins Starnberger Amtsgericht gekommen ist. Ganz ruhig verfolgt der 81-Jährige den Prozess, in dem er eigentlich die Hauptrolle spielt. Während der Urteilsverkündung lächelt er Richterin Christine Conrad an, nickt verständnisvoll, zeigt einmal sogar die Geste: Daumen hoch.

Wegen Drogenhandels wird der alte Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. So harmlos der 81-Jährige wirkt, so gefährlich war das, was er lange Zeit organisiert hat: sogenannte Psycholyse-Seminare, zu denen auch die Einnahme von Drogen wie LSD oder Ecstasy gehörte.

Das letzte seiner Seminare liegt nun fast ein Jahr zurück. Es war Freitagabend, die Teilnehmer hatten es sich auf Matratzen und Sitzkissen in einem Keller eines Hauses in Weßling bequem gemacht, auf einem Tischchen standen zwei Glasschälchen mit grünen MDMA-Pillen bereit - auch bekannt als Ecstasy. Da stürmten maskierte und bewaffnete Polizisten den Raum.

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Die Drogen wurden sichergestellt, der Seminarleiter wurde festgenommen. Am Mittwoch musste er sich nun in Starnberg vor einem Schöffengericht wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Der Angeklagte, der als Beruf Musiker angab, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, er ließ seinen Rechtsanwalt eine Erklärung verlesen, in der er ein Geständnis ablegt.

Aufgeflogen war das Geheimtreffen, weil sich eine TV-Reporterin unter falschem Namen eingeschlichen und die Polizei eingeschaltet hatte. Mit versteckten Kameras filmte sie die Razzia, nachdem sie mit einem Alarmknopf das Unterstützungskommando alarmiert hatte, das schon draußen postiert war. In der Verhandlung sagte die 41-Jährige als Zeugin aus. Sie habe sich bei einem Psychotherapeuten in Berlin als depressiv ausgegeben und von ihm den Kontakt zum Seminarleiter vermitteln lassen.

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Schon zwei Wochen nach einem ersten Gespräch mit dem 81-Jährigen sei sie zu dem Psycholyse-Wochenende im vergangenen November nach Weßling eingeladen worden. Drei Tage mit Übernachtung, Verpflegung und Drogen kosteten 330 Euro. Insgesamt 14 Teilnehmer waren gekommen. Das Programm sah Atemmeditationen und Tanz vor sowie Übungen, die das Körperbewusstsein stärken sollten; so stand es in der Erklärung des Seminarleiters. Die Rauschmittel sollten dazu beitragen, Blockaden in Körper und Geist zu lösen. Die Polizei fand bei der Durchsuchung Hunderte Amphetamin-Kapseln unterschiedlicher Sorten sowie Fläschchen mit LSD. Außerdem eine Teilnehmerliste und etwa 8000 Euro Bargeld.

Es war nicht das erste Seminar dieser Art. Auch in Weßling habe es schon mehrere Treffen gegeben, wie die Vernehmung von Teilnehmern ergab, berichtete ein Kriminalpolizist als Zeuge. In Handeloh in Niedersachsen war im September 2015 einem anderen Veranstalter so ein Drogen-Wochenende völlig außer Kontrolle geraten. Fast 30 Teilnehmer mussten mit Wahnvorstellungen, Krämpfen und Herzrasen in Krankenhäuser gebracht werden. In Weßling wollte die Polizei daher eingreifen, ehe jemand eine Pille einnahm.

Eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung lautet das Urteil für den Seminarleiter. Außerdem muss er 1500 Euro an die Suchthilfe-Einrichtung Condrobs in Starnberg bezahlen. Der 81-Jährige nahm das Urteil an. Er wolle möglichst bald wieder für seine pflegebedürftige Frau da sein, die seit Montag im Krankenhaus liege, hatte er eingangs erklärt.

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