Viele Städte und Gemeinden fordern es seit Langem: Tempo 30 auf ihren Ortsdurchfahrten. In Seeshaupt am Starnberger See zum Beispiel wünschen sich die Bürger die Geschwindigkeitsreduzierung seit vielen Jahren vergeblich: Eine Staatsstraße führt mitten durch die Gemeinde. In Inning am Ammersee aber ist nun gelungen, was nahezu unmöglich schien. Dort gilt nun Tempo 30 - ein Beispiel, das auch anderenorts Schule machen könnte.

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Jahrelang hatten die Inninger darum gekämpft. Nun ist die Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Staatsstraße, die durch den Ort von und zur Lindauer Autobahn führt, beschlossene Sache. "Das ist natürlich sehr erfreulich", sagt Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU). Den Verkehr, der seit Jahren schon allein wegen der Anschlussstelle zur Autobahn massiv zugenommen hat, könne man dadurch zwar nicht verringern, aber: "Allein vom Lärm her bringt das den Anwohnern eine Erleichterung." Zudem lasse sich die Straße auch leichter queren, wenn nicht so schnell durch den Ort gefahren werde.
Der Lärm: Er ist es letztlich auch, mit dem Inning seinen Wunsch nach Tempo 30 durchsetzen konnte. Dieser bestand seit Jahren, mindestens seit die Mehrheit der Bürger in gleich zwei Entscheiden - 2013 und 2016 - den Bau einer Entlastungsstraße durch sensibles Gebiet abgelehnt hatten. Stattdessen sollte die Ortsdurchfahrt saniert und beruhigt werden, hieß es damals immer wieder. Die Sanierung, die in den Händen des Staatlichen Bauamts Weilheim liegt, wird jedoch seit Jahren verschoben. Derzeit heißt es, sie könne frühestens in Angriff genommen werden, wenn die Sanierung der Ortsdurchfahrt in Tutzing abgeschlossen sei, also nicht vor 2024.
Eine Entlastung für die Anwohner wird diese Sanierung vermutlich aber auch nicht bringen. Das zeichnet sich ebenfalls seit Jahren ab. Tempo 30 hingegen dürfte die Lärmbelastung für Menschen, die an dieser Straße wohnen, deutlich verringern. Dies hatten ein Verkehrsgutachten und der Lärmaktionsplan, den die Gemeinde von 2016 an aufstellen ließ, deutlich gemacht. Ohne rechtlichen Beistand und diverse Lärmmessungen in Inning hätte Tempo 30 aber dennoch nicht geklappt. Auf Staatsstraßen muss der "Verkehr fließen", was den Vorschriften gemäß bei einer reduzierten Geschwindigkeit nicht der Fall ist. Daher waren zunächst sämtliche Anträge Innings gescheitert - bis die Datenlage eindeutig feststellte, wie laut es in Inning werden kann und wie viele Haushalte, es sind knapp 300, davon betroffen sind.
Ein erstes Einlenken der Behörden gab es bereits vor gut einem Jahr: Damals wurde Tempo 30 im Ortskern zwischen Triebweg und Mühlstraße zumindest nachts zwischen 22 Uhr und sechs Uhr genehmigt. Nun soll die Geschwindigkeitsbegrenzung Tag und Nacht über die gesamte Strecke gelten. Nach einer kleinen Übergangsphase werde auch geblitzt, kündigt Bleimaier bereits an.
In Seeshaupt soll es der Gesetzgeber richten
In Seeshaupt hingegen hofft man derzeit, wie in Pullach oder Wolfratshausen auch, auf eine Gesetzesänderung für eine neue Regelhöchstgeschwindigkeit innerorts auf 30 Stundenkilometer. Eine entsprechender Aufruf, der von rund 70 deutschen Kommunen unterstützt wird, ist bereits im vergangenen Jahr gestartet worden. Dieser Aktion solle sich nun auch Seeshaupt anschließen, wie die Bürgerinitiative "Zukunft Seeshaupt" fordert. Die Starnberger See-Gemeinde könnte aber auch einen anderen Weg beschreiten - und sich Rat am Ammersee holen. Damit wäre sie nicht allein: Rathauschef Bleimaier will bereits zwei Hilferufe aus zwei weiteren Gemeinden der Region erhalten haben.
