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Klamotten aus Schondorf:Ein Lebensgefühl zum Anziehen

Katharina und Bernhard Bauer haben ein Ammersee-Modelabel gegründet. Auf die Hoodies und Shirts drucken sie den See und die Namen umliegender Orte. Mittlerweile statten sie damit ganze Familien aus.

Wie fühlt es sich an, das Leben am See? Und kann ein Pullover dieses Lebensgefühl transportieren? Bernhard und Katharina Bauer aus Schondorf sind davon überzeugt, dass es funktioniert. Jedenfalls mit ihren Hoodies, Sweatjacken, Sweatern und T-Shirts. Es ist das Gefühl vom Leben am See, welches sie mit ihren Klamotten vermitteln wollen. "Magic", so beschreibt es der 39-Jährige.

2013 sind die beiden Kommunikationsdesigner aus München an den Ammersee gezogen, wo sie es nur ein paar Minuten zu Fuß zum Wasser haben. "Jeden Tag, auch bei schlechtem Wetter" ziehe sie Energie aus dieser Nähe, sagt Katharina Bauer. "So tolles Licht, so viele Stimmungen." Bei Pizza und Bier, wie sie erzählen, sei ihnen damals die Idee einer eigenen Ammersee-Kollektion gekommen. Das Gewässer hatte da als Ort der Entspannung schon einen festen Platz in ihren Herzen. Sie genießen den Blick in die Weite, das stille Plätschern am Ufer, die feuchte Seeluft auch nach bald sieben Jahren noch immer. Vielleicht, weil diese Nähe lange Zeit keine Selbstverständlichkeit in ihrem Leben war. "Jahrelang sind wir wie alle anderen halt am Wochenende aus der Stadt rausgefahren", erzählt die 40-Jährige.

Vor sieben Jahren sind Katharina und Bernhard Bauer nach Schondorf gezogen. Mit Sohn Benjamin lebt das Paar nur wenige Minuten zu Fuß vom Ammersee entfernt, den sie nicht mehr missen möchten.

(Foto: Arlet Ulfers)

Als selbständiger Grafikdesigner hatte Bernhard Bauer schnell einen "Ammersee"-Schriftzug entworfen. Der Name des Labels stand ebenfalls: "Ammersoul". Für das Emblem, das alle Artikel schmückt, entwarf das Paar einen Kreis, auf dem die Namen der neun Anlegestellen zu lesen sind, in der Mitte die lang gezogene Form des Ammersees. Je lokaler, desto besser. Für die Drucke nutzt das Ehepaar helle, knallige Farben, die sich gut auf den Stoffen in Blau, Dunkelrot oder Schwarz machen. Frisch und fröhlich soll es sein, aber nicht kitschig. Eher nordisch kühl als südländisch verspielt. Und obendrein praktisch: "Wenn unerwartet ein frischer Wind aufzieht, freut sich jeder über eine Kapuze an der Jacke", so Bernhard Bauer.

Alle Klamotten tragen das Logo mit den Namen der Anlegestellen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Mit den ersten 40 Hoodies im Karton haben die Bauers 2016 auf dem Christkindlmarkt in Schondorf ihren Traum vom eigenen Modelabel gestartet. "Es war ein Versuch", erinnert sich Katharina Bauer und muss lachen. "Es blieb kein einziger Pulli übrig." Also gingen sie in die Produktion. Die Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle beziehen sie über einen zertifizierten Hersteller aus Belgien, ein Unternehmer in München platziert die Motive per Siebdruckverfahren. Längst gibt es mehr Motive als nur den Schriftzug im Angebot: Für die jüngere Generation etwa nur ein Großes A und dazu einen "Buchstabensalat", eine Stand-Up-Paddling-Grafik für die Sport-Freaks oder das Dampfer-Motiv, das modern als "Ammersee Cruising" daherkommt. "Wir wollen die Klassiker rund um den See ein bisschen aufbohren", sagt Bernhard Bauer - das aber keinesfalls zu platt nach dem Motto "Juchee, der See, so schee" sein.

Ammersee-Mode von Familie Bauer.

(Foto: Arlet Ulfers)

Anfangs gab es die Klamotten lediglich im Segelgeschäft eines Freundes, der zu den Mitgründern des Label gehörte. Inzwischen machen die Bauers "Ammersoul" alleine, der Vertrieb läuft aktuell ausschließlich über den Online-Shop. "Wir sind aber auf der Suche nach einem kleinen Laden", sagt Katharina Bauer. Dort wollen sie das Grafikdesign-Büro und die Klamotten kombinieren - "das ist längst mehr als nur ein Hobby", so Katharina Bauer.

Neben Touristen und Münchnern sind Menschen, die am Ammersee leben, die größte Zielgruppe von Ammersoul. "Es gibt ganze Familien, die wir ausgestattet haben", sagt Bernhard Bauer. Für diese seien die "Ammersee"-Pullis und -Jacken wie ein Bekenntnis. "Wir wissen eben alle, dass Herrsching die Golden Coast ist, während man den Sonnenaufgang am besten am Westufer erlebt." Von Stegen aus habe man einen fantastischen Panorama-Blick über den See auf die Berge, in Dießen das große Naturschutzgebiet. Die Bauers geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von einsamen Buchten und großen Veranstaltungen rund um den See erzählen. Ein Leben ohne ihn - "unvorstellbar", wie sie beide sagen.

© SZ vom 15.02.2020
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