Süddeutsche Zeitung

Energiewende:Wärme aus dem Ammersee

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Der Schondorfer Bürgermeister bringt eine innovative Methode zum Heizen ins Gespräch und will mit Behörden und Fischern über die Möglichkeiten einer Umsetzung sprechen. Angesichts der langfristigen Perspektiven spricht er von "Enkelprojekten".

Von Renate Greil, Schondorf/Utting

Seen zur Energieerzeugung zu nutzen, ist eine Idee, die gerade Schule macht. Ob am Bodensee, am Tegernsee oder Chiemsee: Dort gibt es jeweils schon entsprechende Initiativen. In Prien am Chiemsee etwa soll ein Erlebnisbad mit der Wärme aus dem Wasser betrieben werden. Auch in Schondorf am Ammersee verfolgt man nun das Thema: Bürgermeister Alexander Herrmann machte auf eine Seethermie aufmerksam, die in der Schweiz schon erfolgreich umgesetzt worden sein soll.

Das physikalische Prinzip klingt relativ einfach: Das Wasser in einer Tiefe zwischen 20 und 40 Metern hat das ganze Jahr über eine relativ konstante Temperatur von vier Grad Celsius. Aus dieser Schicht wird Seewasser entnommen und dann einer Art Wärmetauscher zugeführt, der ein daran angeschlossenes Fern- oder Nahwärmenetz heizt. Das Seewasser wird zwischen 1,5 und zwei Grad kühler wieder in den See zurückgeleitet. Diese Methode könnte theoretisch auch am Ammersee funktionieren.

"Da muss man genau hinsehen, damit die Fauna nicht beeinträchtigt wird", gibt Grünen-Bürgermeister Herrmann zu bedenken. Ob es am Ammersee allerdings grundsätzlich möglich sein wird, Seethermie zu betreiben, darüber möchte der Schondorfer Bürgermeister mit Behörden und Nutzern wie den Fischern ins Gespräch kommen. Die beste Möglichkeit für eine umfassende Betrachtung sieht er in einer Machbarkeitsstudie, die von den drei Westufer-Gemeinden Dießen, Utting und Schondorf gemeinsam auf den Weg gebracht werden könnte.

Im Hinblick auf den Betrieb sei aber auch klar, dass jede der drei Seegemeinden am Ammersee-Westufer am Ort jeweils ein eigenes Kraftwerk betreiben müsste, um wirtschaftlich zu bleiben. Denn die Kosten für Fernwärmeleitungen seien mit 2000 bis 2500 Euro pro Meter sehr hoch, rechnet Herrmann vor.

Die exorbitanten Kosten seien auch der Nachteil einer zweiten Idee, die derzeit von Gemeinden auch im Fünfseenland ernsthaft geprüft wird und teilweise auch schon vorangetrieben wird: die Tiefengeothermie. Daniel Gehr, Klimamanager der Gemeinde Windach, berichtete von einer aktuellen Vormachbarkeitsstudie, die klären soll, wo eine Bohrung in die Tiefe den meisten Sinn ergebe. Die am Ammersee quasi in zweiter Reihe gelegene Gemeinde habe zu diesem Zweck bereits einen Antrag auf das erforderliche Bergrecht gestellt. Gehr betont, dass es sich dabei um ein interkommunales Projekt handele, das gemeinschaftlich betrieben werden solle. Voraussichtlich im November soll mit den übrigen beteiligten Gemeinden diskutiert werden, "wie die Sache weitergeht".

Die Gemeinden Utting und Schondorf haben bereits grundsätzliches Interesse an dem Geothermie-Projekt bekundet. Bürgermeister Herrmann rechnet allerdings vor, dass beispielsweise bei einem Standort des Geothermiekraftwerks im nahe gelegenen Finning allein für die Leitung nach Schondorf um die 17 Millionen Euro bezahlt werden müssten. Gleich sei beiden Thermieprojekten zudem eine hohe Anfangsinvestition, denn neben den Kraftwerkskosten müsse das Nahwärmenetz in den Kommunen auch noch entstehen. Dann allerdings sei man unabhängig von Öl- und Gaslieferanten, was der Bürgermeister als großen Vorteil sieht. Er bezeichnet die neue Form des Heizens als "Enkelprojekte".

Interkommunale Zusammenarbeit beim Klimamanager

In Utting wünschten sich die Gemeinderäte im Gemeinderat detailliertere Informationen zum Thema Seethermie, um eine Grundsatzentscheidung treffen zu können. Ein grundsätzliches Interesse sei vorhanden, erläuterte Uttings Geschäftsleiter Matthias Graf. Eine interkommunale Zusammenarbeit kann sich Graf auch für den neuen Posten eines Klimamanagers vorstellen - ähnlich dem Modell für den gemeinsamen Streetworker der drei Ammersee-Gemeinden.

Diese Stelle ist derzeit beim Weilheimer Trägerverein "Brücke Oberland" ausgeschrieben, jede beteiligte Gemeinde zahlt anteilig. "Alleine können wir keine Vollzeitstelle stemmen", sagt Graf. Zunächst soll daher, wie in einem Bürgerantrag gefordert, von der Uttinger Verwaltung ausgelotet werden, wie die Rahmenbedingung für die Stelle eines Klimamanager sind und welche Aufgabenfelder dieser übernehmen könnte.

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