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Ammersee:Badeplatz öffnet - Sprungturm bleibt gesperrt

Utting Badegelände ; Utting Sprungturm

Das Strandbad ist allein schon wegen seines Sprungturms in den Biografien der Uttinger tief verwurzelt.

(Foto: Georgine Treybal)

Wegen der Corona-Pandemie ändern sich die Regeln in Utting. Kabinen und Stege sind geschlossen, aber im Biergarten wird der Grill wieder angefeuert.

Nun hat auch das letzte Strandbad am Ammersee offiziell den Betrieb eingestellt - aber die idyllische Anlage mitten in Utting steht endlich wieder für Bürger und Besucher offen. Seit Montag wird das Betreten der Liegewiese und Baden im Ammersee nicht mehr verwehrt, und Pächter Rupert Riedel darf im Biergarten unter Rücksicht auf die Distanzregeln bewirten. Doch wegen der Corona-Beschränkungen gibt es keinen beaufsichtigten Badebetrieb, Stege und der prominente Sprungturm bleiben zumindest vorerst versperrt.

In der vergangenen Saison beugte sich Utting noch nicht den seinerzeit neuen Sicherheitsansprüchen. Angesichts des erweiterten Unfallhaftungsrisikos bauten etwa die Dießener Nachbarn ihre Strandbäder in Riederau und St. Alban 2019 zu Freizeitarealen am Seeufer zurück: bädertypische Einrichtungen wie Flöße oder Wasserrutschen wurden demontiert, Aufsicht und Eintrittskartenverkauf eingestellt.

Nur in Utting hielt man weiter am alten Konzept fest. Das Strandbad ist als zentraler Lebensraum tief in den Biografien der Bürger verwurzelt, der Sprungturm vom Wahrzeichen des Orts zum Emblem der ganzen Ammerseeregion gewachsen. Deshalb holte der Gemeinderat ein teures juristisches Gutachten ein. Es entstand ein Sicherheitskonzept, das auf der zeitweisen Absperrung des Turms und einer verstärkten Badeaufsicht beruhte: So stellte der Pächter drei Bademeister in Teilzeit ein, außerhalb der Betriebszeit wurde der Turm mit Schlössern und mannshohem Holztor gesichert.

Wann von ihm aus nun erstmals seit Herbst wieder in den Ammersee gesprungen werden kann, vermag noch niemand zu sagen. "Vor Juni geht nichts", hat Markus Söder für die Freibäder verkündet - und wie Auflagen und Regeln im Betrieb umzusetzen sind, lässt sich noch nicht absehen. Der Gemeinderat Utting beschloss daher in der konstituierenden Sitzung kurzerhand, das Strandbad vorübergehend für die Dauer der Pandemie zum Badeplatz umzugestalten - auch wenn dann Kabinen, Turm und Stege nicht mehr genutzt werden können. "Es wäre doch schade, die Anlage ganz zu sperren, sonnenbaden und ans Wasser gehen kann man ja noch", findet etwa Bürgermeister Florian Hoffmann. Man wolle auch den Pächter unterstützen, dessen Existenz am Betrieb des Kiosk und der Gastronomie im Freien hängt.

Utting Badegelände ; Utting Badegelände

Das Strandbad steht seit Montag wieder offen, ist aber nun wegen der Pandemie nur noch eine Badestelle ohne Aufsicht.

(Foto: Georgine Treybal)

Riedel wollte eigentlich wie stets am ersten Aprilwochenende den Betrieb aufnehmen. Schon die bis jetzt eingetretenen Einnahmeverluste könne er "heuer definitiv nicht mehr aufholen". Zur Eröffnung am Montag war es noch sehr ruhig, dennoch hat er nachmittags auch den Grill wieder angefeuert, verführerische Aromen zogen die Seestraße entlang. "Es ist alles da", sagt Riedel - nur Gäste könnten es mehr sein. Immerhin, bei der Pacht sei ihm die Gemeinde "schon entgegengekommen." Wie weit, darüber bewahren beide Seiten Stillschweigen. Auf jeden Fall weiß man, was man aneinander hat: Riedel ist nun im 30. Jahr Pächter der Uttinger Institution.

© SZ vom 20.05.2020

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