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Naturschutz:Der extrem seltene Alpenbock streckt seine Fühler am Ammersee aus

Den besonders schönen Käfer gibt es sonst nur in den Bergen. Das neue Schutzgebiet "Ammerseeufer und Leitenwälder" beherbergt auch andere wertvolle Naturschätze.

Er umfasst 134 Seiten und ein Gebiet von fast zehn Quadratkilometern - was gut zwei Prozent der Starnberger Landkreisfläche entspricht. Die Rede ist vom neuen Managementplan für das Schutzgebiet "Ammerseeufer und Leitenwälder", einem Flora-Fauna-Habitat (FFH). Darin werden besonders wertvolle Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten des Schutzgebiets vorgestellt; ihr Zustand und nötige Erhaltungsmaßnahmen erfasst. Im reich bebilderten Plan findet sich auch eine kleine Sensation: Der extrem seltene Alpenbock ist dort entdeckt worden, das ist kein Huftier, sondern der wohl schönste Käfer Europas.

Leuchtend blau, mit einer Körperlänge von bis zu vier Zentimetern und mehr als doppelt so langen Fühlern ist dieser europaweit streng geschützte Bockkäfer unverwechselbar. Bislang ist er in Bayern außerhalb der Alpen noch nie dauerhaft beobachtet worden, deutschlandweit kommt er nur noch in der schwäbischen Alb vor. Weil Rosalia alpina für die Entwicklung der Larven über mehrere Jahre totes Buchenholz benötigt, das von der Sonne beschienen sein sollte, findet er in unseren intensiv bewirtschafteten Wäldern kaum noch Brutraum. Aber man bekommt den Alpenbock auch deshalb so selten zu Gesicht, weil die geschlüpften Käfer nur wenige Wochen zum Leben haben. Im FFH-Gebiet am Ammersee wurde die Art seit 2003 dauerhaft in einem eng begrenzten, steilen Bereich der Leitenwälder nachgewiesen. Der genaue Ort bleibt geheim, um die Tiere vor sammelwütigen Käferliebhabern zu schützen. Vielleicht ist die völlig isolierte Population mit Brennholz eingeschleppt worden.

Wie rar der Alpenbock ist, zeigt sich auch daran, dass ihn selbst Burkhard Quinger noch nicht erblickt hat, obwohl der Herrschinger Biologe den größeren Teil des Managementplans kartiert und bearbeitet hat. Aber auch ansonsten glänzt das 952 Hektar große FFH-Gebiet (davon 250 Hektar Wasserfläche) mit Naturschätzen: Es umfasst Biotope vom Flachwasser, in denen Armleuchteralgen wachsen, bis zu den naturnah bewaldeten Moränenrücken und Schluchten wie die des Kienbachs. Neben Lebensraumtypen wie Niedermoore, Magerrasen oder Orchideen-Buchenwälder haben Quinger und Mitarbeiter der Staatsforstverwaltung zahlreiche bedrohte Tiere und Pflanzen erfasst, die in der europaweit gültigen FFH-Richtlinie als besonders schützenswert aufgeführt sind. Bachmuschel, Hirschkäfer, Gelbbauchunke, Feuerlilie und Gelber Enzian sind darunter; auch eine Wiese mit 800 blühenden Sumpfgladiolen hat Quinger fotografiert.

Für Behörden ist das Regelwerk vom 7. Februar an verbindlich. Die bisherigen Nutzungen durch private Grundeigentümer werden nicht eingeschränkt, sie müssen lediglich das sogenannte Verschlechterungsverbot beachten, das den Erhalt der Schutzgüter vorschreibt. Aber auch für Badebesucher hat der Managementplan Konsequenzen: So wird als Sofortmaßnahme angeraten, Mauern und Steinmännchen einzuebnen, die sich am Kiesufer in der Rezensrieder Bucht zwischen Herrsching und Breitbrunn auftürmen. Wie Quinger erläutert, werden dazu große Geröllbrocken verwendet, die etwa Köcherfliegenlarven zur Verpuppung brauchen. Auch die für viele Arten wichtige Dynamik bei wechselnden Wasserständen werde durch die Dammbauten gestört.

958 Hektar

umfasst das FFH-Gebiet östlich des Ammersees. 580 Hektar entfallen davon auf die Leitenhänge zwischen Schloss Seefeld und Wartaweil einschließlich des Kientals, 280 Hektar auf das Ammerseeufer zwischen Breitbrunn und Lochschwab mit Rieder Wald.

Das FFH umfasst 530 Flurstücke von mehr als 200 Grundeigentümern. Er wurde vor zwei Jahren mit den Betroffenen am Runden Tisch abgestimmt und danach überarbeitet. In der Folge wurden aber keine Teilflächen herausgenommen oder Kartierungen überarbeitet, sondern weitere Schutzgüter wie Kalktuffquellen und Frauenschuh erfasst. Auf Anregung der Fischer wurden die seltenen Arten Schied und Koppe aufgenommen.

Der Plan liegt in den Rathäusern der betroffenen Gemeinden Andechs, Eching, Inning, Herrsching und Seefeld aus und steht im Internet unter www.regierung.oberbayern.bayern.de

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